Branche erhofft sich positive Effekte von der Hartz-Reform
Zeitarbeit jagt den Gewerkschaften Angst ein

Die Vorschläge der Hartz-Kommission, die hohe deutsche Arbeitslosigkeit durch mehr Zeitarbeit zu bekämpfen, machen den Gewerkschaften Angst. Sie fürchten, mehr Zeitarbeit führt nur dazu, dass Unternehmen ihre Stammbelegschaften entlassen und billigere Leihkräfte einstellen.

BERLIN/DÜSSELDORF. Die Pläne der Hartz-Kommission, die Zeitarbeit als Brücke in den ersten Arbeitsmarkt auch in Deutschland massiv auszubauen, stürzt die deutschen Gewerkschaften in Gewissenskonflikte. Hartz will, dass die Gewerkschaften für die Zeitarbeitsagenturen, die in Zukunft bei den 181 Arbeitsämtern entstehen sollen, Tarifverträge abschließen. Jeder Arbeitslose, der in Zukunft nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit in eine Zeitarbeitsagentur wechseln muss, soll dadurch tariflich abgesichert werden. Dies sei sein Angebot an die Gewerkschaften, kommentierte er den Vorschlag.

Doch die sind alles anders als glücklich damit. Zwar hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit einem großen Zeitarbeitsunternehmen einen Tarifvertrag abgeschlossen. Die IG Metall sicherte bei der Expo in Hannover den dort tätigen Zeitarbeitskräften Mindestkonditionen. Doch bislang wollten die Gewerkschaften nicht, dass diese Beispiele Schule machen. Sie fürchten, dass Zeitarbeitnehmer mit niedrigeren Tarifentgelten den von ihnen betreuten Stammbelegschaften in den Betrieben Lohnkonkurrenz machen.

Noch hat die IG Metall sich zwar nicht festgelegt. Sie will am kommenden Montag ihre Bewertung der Hartz-Vorschläge abgeben und Ergänzungsvorschläge machen. Doch eines ist für IG-Metall-Sprecher Claus Eilrich schon heute klar: "Der Ausbau der Zeitarbeit darf auf keinen Fall dazu führen, dass regulär Beschäftigte von den Unternehmen durch preiswerte Zeitarbeitskräfte ausgetauscht werden."

Wirksam verhindert werden könnte das aber nur, wenn die Zeitarbeitnehmer mindestens so gut bezahlt würden, wie regulär Beschäftigte mit gleicher Qualifikation. "Wenn das passiert, ist die Zeitarbeit als Brücke in den ersten Arbeitsmarkt tot," warnt Dominik de Daniel, Vorstandsmitglied des auf qualifizierte Jobs spezialisierten Zeitarbeitsunternehmen DIS AG.

"Wir könnten Arbeitslose gar nicht einstellen, wenn wir ihnen vom ersten Tag so viel zahlen müssten." Damit aber bekämen gerade die keine Chance, über Zeitarbeit in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen, die es am dringendsten nötig hätten.

Sein Vorschlag: Der Gesetzgeber überlässt es den Zeitarbeitsunternehmen, die Konditionen mit ihren Beschäftigten für die ersten sechs Monate auszuhandeln. Danach erhält er das Gehalt, das im entleihenden Betrieb für eine vergleichbare Tätigkeit gezahlt werden muss. "Damit kann die Branche leben. Das finden wir sogar richtig, denn wir wollen attraktive Unternehmen auch für unsere Beschäftigten sein."

Mit 0,7 % der Beschäftigten gehört Deutschland bei der Zeitarbeit zu den Schlusslichtern unter den Industrienationen. Durch die Vorschläge der Hartz-Kommission allein werde sich daran nichts ändern, sagt der DIS-Manager, dessen Unternehmen derzeit rund 6 000 Mitarbeiter hat. "Die gesetzlichen Restriktionen müssen weg."

Die rot-grüne Koalition hat den Zeitraum, für den Arbeitskräfte verliehen werden dürfen, zwar auf 24 Monate verdoppelt. Doch viele Hindernisse wurden trotz Drängen der Wirtschaft nicht weggeräumt. So darf eine Zeitarbeitskraft nicht zwei Mal an das gleiche Unternehmen ausgeliehen werden. Die Zeitarbeitsfirma muss jedem Beschäftigten mindestens zwei Verleiharbeitsverhältnisse angeboten haben, bevor es ihm kündigen kann. Dies sei der Grund, warum viele Zeitarbeitsfirmen heute davor zurückschreckten, Langzeitarbeitslose einzustellen, meint Daniel. "Das Risiko ist ihnen zu hoch, weil sie sie, wenn sie den Anforderungen nicht gewachsen sind, nicht mehr los werden."

"Wir wollen nicht mehr, nur die gleichen Rechte wie andere Unternehmer, also z.B. nach den gleichen Kriterien wie sie Arbeitskräfte auch befristet einstellen." Die Angst eines Teils der Branche, dass die neuen Zeitarbeitsagenturen der Branche unliebsame Konkurrenz machen könnten, teilt Daniel nicht. "Im Gegenteil, ich erwarte mir einen großen positiven Imageeffekt."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%