Branche spricht von verheerenden Folgen des Dosenpfands: Brauer beklagen schlechte Stimmung an der Theke

Branche spricht von verheerenden Folgen des Dosenpfands
Brauer beklagen schlechte Stimmung an der Theke

Die Krise der Gastronomie bekommt auch die deutsche Brauindustrie zu spüren. Doch damit nicht genug, das Hin und Her um das Dosenpfand hat schwere Konsequenzen, auch die Premiummarken erleiden deutliche Absatzverluste. Die Folge sind Stellenabbau und weitere Konzentration.

DÜSSELDORF. Die deutschen Brauer schlagen Alarm: Von einer "dramatischen Situation in der Gastronomie" sprach Michael Huber, Generalbevollmächtigter der Brauerei C. & A. Veltins gestern bei der Vorlage des Jahresergebnisses. Neben den Auswirkungen der TeuroDiskussion nach der Euro-Bargeldumstellung habe auch die schlechte Konjunktur die Stimmung gedrückt. Veltins verkaufte deshalb mit 591 000 Hektolitern (hl) fast 3 % weniger Fassbier.

Auch die Bitburger Brauerei, nach eigenen Angaben mit einem Ausstoß von 1,16 Mill. hl Marktführer bei Fassbier, tut sich schwer. Trotz des Zukaufs neuer Gaststätten habe man den Ausstoß nicht halten können, er ging im Vergleich zum Vorjahr um 20 000 hl zurück. "Es ist im Moment ein sehr schwieriges Geschäft", sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Probleme mit der Gastronomie-Sparte verzeichneten im vergangenen Jahr fast alle Mitbewerber.

Gravierend wirkt sich weiterhin die Einführung des Einwegpfandes zum Jahresbeginn aus. Nachdem im Lebensmitteleinzelhandel in den ersten Wochen des Jahres der Dosenbierabsatz um bis zu 80 % eingebrochen ist, gehen Marktexperten davon aus, dass der gesamte jährliche Bierabsatz von bisher noch rund 108 Millionen hl bis zum Ende des Jahres kräftige Einbußen erleiden wird. Zum Vergleich: Im Jahr 1992 verkaufte die Branche noch gut 120 Mill. hl.

Beim größten Discounter Aldi zeigen sich die Folgen des Dosenpfands beispielhaft: Aldi hat Dosenbier zum Jahreswechsel komplett ausgelistet, aber noch immer keinen Ersatz für sein schnell verkäufliches Bierangebot. So schätzt Veltins, dass im Jahr 2003 wegen fehlender Einweg-Umsätze mindestens 100 000 hl weniger verkauft werden. Von der Dosendebatte hart betroffen sind die vor allem von jungen Leuten gekauften Biermischgetränke. Sie zählten in den vergangenen Jahren zu den Wachstumsträgern, ihr Absatz brach um gut die Hälfte ein.

Überdies macht sich mancher Brauer selbst das Leben schwer. So hat die Warsteiner Brauerei freiwillig auf rund 200 000 hl aus dem defizitären Dosengeschäft mit der Discount-Kette Lidl verzichtet; wenig später erhöhte man auch noch im Alleingang die Preise - mit gravierenden Folgen. Der größte deutsche Handelskonzern Metro listete Warsteiner aus den Regalen aus - ein weiteres Absatzminus droht.

Insgesamt verschärft sich der Wettbewerbsdruck unter den mit viel Geld beworbenen Topmarken. Ihr Wachstum stößt seit einigen Jahren an Grenzen, ausländische Braukonzerne bereiten daher weitere Übernahmen vor. Heißester Kandidat bleibt die Hamburger Holsten AG (Holsten, König Pilsener).

Gerade Warsteiner spürt den Konkurrenzdruck, die Brauerei hat ihre Führungsrolle im vorigen Jahr an die Krombacher Brauerei verloren. Insgesamt betrug der Ausstoß der Marke Warsteiner nur noch rund 4,7 Mill. hl, während Krombacher um fast 3 % auf 4,8 Mill. hl zulegte. Krombach-Geschäftsführer Hans-Jürgen Grabias blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2002 zurück: Der Umsatz stieg um 8,1 % auf 460,5 Mill. Euro.

Konkurrent Warsteiner steigerte den Umsatz 2002 nur um 0,5 % auf 450 Mill. Euro. Warsteiner hat ein Sanierungsprogramm aufgelegt, in der Gruppe sollen fast 180 der rund 1 050 Stellen wegfallen. Besser sieht es bei der Nummer drei im Markt, der Bitburger Brauerei aus. Sie konnte den Absatz ihrer Topmarke nochmals um 0,6 % auf 4,21 Mill. hl steigern.

Die Brauerei Veltins will ihre rund 500 Arbeitsplätze auch 2003 garantieren, sagte der Generalbevollmächtigte Huber. Bei einem stagnierenden Bierausstoß von rund 2,4 Mill. hl steigerte die sauerländische Brauerei ihren Umsatz 2002 um 5,4 % auf 214 Mill. Euro und führt dies vor allem auf die "Hochpreispolitik" zurück.

Michael Hollmann, Vorstandschef des Getränkeriesen Brau und Brunnen AG, ist unsicher, welche Richtung das Biergeschäft in diesem Jahr einschlägt. Denn noch droht der Handel, die Mehrwegprodukte aus den Regalen zu nehmen, sollte es zu einem funktionierenden Einweg-Pfand-System kommen. Ein erneuter Siegeszug der Dose wäre dann kaum aufzuhalten.

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