Branche leidet unter Börsenkrise
Versicherungsprämien steigen

Die Bundesbürger müssen sich im kommenden Jahr auch auf steigende Versicherungsbeiträge einstellen. Außer den Beiträgen für die Krankenversicherung werden die Prämien für die Kfz- Versicherung höher liegen.

HB/dpa BERLIN. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnete am Mittwoch in Berlin allerdings nur mit einem "sehr moderaten Anstieg". Bei Wohngebäuden wird eine Prämien-Anhebung nicht mehr ausgeschlossen.

Im laufenden Jahr wurde das Geschäft der Versicherungen vor allem durch die Jahrhundertflut und die Krise an den Kapitalmärkten belastet. Verbandspräsident Bernd Michaels sprach von der "schwierigsten Situation seit dem Zweiten Weltkrieg". Die Branche geht dennoch von weiterem Wachstum aus. Im kommenden Jahr wird ein Beitragsplus von drei Prozent angestrebt. Zugleich trat Michaels Befürchtungen entgegen, dass wegen der Börsenkrise mehrere Lebensversicherer ihr Geschäft aufgeben müssen.

Die Autoversicherer erwarten 2002 einen Verlust von einer Milliarde Euro - fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Schadensaufwendungen stiegen aber nicht nur in der Kfz-Versicherung: Nach Jahrhunderflut, schweren Frühjahrs- und Herbststürmen sowie anderen Großschäden nahmen die Belastungen für Sachversicherer deutlich zu. Diese rechnen mit einem Aufwandsplus von 25 Prozent.

Michaels bezeichnete 2002 als "Jahr der negativen Ereignisse". Wegen der Krise an den Kapitalmärkten befinde sich die Branche in einer "krisenhaften Situation". Trotz der massiven Kursverluste hielten die deutschen Versicherungen nach GDV-Angaben im September noch Aktien im Wert von 220 Milliarden Euro. Insgesamt dürften sich mehr als 25 Prozent der deutschen Aktien im Besitz der Versicherungswirtschaft befinden.

Angesichts der Großschäden und wachsender Eigenvorsorge für Alter und Gesundheit seien Risikobewusstsein und Bedürfnis nach mehr Versicherungsschutz gestiegen, sagte Michaels. Im laufenden Jahr rechnet die Branche deshalb mit einem Beitragsplus von vier Prozent auf 140,8 Milliarden Euro. Getragen wird dies vor allem von den Lebens- und Krankenversicherern. Dem stehen Leistungen oder Schadenaufwendungen von voraussichtlich 158 Milliarden Euro (2001: 149,5 Milliarden) gegenüber. Im kommenden Jahr rechnet der GDV mit einem Beitragsplus von drei Prozent.

Allein bei Lebensversicherungen wurden in diesem Jahr rund 11,8 Millionen neue Verträge abgeschlossen, ein Zuwachs von fast 40 Prozent. Darunter waren mehr als 1,8 Millionen Riester-Renten. Damit gibt es insgesamt mehr als 93 Millionen Lebensversicherungsverträge in Deutschland. Bei privaten Krankenversicherungen rechnet der GDV 2003 mit einem Einnahmeplus von rund sechs Prozent. Insgesamt werden in diesem Jahr vermutlich mehr als 200 000 Menschen von der gesetzlichen in eine private Versicherung wechseln.

Zu Befürchtungen, dass einige Lebensversicherer in ihrer Existenz gefährdet seien, sagte Michaels, dies sei "wildeste Spekulation". Allerdings werde es eine geringere Überschussbeteiligung von etwa durchschnittlich fünf Prozent geben gegenüber zuletzt sechs Prozent. Dabei seien erhebliche Unterschiede zwischen den Gesellschaften zu erwarten. Michaels verwies auf die Auffanggesellschaft Protektor, die Verträge übernehmen soll, wenn ein Versicherer vor dem Aus steht.

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