Branche nur an Teilen von Haarmann & Reimer interessiert
Duftsparte von Bayer droht Aufspaltung

Im Rennen um Haarmann & Reimer gilt Givaudan als Favorit aus der Branche. Doch die Schweizer scheinen vorrangig an der Parfümzulieferung des Unternehmens interessiert zu sein, andere Bieter haben es nur auf die Aromasparte abgesehen. Die Bayer-Tochter wird daher möglicherweise aufgeteilt.

DÜSSELDORF. Der Duftstoff- und Aromasparte des Bayer-Konzerns, Haarmann & Reimer (H&R), droht nach ihrem Verkauf die Aufspaltung. Grund: Führende Bieter für den fünftgrößten Hersteller von Lebensmittelaromen und Parfümstoffen sind nach eigenen Angaben und nach Einschätzung von Branchenkennern vorrangig nur an Teilen des Konzerns interessiert.

"Ich sehe derzeit keinen Interessenten in der Branche, der H & R in der jetzigen Form integral übernehmen könnte und wollte", sagt Roland Leutenegger, Chemieanalyst bei Sal. Oppenheim. Industriekreise gehen davon aus, dass H&R von einem Finanzinvestor übernommen wird, der mit zwei interessierten Chemiekonzernen gemeinsam die Aufteilung des Unternehmens auf Riechstoffgeschäft und Nahrungsmittelzulieferung vorantreibt.

Bayer will den 1874 in Holzminden gegründeten Haarmann & Reimer-Konzern bis Ende September verkaufen und hat die Deutsche Bank mit der Betreuung des Bieterverfahrens beauftragt. Bayer verlangt 1,5 Mrd. Euro für H&R. Die Analysten von UBS Warburg sehen Spielraum bis zu 1,75 Mrd. Euro, wenn man die Bewertungen börsennotierter Konkurrenten und Preise für Übernahmen in der Branche bei der Preisbildung heranzieht.

In der Branche ist die Schweizer Givaudan S.A., weltweite Nummer zwei am Markt, weiterhin Favorit für den Kauf von H&R. Zwar will der US-Konkurrent International Flavors & Fragrances (IFF) seine Gesamt- Marktführerschaft verteidigen und ins Rennen um Haarmann eingreifen. Doch gilt IFF im Vergleich zu Givaudan als weniger finanzkräftig und muss noch eine Großübernahme aus dem Jahr 2000 verdauen. Andere Riech- und Aromahersteller wie die ICI-Tochter Quest und das Schweizer Privatunternehmen Firmenich werden sich H&R zum gewünschten Kaufpreise nach Einschätzung Leuteneggers nicht leisten können.

Givaudans Finanzkraft ist laut Analyse der UBS Warburg auch nach dem jüngsten Zukauf ausreichend: Der Konzern übernahm für 750 Mill. sfr die Geschmack-Sparte FIS von Nestlé und katapultierte sich damit im Markt für Nahrungsmittelaromen an die Spitze.

Zwar zeigt sich Givaudan seither weiterhin offiziell am Gesamtpaket Haarmann & Reimer interessiert, doch firmennahe Kreise bestätigen, dass das Management vor allem eine Verstärkung in der Herstellung von Duftstoffen sucht. Das sehen auch Analysten so: "Givaudan wird sich weitere Kaufgelegenheiten nicht entgehen lassen", sagt Leutenegger. "Logisch wäre nun eine Übernahme des Riechstoffgeschäfts von Haarmann & Reimer."

H&R machte im Jahr 2000 mit Riechstoffen rund 37 % des Umsatzes von 865 Mill Euro. Der Rest fiel auf Aromen (41 %) und Kosmetikzusätze (21 %). Für die Aromasparte stehen die Interessenten Schlange: So haben die Düsseldorfer Degussa AG und die niederländische DSM NV das Ziel, ihre Position auf dem Markt für Nahrungsmittelzusätze auszubauen. Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht bestätigte, zumindest am Aromengeschäft von H&R interessiert zu sein. Eine komplette Übernahme und Integration von H&R erwarten Analysten weder bei Degussa noch bei DSM.

Falls keiner der Konzerne H&R als Ganzes will, würde ein Finanzinvestor möglicherweise die mühselige Trennung des Unternehmens übernehmen müssen, denn Bayer will seine Tochter in jedem Fall als Ganzes loswerden. Givaudan nahe stehende Kreise gehen nicht davon aus, dass der Konzern die Aufspaltung selbst in die Hand nehmen würde. Ohnehin ist ungeklärt, wie schnell sich Haarmann & Reimer in der derzeitigen Struktur aufspalten ließe. Zwar seien die Geschäfte nach Märkten deutlich zu trennen, sagt Analyst Leutenegger. Doch die Produktionsanlagen für Aromen und Riechstoffe seien möglichwerweise stark miteinander verbunden.

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