Branche hofft auf Auftragsschub in der Altbau-Modernisierung: Krise der Bauwirtschaft geht ins neunte Jahr

Branche hofft auf Auftragsschub in der Altbau-Modernisierung
Krise der Bauwirtschaft geht ins neunte Jahr

Die Krise der deutschen Bauwirtschaft wird sich auch 2003 fortsetzen. Doch zeichnet sich ein schwaches Licht am Ende des Tunnels ab. So lautet das Fazit von Arndt Frauenrath, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, auf der Frühjahrspressekonferenz des Verbands in Berlin.

agr BERLIN. "Aus der Konjunkturlokomotive Bau ist eine gesamtwirtschaftliche Bremse geworden", sagte Frauenrath. Ohne eine Stabilisierung der Bauwirtschaft werde es keinen wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland geben. Im vergangenen Jahr sind die Bauinvestitionen um 5,9 % auf 214,2 Mrd. Euro zurückgegangen. Die Investitionen in Wirtschaftsbauten erreichten nur noch einen Wert von 63,2 Mrd. Euro (- 5,5 %). Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe ist um 7,8 % auf 880 000 gesunken.

Damit sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. 2003 erwartet der Verband der mittelständischen Bauunternehmen einen weiteren Rückgang der Bauinvestitionen um 2,5 % und einen Abbau von noch einmal 50 000 Stellen. Erst 2004 sei "unter optimistischen Prämissen" damit zu rechnen, dass sich die Bauinvestitionen auf niedrigem Niveau stabilisieren, sagte Frauenrath. Dazu könne die Sanierung und Modernisierung im Gebäudebestand beitragen. Dieser Bereich habe sich zum Hoffnungsträger der Branche entwickelt.

Gleichzeitig setzt sich Frauenrath für eine verstärkte privatwirtschaftliche Realisierung öffentlicher Bauaufgaben ein. "In die Privatisierung öffentlicher Hochbauten, insbesondere auf kommunaler Ebene, muss mehr Schwung kommen", forderte Frauenrath. Der Verband wittert Aufträge in Milliardenhöhe. Solche Projekte seien auch eine Chance für den Bau-Mittelstand, betonte Frauenrath, neben seiner Verbandstätigkeit Bauunternehmer aus Heinsberg bei Aachen. Als vollkommenen Unsinn bezeichnete Frauenrath, dass davon nur Großkonzerne profitieren könnten.

"Die Krise am Bau hat sich verschärft", ist der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie dagegen pessimistischer als das Baugewerbe. Begründet wird diese Einschätzung mit der DIHK-Frühjahrsumfrage, nach der über 60 % der Baufirmen 2003 mit einer Verschlechterung der Geschäftslage rechnen. Nur jedes 20. Unternehmen gehe von einer Besserung der Lage aus. Das sei das schlechteste Umfrageergebnis seit 1996, sagte ein Verbandssprecher. Der HDB geht für 2003 von einem Umsatzminus von mindestens 3,8 % auf 82,7 Mrd. Euro aus. Im Vorjahr war der Umsatz sogar um 5,9 % geschrumpft.

Der deutsche Bau steckt in einer schweren Krise, bestätigte Deutsche-Bank-Chef-Volkswirt Norbert Walter. 2003 sei das neunte Jahr rückläufiger Bautätigkeit in Folge. Der dauernde Druck auf die Preise signalisiere noch immer massive Überkapazitäten. Damit sei ein Ende des Stellenabbaus und der Insolvenzwelle für 2003 nicht in Sicht. Walter verlangte von der Bundesregierung daher eine wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik. Ohne nachhaltiges Wirtschaftswachstum käme der Bau nicht aus der Krise. Gleichzeitig solle der Mut aufgebracht werden, Infrastrukturprojekte zunehmend privat zu finanzieren und zu betreiben.

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