Branche beklagt steuerpolitisches Durcheinander
Wagniskapital-Branche gibt sich optimistisch

Die Talsohle ist durchschritten. Die Renditen für Beteiligungskapital werden in Zukunft aber deutlich unter denen aus der zweiten Hälfte der 90-er Jahre bleiben. Dies war der Tenor auf der 2. Handelsblatt-Jahrestagung "Venture Capital & Private Equity" in Berlin.

pk BERLIN. Edoardo Bugnone, Chairman der European Venture Capital Association (EVCA), sprach von einer Stabilisierung der Branche. Kurzfristig würden sich die Wertberichtigungen bei den Beteiligungsunternehmen negativ niederschlagen. Auf lange Sicht bleibe außerbörsliches Beteiligungskapital (Private Equity) den Renditen bei Aktien und Anleihen aber überlegen. Nach vorläufigen Angaben sanken die Investitionen im vergangenen Jahr in Europa um 35 % auf 23 Mrd. Euro. Die eingesammelten Mittel gingen auf 31,5 Mrd. Euro zurück. Dabei sei Europa im Vergleich zu den USA noch glimpflich davongekommen. Dort ging das Volumen sogar um 55 % zurück, sagte Bugnone. Zunehmende Bedeutung erlangten in Zukunft die Pensionskassen. In den USA steuern sie schon rund die Hälfe der Mittel bei.

Laut Bugone ist das laufende Jahr ein guter Zeitpunkt, um in die Vermögensklasse Private Equity zu investieren. Historisch gesehen hätten Fonds, die in Rezessionen Beteiligungen eingingen, überlegene Renditen erzielt. Entscheidend sei nicht das Volumen eines Beteiligungsfonds, sondern das Profil der Manager. Die "Zellteilung" in der Branche werde sich fortsetzen, das Angebot vielfältiger werden.

Für Zündstoff sorgte erneut die steuerliche Behandlung der Fonds für Private Equity und Venture Capital. Dabei geht es um die Frage, ob die Erträge eines Fonds aus einem Gewerbebetrieb oder aus der privaten Vermögensverwaltung erzielt werden, wobei die Einstufung als gewerblich deutliche Nachteile mit sich bringt. In den Ausführungen von Regierungsdirektorin Ingetraut Meurer vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) wurde wieder stärker in Richtung Gewerblichkeit argumentiert. Zu einem BMF-Entwurf erläuterte sie, alle Beteiligungen eines Fonds müssten über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren gehalten werden, bei kürzeren Haltefristen gehe die Finanzverwaltung von einem "händlertypischen Vorgehen" aus, also einem gewerblichen Verhalten.

Auch bei der Besteuerung des dem Mehrgewinns für die Fondsmanager nach Rückzahlung der Einlagen an die Investoren zuzüglich einer festgelegten Mindestverzinsung, sieht das BMF Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Vertreter der Beteiligungsgesellschaften zeigten sich bestürzt. Investoren würden steuerpolitisch verunsichert. Korrigiere das BMF seine Vorstellungen nicht, drohe dem Standort Deutschland ein schwerer Rückschlag, sagte Holger Fromman vom Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

Quelle: Handelsblatt

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