Branche lehnt Umweltsiegel für Handys ab
Mobilfunkbetreiber wollen Angst vor Strahlen zerstreuen

Mobilfunkbetreiber wollen beim Aufstellen von Sendeanlagen künftig enger mit Gemeinden zusammenarbeiten und damit Ängste in der Bevölkerung vor angeblichen Strahlen-Gefahren zerstreuen. Der Koordinator der Mobilfunkbetreiber, Michael Schüller, sagte am Montag in Berlin vor dem Umweltausschuss des Bundestages, den Gemeinden solle ein Vorschlagsrecht für neue Mobilfunkstandorte eingeräumt werden, die die Netzbetreiber dann auf ihre Eignung prüften.

Reuters BERLIN. Der Verband der Informations- und Telekommunikationswirtschaft lehnte das von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) vorgeschlagene Umweltlabel für Handys ab. Die Furcht vor den Sendeanlagen sei vor allem auf die unzureichende Beteiligung der Bürger beim Aufbau der Mobilfunknetze zurückzuführen, sagte Schüller. Die aktuellen Grenzwerte für die Strahlung im Mobilfunk würden einen hohen Stand der Gesundheitsvorsorge gewährleisten.

Vertreter von Umweltverbänden forderten vor dem Ausschuss geringere Grenzwerte. Der zweite Vorsitzende des Bundesverbandes gegen Elektrosmog, Joachim Gertenbach, sagte, derzeit gebe es zu wenig Wissen über den Mobilfunk und seine Wirkungen auf dem menschlichen Organismus. "Die Basis alle Übels ist der mangelnde Vorsorgegedanke." Bereits bei Mobilfunkemissionen, die millionenfach unter den gegenwärtigen Grenzwerten lägen, gebe es gesundheitliche Gefahren. Risikopotenzial bestehe vor allem in Form von Änderungen im Hormonhaushalt des Menschen oder durch Beeinträchtigungen des Schlafverhaltens.

Die seit Jahren laufende Diskussion über mögliche gesundheitliche Gefährdungen durch Mobilfunkstrahlung hatte zuletzt neue Nahrung erhalten, weil die vor der Markteinführung stehende dritte Mobilfunkgeneration UMTS (Universal Mobile Communication System) weitere Mobilfunkanlagen und-standorte erfordert. Es wird in der Branche damit gerechnet, dass bis zum Jahr 2003 für UMTS zunächst rund 40 000 neue Mobilfunkanlagen an rund 15 000 Standorten in Deutschland errichtet werden müssen. Gegenwärtig werden von allen deutschen Mobilfunklizenznehmern rund 60 000 Mobilfunkanlagen an rund 40 000 Standorten betrieben.

Der Branchenverband der Informations- und Telekommunikationswirtschaft (BITKOM) hält die von Bundesumweltminister Trittin vorgeschlagene Einführung eines Umweltlabels für Handys für wenig sinnvoll. "Label sind letztlich für Verbraucher nur bedingt relevant", sagte der BITKOM-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Gütesiegel mit niedrigen Strahlenwerten seien kaum aussagekräftig, da die Strahlung abhängig von der Umgebung sei. "Viel wichtiger ist es, aufzuklären, was man selbst tun kann, wenn man sich sorgt." Durch einen Kopfhörer etwa könne die Strahlung in unmittelbarer Gesichtsnähe "sehr, sehr deutlich" reduziert werden. Bislang gebe es jedoch noch keinen Nachweis für biologische Schäden durch Funkwellen.

Ein Sprecher des Handy-Herstellers Siemens sagte: "Die genannten Kriterien für ein Gütesiegel sind willkürlich gewählt und wissenschaftlich nicht belegt." Trittin hatte am Wochenende vorgeschlagen, Handys mit weniger als einem Viertel des derzeit empfohlenen Strahlungswertes mit einem Umweltlabel auszuzeichnen. Die Handyhersteller hatten sich zuvor freiwillig verpflichtet, vom Herbst an den so genannten SAR-Wert (spezielle Absorbtionsrate) in der Gebrauchsanweisung anzugeben.

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