Branche sieht Bertelsmann-Einstieg aber positiv
US-Musikindustrie hält Napster-Prozess fest

afp NEW YORK/HAMBURG. Auch nach dem Einstieg von Bertelsmann bei Napster will die US-Musikindustrie am Prozess gegen die bislang kostenlose Internet-Musiktauschbörse festhalten. Der Branchenverband RIAA erklärte am Dienstag (Ortszeit) in New York, er begrüße zwar die Allianz, werde die laufende Klage wegen Verletzung von Urheberrechten aber nicht zurückziehen. Der Verband der phonographischen Wirtschaft in Deutschland betonte, er sehe das Ende des illegalen Musikangebots durch Napster "generell positiv". Die Problematik von Raubkopien über das Internet werde dadurch aber nicht gelöst. Bertelsmann und Napster hatten am Dienstag überraschend eine Allianz bekannt gegeben, durch die aus der Gratis-Tauschbörse ein kostenpflichtiges Angebot zum Musikvertrieb per Internet werden soll. Napster-Nutzer reagierten empört und kündigten einen Wechsel zu anderen kostenlosen Websites an.

Napster war von der US-Musikindustrie verklagt worden, weil über die Website des Unternehmens mit einer speziellen Software kostenlos Musikstücke im digitalen MP3-Format im Internet aufgespürt und gratis heruntergeladen werden können. Dadurch sehen Plattenlabels und Künstlerverbände ihre Rechte verletzt.

Vereinbarungen wie die von Bertelsmann mit Napster könnten den illegalen Vertrieb von Musik über das Internet nicht verhindern, sagte Hartmut Spiesecke vom Verband der phonographischen Wirtschaft in Hamburg der Nachrichtenagentur AFP. Für die deutsche Musikindustrie habe der Schaden aus Internet-Raubkopien im vergangenen Jahr bereits 140 Millionen Mark (knapp 71,6 Millionen Euro) betragen. In diesem Jahr werde die Zahl "weit höher ausfallen". Die deutsche Branche gehe deshalb mit allen rechtlichen Möglichkeiten gegen Raubkopierer vor. Allein im vergangenen Jahr wurden dem Verband zufolge 800 Websites mit illegalen Musikangeboten geschlossen.

RIAA-Präsidentin Hilary Rosen erklärte, ihr Verband begrüße die Entscheidung von Napster, "ein legaler Akteur der Online-Musikindustrie zu werden". Der angekündigte Rückzug der Bertelsmann-Musik-Tochter BMG aus dem Kreis der Napster-Kläger werde das laufende Verfahren aber nicht zu Fall bringen. "Es ist wichtig, dass die Grundregeln für Internet-Musik ein für alle Mal festgelegt werden", betonte Rosen. Ähnlich äußerte sich auch die Plattenfirma Universal. Es sei positiv, dass Napster nun offenbar auf dem Weg sei, Urheberrechte von Autoren und Labels anzuerkennen. Das Angebot in seiner jetzigen Form verletze aber weiter deren Rechte.

Bertelsmann stellt Napster im Zuge der Allianz einen Kredit in ungenannter Höhe zur Verfügung, um das neue Geschäftsmodell zu verwirklichen. Ziel ist offenbar, die Napster-Technologie als Branchenstandard beim Vertrieb von Internet-Musik zu etablieren. Die Partner hatten deshalb die Industrie aufgefordert, sich an dem neuen Modell zu beteiligen. Es sieht nach Angaben von Napster-Chef Hank Barry vor, aus der Tauschbörse einen Service für Abonnenten zu machen. Dabei sei ein Monatsbeitrag von 4,95 Dollar (derzeit 11,50 Mark) denkbar, betonte Barry. Wann Napster kostenpflichtig werden soll, konnte er zunächst nicht sagen. Dies werde aber "so bald wie möglich" geschehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%