Branche erzielt 2003 ein Wachstum von 120 Prozent
Enormes Potenzial im polnischen Fonds-Markt

Während die meisten internationalen Asset Management-Märkte in den Jahren 2002/2003 stagnierten, konnten die 16 polnischen Fondsgesellschaften (TFI) allein im ersten Halbjahr 2003 ihre "Assets under Management" um 120 Prozent auf insgesamt 35 Mrd. PLN (7,7 Mrd. Euro) steigern.

FRANKFURT/WARSCHAU. Trotz dieser beeindruckenden Wachstumsraten liegt die Fonds- Marktkapitalisierung in Polen mit ca. 200 Euro je Einwohner noch erheblich unter dem Durchschnitt anderer Länder. So beträgt das Pro-Kopf-Fondsvolumen in Deutschland rund das Vierzigfache. Dabei fällt Deutschland selbst bereits weit hinter andere Ländern zurück. Dies deutet auf enorme Wachstumspotenziale für die Zukunft hin.

Der erste Investmentfonds in Polen wurde im Jahr 1992 aufgelegt. Inzwischen sind es rund 120, und jeden Monat kommen neue Fonds hinzu. So liegen der polnischen Finanzaufsicht im Oktober Zulassungen für mehr als zehn weitere Fonds vor. Diese Wachstumsraten liegen zum einen im stark gesunkenen Zinsniveau für Spareinlagen sowie in der von Finanzminister Belka eingeführten Kapitalertragsteuer begründet. Zum anderen bewirken steigende Einkommen und die Einführung einer kapitalmarktbasierten Altersvorsorge hohe Mittelzuflüsse.

Nicht nur die Kapitalzuflüsse, sondern auch die Rentabilitätssituation der Investmentfonds ist beeindruckend: Nach den Angaben des polnischen Zentralamts für Statistik haben in 2003 lediglich drei Fonds rote Zahlen geschrieben. Insgesamt wurde ein Gewinn von 1,2 Mrd. PLN erwirtschaftet, eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr in Höhe von 68 %.

Mitten in diesem positiven Umfeld steht der polnische Fondsmarkt vor gewaltigen Veränderungen, die im wesentlichen aus der geplanten Marktöffnung für ausländische Fonds im Mai 2004 sowie mehreren gesetzliche Neuerungen im Rahmen der Anpassung an die EU-Standards für Kapitalmärkte resultieren.

Das derzeit gültige Gesetz stammt aus dem Jahr 1997. Bis dahin gab es in Polen lediglich zehn Trust Fonds. Investmentfonds als eigenständige Rechtsperson und der Aufbau von Sondervermögen außerhalb von Investmentfondsgesellschaften wurden erst mit dem Gesetz von 1997 eingeführt. Das Gesetz sieht einen Marktschutz für in Polen tätige Fondsgesellschaften vor. Dies bedeutet, dass bis zum EU-Beitritt Polens nur die Fonds polnischer Gesellschaften in Polen verkauft werden dürfen.

Das neue Gesetz wird voraussichtlich noch in diesem Jahr verabschiedet und passt die polnische Gesetzgebung an die der EU an.

Marek Lukaszewski, Vorsitzender des polnischen Investmentverbandes (STFI), sieht durch die gesetzlichen Änderungen große Chancen für Investmentfonds. Voraussetzung dafür sei jedoch die Erschließung weiterer Vertriebskanäle.

Carsten Wittrock ist Berater bei zeb /asset.management.consult, ein auf Asset-Management-Beratung spezialisiertes Unternehmen.

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