Branche in prekärer Lage
Tag der Abrechnung für Japans Großbanken

An diesem Montag schlägt für japanische Großbanken die Stunde der Wahrheit. Sie legen ihre Bilanzen für das am 31. März beendete Geschäftsjahr 2002/2003 offen, und die dürften kaum rosig, sondern vielmehr rot aussehen. Finanzexperten rechnen damit, dass führende Banken des Landes wie im Vorjahr Verluste ausweisen werden.

HB/dpa TOKIO. Positiv daran könnte allenfalls stimmen, dass die Verluste teilweise auf eine forcierte Abschreibung Not leidender Kredite zurückgeführt werden. Hinzu kommen hohe Wertberichtigungen auf Wertpapiere in Folge der drastischen Kursrückgänge an der Aktienbörse sowie nicht zuletzt die andauernde Deflation, von der Japans Banken stark betroffen sind.

Die Bilanzergebnisse werden Experten zufolge die Besorgnis erregende Lage des gesamten Bankensystems der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt deutlich machen. Vor einer Woche hatte die Regierung der fünftgrößten Bankengruppe des Landes, Resona, wegen drohender Unterkapitalisierung Steuergelder in zu erwartender Milliardenhöhe zugesagt, um eine landesweite Finanzkrise zu vermeiden. Resona waren neben dem Börsenverfall verschärfte Bilanzierungsrichtlinien zum Verhängnis geworden. Diese sehen vor, dass erwartete Steuerrückerstattungen nicht mehr wie bisher als Kapital verbucht werden dürfen. Auch bei anderen Banken machen die erwarteten Steuergutschriften einen Großteil des Kernkapitals aus.

Angesichts dessen hatten zahlreiche Großbanken in jüngster Zeit massive Kapitalerhöhungen vorgenommen, um nicht zuletzt eine drohende Verstaatlichung zu vermeiden. Zwar soll die Kernkapitalquote der anderen japanischen Großbanken nun über 8 Prozent liegen, dennoch herrscht wachsende Skepsis nicht zuletzt auch unter den Investoren.

Der Fall Resona kann sich nach Ansicht von Analysten bei den meisten japanischen Banken wiederholen, wenn nicht zur jetzigen Bilanzierung, dann zur Hälfte des laufenden Bilanzjahres im September. Man werde am Markt genau hinschauen, ob die Banken und Wirtschaftsprüfer vernünftige Angaben zur Kalkulation der Steuergutschriften und zu den weiteren Einnahmeaussichten der Finanzinstitute machen werden, sagte ein Analyst der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo.

Ihren jüngsten Vorhersagen zufolge dürften die sieben großen Bankengruppen Japans laut Kyodo zusammen genommen einen Nettoverlust von im Schnitt 4,65 Bill. Yen (34 Mrd. Euro) ausweisen. Im Vorjahr war es noch ein Verlust von 4,07 Bill. Yen gewesen. Hinzu kämen Abschreibungen fauler Kredite von voraussichtlich rund 5,2 Bill. Yen, nach rund 7,7 Bill. Yen im Vorjahr. Ziel der Regierung des reformorientierten Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi und seines Wirtschaftsministers und obersten Finanzaufsehers Heizo Takenaka ist es, den Berg an Problemkrediten bis zum 31. März 2005 zu halbieren.

Das japanische Bankensystem befindet sich seit vielen Jahren in einer Krise. Neben der hohen Zahl an Problemkrediten leiden die Institute auf Grund ihrer großen Aktienbestände unter den Rückschlägen an der Börse. Auf Grund neuer Rechnungslegungsvorschriften sind die Banken angehalten, die Aktienbestände zum Marktwert am Bilanzstichtag statt wie in der Vergangenheit zum Buchwert auszuweisen, wodurch hohe Wertberichtigungsverluste drohen. Zusätzliche Verluste verursacht die Deflation, in deren Rahmen auch die Grundstückspreise fallen, da in der Regel bei den Banken Immobilien als Kreditsicherheit hinterlegt sind. Solange Japans Bankensystem krank ist, leidet auch die japanische Wirtschaft. Eine zügige Lösung der Bankenkrise wird daher für eine Erholung der Wirtschaft als dringend notwendig erachtet.

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