Branche im Umbruch
Commerzbank will ihr Filialnetz kappen - 200 Filialschließungen erwartet

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Dresdner und die Commerzbank wollen nach der gescheiterten Fusion nun im Alleingang ihr Filialnetz kappen. Aber auch bei den anderen Kreditinstituten des genossenschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Sektors sind massive Eingriffe in das Zweigstellennetz zu erwarten.

Die Dresdner Bank hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, innerhalb der nächsten beiden Jahre werde von den 50 000 Stellen jede zehnte wegfallen. Von den rund 1 150 Geschäftsstellen stünden 300 auf der Streichliste.

Am Montag bestätigte nun die Commerzbank, auch bei der Nummer vier im deutschen Bankgewerbe werde es zu einer Neuordnung der aktuell 940 Filialen kommen. Wer innerhalb der nächsten fünf Jahre nicht auf 5 000 (derzeit knapp 3 500) Kunden komme, müsse mit der Zusammenlegung rechnen, sagte Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm. Dies könnte im Ergebnis auf 200 Filialschließungen hinauslaufen.

Für die Commerzbank bedeutet dies aber "keinen Rückzug aus der Fläche". Deshalb sei auch mit der Neuordnung kein massiver Belegschaftsabbau geplant. Das Personal werde nur in größeren Zweigstellen eingesetzt.

Weitaus drastischer als bei den Großbanken dürfte in den nächsten Jahren das Filialsterben bei den Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken ausfallen. In der letzten Gruppe wird bereits darüber diskutiert, die Zahl der Genossenschaftsinstitute von knapp 2 000 auf nur noch 800 im Jahre 2008 zu reduzieren.

Auch im Sparkassensektor macht der Slogan "eine Sparkasse pro Wirtschaftsraum" die Runde. Dies würde eine Welle von Fusionen bei den öffentlich-rechtlichen Instituten bedeuten. Derzeit gibt es mehr als 570 Sparkassen mit mehr als 18 000 Filialen.

Auch die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass auf Grund neuer Vertriebsformen wie Internet und damit steigendem Wettbewerbsdruck die Zahl der Kreditinstitute in den kommenden Jahren weiter abnehmen wird. Ende 1999 verringerte sich bereits die Gesamtzahl der Kreditinstitute in Deutschland von 3 404 auf 3 168. Damit hatten 39 % aller rechtlich selbstständigen Kreditinstitute in den EU- Ländern ihren Sitz in Deutschland.

Ohne die Deutsche Postbank AG standen den Kunden insgesamt 44 443 Zweigstellen zur Verfügung. Dies waren knapp zwei Prozent oder 784 weniger als Ende 1998. Einschließlich des Angebotes der Postbank gab es Ende 1999 sogar 58 546 Zweigstellen für Bankdienstleistungen. Das dichte Filialnetz dürfte aber vielen Instituten mittlerweile zu teuer geworden sein, bilanziert die Bundesbank. "Daher ist zu erwarten, dass sich die negative Entwicklung der Zweigstellenanzahl durch Schließungen künftig verstärken wird."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%