Branche senkt Jahresprognose deutlich
Chemie-Industrie erwartet Aufschwung erst 2002

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt und geht nun von einem stagnierenden Produktionsvolumen aus.

Reuters/bef/dpa FRANKFURT/M. Die deutsche Chemieindustrie erwartet nach dem Produktionsrückgang im ersten Halbjahr vorerst keinen Aufschwung der Branchenkonjunktur. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat deswegen am Mittwoch die Prognose für das Gesamtjahr gesenkt und geht nun von einem stagnierenden Produktionsvolumen aus. Doch glaubt der Verband, dass die Talsohle jetzt erreicht sei, sagte VCI-Präsident Manfred Schneider gestern bei der Halbjahrespressekonferenz des VCI.

Frühestens 2002 rechne die Chemieindustrie aus heutiger Sicht mit einem nachhaltigen Aufschwung, ergänzte Schneider. Die Chemie gilt als zyklische Branche, die konjunkturelle Schwankungen früh spürt. Sie hat daher Signalwirkung für die allgemeine Konjunktur. Chemiekonzerne beliefern weltweit große Industrien wie Automobil, Stahl und Konsumgüter.

Die Konjunkturschwäche drückte die Produktionsmenge der Chemie bereits im ersten Halbjahr deutlich. Das Volumen sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1 %. Allerdings stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 5,2 % auf 111 Mrd. DM, was vor allem auf Preiserhöhungen und positive Effekte durch den schwachen Euro zurückzuführen ist.

Für das Gesamtjahr rechne der VCInun nicht mehr mit Produktionszuwächsen, sagte Schneider. Das Umsatzwachstum werde aber rund 4 % betragen. Sollte die konjunkturelle Abkühlung in den USA aber anhalten, werde dies weitere negative Auswirkungen auf Asien und Europa haben, warnte der VCI-Präsident.

Rückläufige Nachfrage

In den vergangenen Tagen haben große Chemieunternehmen wie BASF, Bayer, Dow Chemical und Du Pont auf die rückläufige Nachfrage bereits mit Gewinnwarnungen für das zweite Quartal reagiert. Neben der schwachen Konjunktur drückt der hohe Ölpreis die Erträge der Unternehmen, weil sie die Belastung nicht ausreichend über Preiserhöhungen weitergeben konnten. Allerdings sahen sich Konzerne wie Degussa und Celanese nicht zu Gewinnwarnungen gezwungen.

Chemieaktien reagierten auf die neue Prognose des VCI gestern in einem schwachen Börsenumfeld überwiegend positiv. Analysten bei Banken wie etwa der Commerzbank und Sal. Oppenheim glauben, dass die Talsohle in der Chemie bald erreicht sei und erwarten wie der VCI frühestens 2002 einen Aufschwung.

Im ersten Halbjahr 2001 habe die Nachfrage in Europa die unerwartet harten Rückschläge in den USA und Asien nicht ausgleichen können, sagte Schneider. Der private Verbrauch habe ebenfalls keine Belebung gebracht, da die Entlastungseffekte der Steuerreform von den Preissteigerungen für Benzin und Heizöl sowie der Ökosteuer aufgefressen wurden.

Für Schneider, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Leverkusener Bayer AG ist, war gestern der letzte Auftritt als VCI-Präsident vor der Presse. Schneider bestätigte, dass Wilhelm Simson, Co-Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Eon AG, im Oktober für das Amt des VCI-Präsidenten kandidieren wird.

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