Branche wird Krankenversicherer retten
Mannheimer-Gruppe wird zerlegt

Die Auffanggesellschaft Protektor wird für den schwankenden Lebensversicherer aktiv.

ali/cd/rl/fw DÜSSELDORF. Nachdem der Rettungsversuch der Branche für die Mannheimer Holding gescheitert ist, sollen nun die Verträge der Mannheimer Lebensversicherung AG bald auf die noch inaktive Auffanggesellschaft Protektor übertragen werden. "Die Übertragung wird unverzüglich vorbereitet", teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit. Gleichzeitig stellt die Mannheimer Leben den Abschluss von neuen Verträgen ein. Auf die Einsetzung eines Sonderbeauftragten will die Aufsicht verzichten.

Am Mittwoch war ein Rettungskonzept der Lebensversicherungs- Branche für die Mannheimer Holding gescheitert. Das Konzept sah vor, dass die Unternehmen der Mannheimer Holding mit einer Kapitalspritze von 373 Mill. Euro aushelfen sollten. Doch vor allem Versicherer mit ausländischen Eigentümern wie Axa oder Zürich/Herold hatten ihre Zustimmung verweigert.

Laut BaFin sind die Ansprüche aus den Verträgen der Mannheimer Kranken- und der Sachversicherung nicht gefährdet. Dennoch hat der Verband der privaten Krankenversicherung gestern früh der Finanzaufsicht ein Konzept vorgelegt, um die Mannheimer Krankenversicherung AG aufzufangen. "Das kriegen wir innerhalb der Branche hin", sagte Verbandspräsident Reinhold Schulte am Rande der Bilanzpressekonferenz der Signal Iduna Gruppe, deren Vorstandsvorsitzender er ist. Genaue Details des Plans nannte er nicht.

Während die Lebensversicherer mit Protektor bereits über eine Auffanggesellschaft verfügen, gibt es bisher kein ähnliches Konstrukt bei den privaten Krankenversicherern. Aus Versicherungskreisen verlautete, dass einige Unternehmen aber bereit wären, die Vertragsbestände der Mannheimer Krankenversicherung AG zu übernehmen. Das Unternehmen zählt mit 114 Mill. Euro Prämien zu den Nischenspielern.

Auch wenn die Kunden der Mannheimer Leben von Protektor aufgefangen werden, ist fraglich, ob damit die erste Pleite eines Versicherers in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg abgewendet werden kann. Die Aktien der Mannheimer Holding brachen gestern bereits um fast 40 Prozent ein. Denn die Lebentochter hat einen Gewinnabführungsvertrag mit der Holding. Im Umkehrschluss führt dies zur Verpflichtung der Holding, Löcher in der Bilanz der Lebentochter zu stopfen. Die Mannheimer Leben weist in ihrer Bilanz stille Lasten von 238 Mill. Euro aus. Experten argumentieren, dass die Forderung der Lebentochter an die Holding, dieses Loch zu stopfen, bei der Übertragung der Vertragsbestände auf Protektor übergehen könnte. Andere Insider verweisen darauf, dass mit der Übertragung dieser Forderung auf Protektor die Branche sich keinen Gefallen tun würde, denn dies könnte die Mannheimer Holding in ernste Schwierigkeiten bringen.

Offen ist zudem das Schicksal des Sachversicherers Mannheimer Versicherung. Dieser wies zwar im ersten Quartal einen leichten Verlust aus, gilt aber als gesund. Doch auch das alte Management der Holding hatte bislang keinen Käufer für die Sachtochter finden können.

Befürworter der gescheiterten Branchenlösung verweisen darauf, dass diese billiger gewesen wäre, als die Bestände der Mannheimer Leben über Protektor aufzufangen. Der Grund: Protektor selbst muss mit ausreichenden Eigenmitteln zur Übernahme der Bestände ausgestattet werden, die Rede ist von 140 Mill. Euro. Zudem könne Protektor nicht auf die positiven Erträge des Sachversicherers der Mannheimer zurückgreifen, um das Loch beim Lebensversicherer zu stopfen. Die Münchener Rück, die 10 Prozent an der Mannheimer hält, erklärte, dass die mögliche Insolvenz der Mannheimer das Ergebnis der Rück "nur sehr marginal belasten" würde.

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