Branche will Preismodelle modifizieren und neue Produkte anbieten
Online-Broker suchen Ertragsquellen

Die deutschen Online-Broker leiden unter der schlechten Verfassung der Börsen. Kurzfristig ergreifen sie deshalb Maßnahmen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Mittel- bis langfristig müssen sich aber auch die Ertragspotenziale der Branche verbessern.

HB FRANKFURT/M. Die von den großen deutschen Online-Brokern angekündigten Kostensenkungsmaßnahmen fallen drastisch aus. Die Nürnberger Consors AG will die für das laufende Jahr prognostizierten Einsparungen in Höhe von 30 Mill. Euro noch übertreffen. Sie sucht zum Beispiel nach einem Käufer für ihr Call Center in Berlin, das erst im Oktober vergangenen Jahres aus dem Boden gestampft wurde. Im Nürnberger Call Center sind hingegen noch keine Veränderungen geplant. Die Hypo-Vereinsbank-Tochter DAB Bank hat ihren Mitarbeitern Auflösungsverträge angeboten. Das Unternehmen will den Personalaufwand in diesem Jahr um 20 bis 25 % reduzieren.

Die Commerzbank-Tochter Comdirect führt am 1. Oktober als erstes deutsches Bankinstitut Kurzarbeit ein. Betroffen sind 765 Beschäftigte in den Call Centern und der Verwaltung in Kiel und Quickborn. "Damit haben wir eine sozial sehr verträgliche und intelligente Form gefunden, um unsere personellen Überkapazitäten abzubauen", vertrat ein Comdirect-Sprecher die Maßnahmen. Für zunächst sechs Monate werden Arbeitszeiten und Entgelte der betroffenen Mitarbeiter um 20 % gekürzt. Bis zu zwei Drittel der Differenz zum alten Nettoeinkommen übernehmen dabei die Arbeitsämter.

Kundenverhalten hat sich geändert

Kostensenkungen sind aber nur eine Seite der Medaille. Die Online-Broker müssen auch auf das veränderte Kundenverhalten reagieren. Die Anleger halten sich mit Aufträgen zurück, das Kerngeschäft, nämlich die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen, wirft daher nicht genügend Erträge ab. "Man kann die Aufwendungen nicht so schnell senken, wie die Erträge zurückgehen", hat DAB-Chef Matthias Kröner dieser Zeitung kürzlich gesagt.

Für die Commerzbank-Tochter spielt vor allem das Fondsgeschäft künftig eine stärkere Rolle. Erst vergangene Woche hat die Comdirect den ersten Geldmarktfonds, bei dem Kunden kurzfristig Geld anlegen können, in ihr Programm genommen. Wettbewerber Consors setzt zum einen stark auf die Beratung, die weiter ausgebaut werden soll, wie eine Consors-Sprecherin bestätigte. Darüber will das Unternehmen verstärkt Produkte zur privaten Altersvorsorge anbieten. "Wir haben konkrete Pläne zur Zukunftssicherung und Altersvorsorge in der Pipeline", so die Sprecherin.

Die DAB Bank will noch im Herbst ihr Angebot den Marktbedingungen anpassen. "Eine wesentliche Rolle hierbei spielt das Star Partner Programm", kündigte ein Sprecher an. Geplant ist, "mit maximal einer Handvoll Anbietern pro Gattung", also zum Beispiel im Fonds- oder Optionsscheingeschäft, exklusive Vereinbarungen zu treffen. Die DAB wird die Produkte der Partner den Kunden durch Platzierung besonders empfehlen. Davon würden sowohl die Unternehmen durch mehr Umsatz als auch die Kunden durch günstige Konditionen profitieren, so der Sprecher.

Eng einher mit der Ausweitung des Produkt- und Serviceangebots geht Analysten zufolge eine Veränderung der Preismodelle. DAB-Chef Kröner hat bereits angekündigt, dass er das Preissystem modifizieren will.

Die Comdirect hat im Gegensatz zu ihren Wettbewerbern die Depotgebühr nie abgeschafft und sieht sich dem Sprecher zufolge "nicht so im Zugzwang, an der Preisschraube zu drehen". Ende des Jahres wollen die Hamburger in der AG, ohne das Auslandsgeschäft, wieder schwarze Zahlen schreiben. Dies sei weitestgehend mit Kosteneinsparungen zu erreichen, so der Sprecher.

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