Branche fordert Vervierfachung der Fördermittel
Solarindustrie blickt ängstlich auf die Bundestagswahl

HANDELSBLATT, 9.9.2002

DÜSSELDORF. Von allen Herstellern der erneuerbaren Energie ist die Solarindustrie das zarteste Pflänzchen - gehegt und gepflegt von der Bundesregierung. Entsprechend besorgt schaut die Branche auf die Wahlen. Carsten Körnig, Geschäftsführer der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), formuliert das so: "Auch in den nächsten Jahren brauchen wir den hervorragenden Rückhalt aus der Politik - eher noch mehr als bisher."

Unternehmen, die Sonnenlicht für die Herstellung von Strom nutzen, gehen davon aus, dass sie bis nicht vor 2020 wettbewerbsfähig sein werden. Denn trotz moderner Technik ist Sonnenenergie teurer als fossile Brennstoffe. Hermann-Josef Wagner, Energiewissenschaftler an der Ruhruniversität Bochum, geht sogar davon aus, dass dies noch bis zum Jahr 2030 dauern wird.

Firmen, die Solarwärme erzeugen, rechnen frühestens ab 2012 mit Gewinnen. Bis dahin, so hoffen alle, wird der Staat noch mehr für sie tun als bisher. Wie der UVS fordern deswegen der Bundesverband Solarenergie und der Deutsche Fachverband Solarenergie, die Fördersumme von derzeit 70 Mill. Euro jährlich auf mehr als das Vierfache zu erhöhen.

Ihr starkes Wachstum - seit 1999 hat sich der Markt in Deutschland verachtfacht - verdankt die Industrie insbesondere dem Erneuerbare-Energien Gesetz, (EEG) aus dem Jahr 2000. Hersteller von Solarstrom erhalten demnach pro verkauftem Kilowatt 50 Cent. Finanziert wird das Ganze über eine Umlage auf alle Stromerzeuger. Die Branche fürchtet nun, dass eine neue Bundesregierung dieses Gesetz rückgängig machen könnte.

Gern verweist die Solarindustrie darauf, dass andere Energieformen wie Kernenergie oder Steinkohle wesentlich stärker gefördert werden als sie selbst. Allerdings ist der Anteil des Solarstroms am gesamten Strommarkt mit 0,03 % vergleichsweise mickrig. Und er wird es vorläufig so bleiben: Nach Schätzungen der Verbände wird er bis zum Jahr 2010 auf 1 % steigen.

Energiewissenschaftler Wagner die Zukunft des Marktes in Regionen, in denen keine Stromkabel gelegt werden können oder zum Beispiel bei Parkuhren, für deren Betrieb Solarstrom ausreicht. Dass die Branche, die heute rund 18 000 Menschen beschäftigt, ihr selbst gestecktes Ziel erreichen kann, die Zahl der Arbeitsplätze bis 2010 zu verfünffachen, bezweifelt er.

Auf dem Weltmarkt ist Deutschland mit einem Umsatz von 1,2 Mrd. Euro die Nummer zwei. Schärfster Konkurrent ist Japan. Die japanische Industrie ist schon weit früher in den Markt eingestiegen.





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