Branche warnt vor überteuerten Preisen
Markt für „gebrauchte“ Beteiligungen boomt

Viele Bankkonzerne und Finanzinvestoren wollen sich vollständig oder von Teilen ihrer außerbörslichen Beteiligungen trennen. Spezialisierte Fonds wittern hier ein großes Geschäft in Europa.

pk FRANKFURT/M. Die Investmentbank Goldman Sachs erwartet in den kommenden Jahren einen stark expandierenden Sekundärmarkt für Unternehmensbeteiligungen. Parallel zum Aufstieg des Primärmarktes, in den in in den vergangenen fünf Jahren weltweit rund 550 Mrd. $ geflossen sind, wachse das Angebot an "gebrauchten Portfolios", skizzierten Experten auf einer Tagung in Kronberg/Taunus.

"Die Zahl der Investitionsmöglichkeiten im Sekundärmarkt nimmt auch in Europa zu, wobei der reifere US-Markt auf Grund des früheren Platzens der Investitionsblase rund ein bis zwei Jahre Vorsprung hat", sagte Harold P. Hope, Associate innerhalb der Private Equity Group von Goldman Sachs. Treibende Kräfte seien ein aktiveres Management institutioneller Anleger. Es führe zu Änderungen in den Allokationen und dem durchschnittlichen "Reifegrad" von Portfolios. Hinzu komme bei vielen Unternehmen ein Liquiditätsbedarf oder ganz einfach eine Rückbesinnung auf strategische Schwerpunkte. Handlungsbedarf entsteht auch aus Fusionen. Ein Beispiel ist die US Bank Wachovia, von der Goldman Sachs ein Portfolio im Zuge eines Buy outs zusammen mit den beteiligten Managern übernommen hat. Im Zuge des Zusammenschlusses von Wachovia mit der First Union Bank hatte der Private Equity-Anteil an den angelegten Mitteln ein zu großes Gewicht bekommen. Aus diesem Grund suchten die Bankmanager nach Möglichkeiten, sich von ihren außerbörslichen Beteiligungen zu trennen. Auch die Deutsche Bank sucht für Teile des Portfolios von DB Capital, zu dem auch eine Beteiligung am Freizeitparkbetreiber Center Parcs gehört, einen Interessenten.

Christian Diekmann, Geschäftsführer der Oppenheim Private Equity Manager GmbH, sieht in den "secondaries" ein aufkommendes Modethema im Markt. Professionelle Manager könnten hier gute Renditen erzielen, aber die anziehende Nachfrage verderbe teils die Preise. "Der ganz billige Einkauf ist nicht mehr da", so Diekmann. Ganze Portfolios zu übernehmen verlange eine hohe Expertise, die vielen Managern im Markt fehle. Die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Beteiligungen sei schwierig. "Einige Asset-Manager sagen sich, ich muss in die Anlageklasse Private Equity investieren, aber ich will früher Rückflüsse realisieren. Dabei wird oft übersehen, dass man auch beim Kauf von Sekundärbeteiligungen Fehler machen kann", erläutert Diekmann, dessen Gesellschaft zum Bankhaus Sal. Oppenheim gehört, das das Beteiligungsgeschäft aktiv betreibt.

Private Equity zeichnet sich dadurch aus, dass die Beteiligungen üblicherweise drei bis sieben Jahre gehalten werden und ein vorzeitiger Ausstieg nicht geplant ist. Über "secondaries" kann man die Haltedauer abkürzen. Beteiligungsmanager Hope von Goldman Sachs meint, das sich rund ein halbes Dutzend großer Fonds auf diesen Markt konzentriert, die eigenen "Vintage"-Fonds haben bisher 1,6 Mrd. $ eingesammelt.

Allerdings ist vor allem der Venture Capital-Markt, der Risikokapital für junge Technologiefirmen bereitstellt, in den vergangenen zwei Jahren unter die Räder gekommen; die Bewertungen sind inzwischen sehr niedrig. Wurden in der Übertreibungsphase in den Jahren 1999 und 2000 viel zu hohe Preise gezahlt, ist der Zeitpunkt für Verkäufe jetzt eher ungünstig. "Der Anstieg von Sekundärtransaktionen ist ein Zeichen dafür, dass viele Portfoliomanager ihre Beteiligungen zum falschen Zeitpunkt anbieten", lautet die Einschätzung von Phil Cooper, Managing Director und zugleich Leiter der Private Equity Group bei Goldman Sachs.

Die Investmentbank will deshalb verkaufswilligen Klienten dabei helfen, einen fairen Preis für die Portfolios zu finden. Dabei sei Vertraulichkeit zentral, gerade bei liquiditätsgetriebenen Verkäufen Nach Ansicht von Goldman Sachs werden in den nächsten Jahren 6 bis 10 % der Beteiligungen aus dem Primärmarkt auf dem Sekundärmarkt gehandelt, das Marktvolumen werde von aktuell 6 Mrd. $ p.a. auf 20 Mrd. $ im Jahr 2005 zunehmen.

Quelle: Handelsblatt

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