Branche bietet ihren Industriekunden verstärkt Serviceleistungen
Maschinenbau pflegt und wartet

Die Auftragsbücher vieler deutscher Maschinen- und Anlagenbauer sind deutlich dünner geworden. Kein Wunder, dass sich die Branche nach neuen Betätigungsfeldern umsieht.

STUTTGART. Der Maschinen- und Anlagenbaukonzern IWKA hat in diesem Jahr Grund, einen besonderen Großauftrag zu feiern: Die Karlsruher haben nicht nur den Zuschlag für Bearbeitungszentren im Wert von rund 55 Mill. Euro für das neue Motorenwerk von Daimler-Chrysler im thüringischen Kölleda bekommen. Sie schlossen auch einen Instandhaltungsvertrag für die Wartung vor Ort über vier Jahre im Wert von 20 Mill. Euro ab. Dies soll kein Einzelfall bleiben. Die IWKA will ihren Dienstleistungsanteil von etwa 10 auf 20 % des Umsatzes verdoppeln.

Der IWKA-Auftrag ist ein Paradebeispiel, denn die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer gehen "Downstream". Dahinter verbirgt sich eine für die Branche neue Geschäftsidee: Die Maschinenbauer versuchen nicht nur mit Maschinen Geld zu verdienen, sie setzen jetzt am Ende der Wertschöpfungskette an: Wartung und Instandhaltung sollen neue Umsätze bringen. "Das ist ein Fakt," sagt Branchenexperte Jan Dannenmann von der Unternehmensberatung Mercer.

"Wir wollen die Anlagen bis zum Ende ihrer Dienstzeit begleiten", sagt IWKA-Chef Hans Fahr. Ihn lockt bei Daimler nicht nur das zusätzliche Geschäft: "Wir versprechen uns davon eine engere Kundenbindung." Zudem will IWKA, ihre Erfahrungen bei der Instandhaltung für Verbesserungen bei neuen Maschinen nutzen.

Der Stuttgarter Lackieranlagenbauer Dürr stieg schon vor drei Jahren in den Bereich produktionsbegleitende Dienstleistungen ein. 1999 übernahm Dürr das US-Unternehmen Premier Manufacturing Services. Inzwischen versuchen die Stuttgarter, das Geschäft in Europa zu etablieren. Noch macht Premier zwei Drittel des Umsatz von 135 Mill. Euro in Nordamerika.

Auch der Ditzinger Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf baut auf das Servicegeschäft. "Wartungsverträge spielen bei uns eine große Rolle", sagt Mathias Kammüller, Geschäftsführer beim Weltmarktführer für Laserquellen und mit Lasern ausgestatteten Werkzeugmaschinen. Rund 3 % des Umsatzes von 1,1 Mrd. Euro erzielt Dürr heute mit Wartung. Ziel sind 10 %. Rund 800 Wartungsverträge gibt es bereits.

Die Aussichten für das neue Geschäfts sind gut. Das sehen auch die beiden großen deutschen etablierten Industriedienstleister DIW Deutsche Industrie Wartung AG (Umsatz rund 290 Mill. Euro) und ThyssenKrupp Serv (Umsatz 2,5 Mrd. Euro) so. Ansonsten bieten hierzulande hauptsächlich kleinere regionale Anbieter produktionsnahe Dienstleistungen an. DIW-Vorstandschef Günther Armbruster schätzt das Marktpotenzial über alle Industriebranchen allein in Deutschland auf 130 Mrd. Euro.

Bisher vergeben die deutschen Industrieunternehmen jedoch nur sehr wenig nach außen; "höchstens ein Prozent", schätzt Armbruster. Doch Thomas Ludwig, Vorstandschef von ThyssenKrupp Serv, sieht einen unumkehrbaren Trend zum Outsourcing: "Es ist riesiger Markt." Vorreiter sei hier zweifellos die Automobilindustrie.

Noch öffnet sich der Markt erst langsam. "Der Trend ist vorhanden, doch die Realität sieht in vielen Bereichen anders aus", stellt Dürr-Vorstandsmitglied Norbert Klapper fest. Gute Chancen rechnen sich die Maschinen- und Anlagenbauer in Europa bei neuen Fabriken aus. Bei bestehenden Werken wehrten sich die Arbeitnehmervertretungen gegen eine Ausgliederung.

DIW und Thyssen-Krupp Serv haben keine Angst vor der neuen Konkurrenz der Maschinen- und Anlagenbauer. Das liegt jedoch nicht nur daran, dass sie an einen stark wachsenden Markt glauben. "Es wird noch lange dauern, bis die begreifen, was Dienstleistungen sind", sagt Armbruster selbstbewusst. "Service ist ein ganz anderes Geschäft als Maschinen- und Anlagenbau" sagt auch Ludwig. Die Hersteller besäßen zwar Spezialkenntnisse, aber ihnen fehle die flächendeckende Organisation. Er sieht deshalb einen Trend zur Kooperation. Damit könnte er Recht haben: Die IWKA hat in Kölleda für Teilbereiche die DIW mit ins Boot genommen.

Quelle: Handelsblatt vom 20.12.2002

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