Branche hofft auf kräftigen Schub durch neue Hardware
Spiele-Entwickler vor dem Neustart

Die Hersteller von Videospielen haben eine längere Durststrecke hinter sich. Steigende Entwicklungskosten und rückläufige Verkaufszahlen haben auch den Aktienkursen zugesetzt. Mit den neuen Spielekonsolen wie der Playstation 2 oder der X-Box soll nun alles besser werden.

Und der ist zurzeit kräftig in Bewegung. Der Grund ist eine neue Generation von Videospiel-Konsolen, die graphisch noch anspruchsvollere Spiele möglich machen soll. Mit der Dreamcast von Sega und der Playstation 2 (PS/2) von Sony sind bereits zwei der so genannten 128-Bit-Konsolen erhältlich. Microsoft hat seine X-Box für Herbst 2001 angekündigt, Nintendo will mit seinem Gamecube ebenfalls vor Weihnachten auf dem Markt sein.

Hersteller von Spielesoftware wie Electronic Arts oder Infogrames arbeiten derweil mit Hochdruck an Spielen für die neuen Geräte. Die Branche hofft, nach der Durststrecke der letzten Jahre wieder auf steigende Erträge. Die Software-Umsätze für die alten 64-Bit-Konsolen wie die Playstation One oder Nintendo 64 waren im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Viele Spielfreaks warten lieber ab, was die neue Konsolengeneration bringt, anstatt noch Titel für die alten Plattformen zu kaufen. So hat etwa der Buchhändler Barnes & Noble gestern gemeldet, dass seine Videospiel-Division Babbage im vergangenen Weihnachtsgeschäft 12,5 % weniger umsetzte als noch 1999. Barnes & Noble-Finanzvorstand Maureen O?Connell sieht den Technologie-Sprung bei den Konsolen als Ursache: "Die Leute wollen nur die Upgrades. Und wir hatten noch nichts, was wir ihnen verkaufen konnten."

Auch ist der Aufwand für die Produktion eines guten Videospiels stark gestiegen - die Fans erwarten zum Beispiel eigens für das Spiel komponierte Soundtracks und Stimmen von bekannten Sprechern. Sega steckte in die Entwicklung seines Dreamcast-Spiels "Shenmue" mehr als 200 Mill. Mark - dagegen nehmen sich die meisten Hollywood-Produktionen billig aus. Das drückt die Margen der Spieleproduzenten. "Außerdem schwächt sich die US-Wirtschaft ab. Das hat die Spielehersteller im vierten Quartal zusätzlich belastet", sagt Justin Post, Analyst bei Deutsche Banc Alex Brown.

Die Hoffnung auf einen kräftigen Schub durch die neuen Plattformen erscheint dennoch gerechtfertigt. So erreichten Spiele für Sonys PS/2 in der dritten Oktoberwoche 2000 bereits einen US-Marktanteil von 11 % - eine Woche, bevor die Konsole überhaupt erhältlich war. Steve König, Spieleanalyst beim Marktforscher Branchendienst PC Data, ist sich sicher, "dass PS/2-Entwickler aufgrund der momentanen Nachfrage und Beliebtheit Auftrieb bekommen. Ob der anhält, lässt sich allerdings noch nicht sagen." König erwartet zudem, dass der Markt für Konsolenspiele größer wird. Dies liegt zum einen am noch immer beachtlichen Marktwachstum. Für 2001 erwartet der Videospielverband IDSA in den USA ein Umsatzplus von mindestens 11 %. Des weiteren könnten die neuen, internetfähigen Konsolen dem PC teilweise den Rang ablaufen. Laut einer Studie von PC Data plant einer von drei US-amerikanischen Internet-Nutzern, sich die PS/2 oder ein vergleichbares Gerät zu kaufen. "Wir gehen davon aus, dass es eine Menge Wechsler geben wird", so König.

Neben den allgemeinen Wachstumschancen bietet jede neue Konsolengeneration den Unternehmen erfahrungsgemäß die Möglichkeit, in großem Stil Marktanteile gegenüber den Wettbewerbern gut zumachen. "Nehmen sie zum Beispiel die Playstation", sagt Analyst Post. "Bei der ersten Playstation hatte Sony den höchsten Software--Marktanteil. Bei der PS/2 ist es Electronic Arts. Denen ist es in kürzester Zeit gelungen, einen Marktanteil von 40 % zu erreichen." Auf diese Dynamik spekuliert auch Gates, der mit seiner kleinen schwarzen Kiste am liebsten aus dem Nichts zum Marktführer werden würde. Deshalb hilft er nach: die X-Box soll mit rund 500 Mill. Euro Werbeaufwand in den Markt gedrückt werden.

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