Branche hofft für 2003 auf Wachstum von 2 Prozent
Buchmesse verhalten optimistisch

"Die Buchmesse fühlt sich quicklebendig", sagte Neumann. Auch die Buchbranche insgesamt befinde sich in keiner Krise, sondern habe derzeit lediglich Schwierigkeiten wie andere Branchen auch.

HB/dpa FRANKFURT/MAIN. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, sagte, er erhoffe sich positive Impulse von der neuen Regierung und dem neuen Bundesminister Wolfgang Clement. Er rechne daher für 2003 mit einem Branchenwachstum von 2 Prozent.

Einer noch nicht veröffentlichten Konjunkturumfrage zufolge sehen viele Buchhändler schon für das zweite Halbjahr 2002 Licht am Ende des Tunnels. Knapp die Hälfte gehe von einem leichten Umsatzplus aus, ein knappes Fünftel habe gute bis sehr gute Umsatzerwartungen. Ein Drittel erwartet Schormann zufolge dagegen weiterhin schwache Umsätze. Im ersten Halbjahr 2002 hatten 60 % der Händler einen "deutlich verringerten Umsatz" hinnehmen müssen. Insgesamt rechnen die Branchenexperten für das laufende Jahr mit einem Minus von rund zwei Prozent. Entgegen diesem Trends hat laut Schormann der Umsatzanteil der Taschenbücher um ein Fünftel zugenommen. "Es wurden billigere, aber deutlich mehr Bücher als in den Vorjahren verkauft", sagte er.

Neumann bedauerte, dass auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Lage in diesem Jahr rund 4 Prozent weniger Aussteller nach Frankfurt gekommen sind. "Das schmerzt uns sehr", meinte er. Dennoch bleibe die Messe "weiterhin die bedeutendste Plattform für den internationalen Handel mit Lizenzen". Die Zahl der Absagen sei auch nicht ganz so groß wie zunächst befürchtet, zudem sei die Zahl ausländischer Aussteller sogar leicht gestiegen. Er erhoffe sich von der Buchmesse ein "Signal für den Aufbruch" und belebende Impulse für den Buchmarkt weltweit.

Die Folgen des wirtschaftlichen Drucks, der auf der Branche laste, schilderte der Aufsichtsratschef der Ausstellungs- und Messe-GmbH, Hubertus Schenkel. Die Kaufzurückhaltung habe dazu geführt, dass einige Verlage und Buchhandlungen ihren Betrieb hätten einstellen müssen. Andere hätten ihre Selbstständigkeit aufgeben und sich von einem größeren Partner aufkaufen lassen müssen. Konzerne stellten ganze Teile zum Verkauf, wie die Bertelsmann-Tochter BertelsmannSpringer. Besonders zu leiden hätten Belletristik und Sachbuch, aber auch Fachverlage, die stark vom Anzeigenaufkommen ihrer Zeitungen abhängig seien. Zugewinne hätten dagegen Ratgeber und Wissenschaftstitel, dazu nach dem 11. September auch Verlage mit religiöser Thematik verbucht.

Künftig werden nach Schenkels Einschätzung die Verlage und Buchhandlungen stärker als bisher auf Bestseller setzen und ihre Mittel für Marketing und für Honorare darauf konzentrieren. Die großen amerikanischen Buchhandelsketten etwa führten heute nur noch die Hälfte der Titel, die sie vor drei Jahren im Angebot hatten. Das bedeute nicht unbedingt eine geringere Zahl von Neuerscheinungen. Jedoch verschwänden schon jetzt 90 % der Taschenbuchnovitäten nach zwei Monaten aus den Regalen und würden "nie mehr nachbestellt".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%