Branche unter der Lupe
Spielzeugaktien machen Anlegern wenig Spaß

Bald ist es wieder soweit - das Weihnachtsfest naht. Kinder bekommen beim Anblick von Spielwaren unter dem Christbaum glänzende Augen. Die Aktien der Hersteller sorgen bei den Eltern aber meist für lange Gesichter, denn die Titel kommen auf dem Börsenparkett nicht recht voran.

MÜNCHEN. Von der viel beklagten Konsumzurückhaltung spüren Eltern wenig, die derzeit auf der Jagd nach Weihnachtsgeschenken für ihre Kinder sind: In den Spielwaren-Läden geht es wie immer in der Adventszeit turbulent zu. Anleger sollten sich von der Hektik im Handel aber nicht täuschen lassen: Spielwarenaktien machen meist weniger Spaß als das Spielzeug, das die Firmen herstellen oder verkaufen.

Beispiel Zapf Creation AG: Obwohl der im M-Dax notierte Puppenhersteller zuletzt mit hohen Wachstumsraten geglänzt und gute Zahlen vorgelegen hat, liegt der Aktienkurs mit rund 26 Euro noch immer unter dem Jahreshoch von knapp 30 Euro. Eigentlich unverständlich, denn Deutschlands einziger börsennotierter Spielwarenproduzent verspricht für das laufende Jahr immerhin ein Umsatzplus von rund 13 Prozent und eine Steigerung des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 18 Prozent. Ursprünglich hatte Zapf angekündigt, Umsatz und Ebit in diesem Jahr um 15 Prozent zu steigern.

Das Weihnachtsgeschäft, betont eine Sprecherin, liege weltweit voll im Plan. Im Klartext: Die jüngsten Prognosen werden vermutlich eingehalten. Die Analysten sehen den Puppenproduzenten mit seiner bekanntesten Marke "Baby Born" deshalb positiv: Independent Research empfiehlt die Aktie zum Kauf, neue Kursziele bei 40 Euro seien möglich.

Noch fehlt den Anlegern allerdings die Phantasie, denn über die Wachstumspläne für 2003 will sich Zapf erst Ende Januar zur Spielwarenmesse in Nürnberg äußern. Bislang hieß es lediglich, das Unternehmen werde weiter zweistellig zulegen. Ende Januar sollen auch die ersten Zahlen für das laufende Jahr vorliegen.

Doch nicht nur Zapf hat trotz guter Zahlen Schwierigkeiten an der Börse. Auch die großen US-Wettbewerber Hasbro (Playskool, Parker) und Mattel (Barbie, Fisher Price) kommen auf dem Parkett momentan nicht recht voran. Immerhin: Im Gegensatz zu vielen anderen Aktien konnte der Kurs von Mattel binnen Jahresfrist leicht von rund 18 Dollar auf mehr als 20 Dollar zulegen.

Abgestürzt ist dagegen der weltgrößte Spielwarenhändler, Toys-R-Us: Weihnachten 2001 lag der Kurs noch über 20 Dollar, jetzt sind es gerade noch 12 Dollar. Ein absoluter Einstiegskurs - finden die Analysten von Standard & Poor?s - und führen die Aktie des Filialisten mit seinen weltweit fast 1 600 Geschäften deshalb ganz oben auf ihrer Kaufliste.

Anleger sollten sich von Spielzeug-Papieren wie Toys-R-Us dennoch nicht zu viel versprechen: Der Spielzeug-Markt in den westlichen Ländern kommt seit Jahren kaum vom Fleck, die Umsätze stagnieren weitgehend. Wer zulegen will, muss andere verdrängen. Und: Lediglich große Lizenz-Themen wie vor einigen Jahren die Teletubbies oder die Pokemon-Monster sorgen ab und zu für fette Jahre. Der Zauberlehrling "Harry Potter" und der Fantasy-Epos "Herr der Ringe" dagegen haben die hohen Erwartungen im vergangenen Weihnachtsgeschäft nicht erfüllt. Auch in diesem Jahr, da sind sich die Marktbeobachter in Nordamerika und Europa einig, fehlen die ganz großen Renner.

Weite Sprünge bei den Spielzeug-Aktien sind deshalb derzeit nicht zu erwarten. Dennoch: Die Mehrzahl der Analysten empfiehlt Mattel zum Kauf. Die Experten rechnen für das kommende Jahr mit deutlich steigenden Gewinnen und einem leicht wachsenden Umsatz. Nicht ganz so positiv ist die Experten-Einschätzung zu Hasbro: Nur ein Drittel der Analysten rät, die Spielzeug-Aktie zu kaufen. Allerdings gehen die Experten auch bei Hasbro von einem wesentlich besseren Ergebnis im kommenden Jahr aus. Den wenigsten Anlegern wird es gelingen, ihren Kindern Spielzeug von Firmen anzudrehen, an denen sie beteiligt sind. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass auf dem Wunschzettel Spielwaren von Unternehmen stehen, die gar nicht börsennotiert sind. Denn die meisten erfolgreichen Spielzeugmarkten - wie Playmobil oder Lego - sind fest in Familienbesitz.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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