Branche in Schwierigkeiten
Lebensversicherer kämpfen um ihr Image

Niedrige Zinsen und die Börsenschwäche bringen die Lebensversicherer in die Bredouille. Selbst Peiten sind nicht mehr ausgeschlossen. Die Branche muss schnell handeln, damit die Gelder ihrer Kunden nicht gefährdet werden.

vwd KÖLN. Wenn sich der Hauptausschuss Leben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) morgen trifft, geht es vor allem darum, ein eklatantes Imageproblem zu lösen. Einige Gesellschaften können dieses Jahr wegen der niedrigen Zinsen und der Börsenschwäche vielleicht die gesetzliche Mindestverzinsung von 3,25 bzw vier Prozent bei Altverträgen nicht erwirtschaften. Zwar ist der Kreis der Betroffenen überschaubar und ihre Marktstellung eher gering. Doch mögliche Konkurse würden eine Branche, die im allgemeinen Verständnis als sicher gilt und die seit den zwanziger Jahren keine Pleiten mehr erlebt hat, bis ins Mark treffen.

Noch steht laut Verband kein Unternehmen vor dem Konkursrichter. Aber man will gerüstet sein für den Notfall und treibt trotz Ferienzeit zur Eile. Wohl schon am Donnerstag will der Verband der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsucht (BAFin) eine Lösung präsentieren. Nachgedacht wird derzeit über eine Auffangversicherungsgesellschaft, die notleidende Vertragsbestände übernimmt. Der Aufwand für die Übernahme eines Bestandes ist vergleichsweise gering. Da die Sparanteile der Versicherten in einen Deckungsstock eingebracht werden müssen, sind sie im Falle des Konkurses sicher.

Das angesparte Vermögen der Kunden wandert also mit dem Vertrag zur nächsten Gesellschaft. Die übernehmende Gesellschaft muss jedoch zumindest das gesetzliche Zinsversprechen leisten. "Im Regelfall lassen sich drei Prozent mit den bestehenden Kapitalanlagen erwirtschaften, so dass der Übernehmer allenfalls für Zahlungen von 0,25 bis 0,5 Prozent des versprochenen Zinses aufwenden muss", meint Karl-Wilhelm Knauth vom GDV. "Riesensummen kommen da keine zusammen". Dies wohl auch deshalb nicht, weil der Kreis der bedrohten Unternehmen letztlich doch klein ist. Zwei Prozent des Marktes gelten als gefährdet. "Allenfalls eine Handvoll Unternehmen", schätzt Knauth.

Wie viele Versicherungskunden es treffen könnte, bleibt vage Spekulation. Es sei keine Krise der Branche, sondern einiger Unternehmen, die in ihrer Anlagepolitik zu sehr auf die Börse und vor allem zu spät auf die Börse gesetzt haben, betont der Verbandsexperte. Und das dürften vor allem die eher kleinen Gesellschaften sein, für die sich ein professionelles Anlagemanagement nicht zu lohnen schien. Oftmals haben aber gerade diese Unternehmen - vornehmlich in der Rechtsform des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit organisiert - den überwiegenden Teil in festverzinsliche Wertpapiere angelegt.

Falls sich die Branche nicht auf eine Poollösung einigt, wird es zu Bestandsübertragungen einzelner Gesellschaften kommen. Allianz und Ergo haben Interesse bekundet. Der Imageeffekt eines solchen "Feuerwehrtopfs" wäre dann natürlich hin. "Die Marktführer könnten sogar zu Profiteuren der momentanen Krise werden, indem ähnlich wie im Rückversicherungsmarkt ein Trend zur Qualität in der Wahl des Anbieters einsetzt und die großen Gesellschaften somit auch auf der Margenseite Erfolge zeigen könnten" schreiben die Analysten der WGZ-Bank in diesen Tagen. Schlimmer noch - dann könnte, wie WestLB-Analyst Carsten Zielke glaubt, der deutsche Lebensversicherungsmarkt zum Oligopol unter der Allianz mutieren.

Zur Zeit sind in Deutschland über 100 Gesellschaften tätig, von denen nur ein Drittel einen Marktanteil von mehr als einem Prozent hat. Nach acht Monaten des Geschäftsjahres ist sicher, dass der Kapitalmarkt nicht genug hergibt, um die Überschussbeteiligung für 2003 zu halten. Im letzten Jahr war die Verzinsung des Sparanteils erstmals seit Jahren wieder um rund einen Prozentpunkt zurückgenommen worden. Aktuell liegt sie zwischen fünf und gut sechs Prozent. Viele Gesellschaften haben die Rücknahme ihrer Überschussbeteiligung schon angedeutet.

Bei der Allianz Leben will man hingegen die Quote von 6,8 Prozent als Teil einer langfristigen Strategie halten. Auch die Allianz verfügt bei einem DAX-Stand von 3.200 Punkten nicht mehr über Reserven im Aktienbestand. Laut WestLB ginge ein Teil des Überschussbeteiligungssatzes von 6,8 Prozent zu Lasten der Aktionäre. Ein Verhalten, was manch einer als Kampfansage an den Markt und als Verdrängungswettbewerb ansieht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%