Branche rechnet mit leichtem Wachstum
Buchhandel hofft auf den Harry-Potter-Effekt

Dieser Junge mit der pfiffigen Brille verzaubert die Buchhändler. Mit Harry Potter, so scheint es, steht und fällt das Geschäft mit Kinderbüchern in Deutschland.

HB DÜSSELDORF. Als sich kurz vor Weihnachten die Nachricht herumsprach, dass die britische Erfolgsautorin Joanne K. Rowling den sechsten Potter-Band fertig gestellt hatte, knallten in der Branche die Sektkorken. "Harry Potter and the Half-Blood Prince" wird das Buch in der englischen Originalversion heißen, was so viel bedeutet wie "Harry Potter und der Halbblut-Prinz".

Am 16. Juli wird das neue Potter-Buch in den englischsprachigen Ländern veröffentlicht. Wann das Buch in Deutschland erscheint, ist noch offen. Die Rechte liegen beim Carlsen Verlag, der Ende Januar noch die Taschenbuchausgabe des fünften Bands ("Harry Potter und der Orden des Phönix") auf den deutschsprachigen Markt werfen wird.

Dramatische Einbußen hatten die Händler zuvor im Vorweihnachtsgeschäft mit Kinder- und Jugendbüchern hinnehmen müssen. Allein im November war der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 44 Prozent eingebrochen. Der Grund: Im nun ablaufenden Jahr war kein neuer Harry- Potter-Band erschienen. Dagegen seien noch im Weihnachtsgeschäft 2003 allein 1,5 Millionen Potter-Bücher verkauft worden, sagt Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Aussicht auf einen neuen Potter-Band sei für den Handel "wunderbar".

Als Vorsteher des Börsenvereins vertritt Schormann die Interessen von Verlagen, Buchhandlungen und Zwischenhändlern. Für das Gesamtjahr gibt er sich optimistisch. "Ich gehe davon aus, dass wir 2005 ein leichtes Plus zwischen einem und zwei Prozent erwirtschaften werden." 2004 hat die Branche ersten Schätzungen zufolge eine schwarze Null erreicht. Damit dürfte der Umsatz bei rund 9,1 Millionen Euro gelegen haben. In den drei Jahren zuvor mussten die Händler sogar Rückgänge hinnehmen.

Neben der Hoffnung auf einen Umsatzschub durch Harry Potter rechnen Branchenexperten mit einem weiteren Wachstum bei Hörbüchern. Nach einer Studie des Börsenvereins gehen mehr als 60 Prozent der Hörbuchverlage davon aus, dass das auslaufende Jahr am Ende steigende Umsätze in ihrem Segment gebracht haben wird. Derzeit sind mehr als 10 000 Titel lieferbar. Jährlich kommen 700 bis 800 dazu.

So wird der Hamburger Verlag Hoffmann und Campe beispielsweise im Frühjahr eine CD mit Wolfgang Niedecken veröffentlichen. Der Sänger der Kölner Rockgruppe BAP wird die Autobiografie seines musikalischen Vorbilds Bob Dylan lesen. Und die Leipziger Buchmesse (17. bis 20. März) wird ihren ohnehin schon starken Hörbuch-Schwerpunkt weiter ausbauen.

Die literarischen Trends werden vor allem durch historische Daten gesetzt: Sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden zahlreiche Verlage mit neuen Titeln zu diesem Thema auf den Markt drängen. Außerdem ist 2005 das Einstein-Jahr (100 Jahre Relativitätstheorie) und das Schiller-Jahr (200. Todestag).

Derartige Themen sind eine gute Gelegenheit, vermeintliche Bildungslücken zu schließen. Der Vorsteher des Börsenvereins glaubt jedenfalls fest daran, dass die Deutschen 2005 kräftig in neue Lernmittel investieren werden. "Die Pisa - Diskussion wird zusätzliche Umsätze für den Buchhandel bringen", sagt Dieter Schormann.

Lesen Sie Ausblicke auf das Jahr 2005 in der großen Handelsblatt.com-Jahreschronik: >>> weiter...

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