Branchen-Bericht
US-Broker: Holpriger Weg aus der Vertrauenskrise

Die Vertrauenskrise, unter der die amerikanischen Investmentbanken leiden, ist Schnee von gestern. Nachdem Anleger sich von Analysten betrogen fühlten, die US-Börsenaufsicht SEC Richtlinien für die Wall Street Firmen erlassen und sich Merrill Lynch mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Elliott Spitzer außergerichtlich auf Strafzahlungen geeinigt hat, gilt es, den Blick nach vorne zu richten.

wsc NEW YORK. Einen Ausblick darauf, wie es weitergehen könnte und welche Häuser unter den jüngsten Skandalen finanziell mehr oder weniger zu leiden hatten, gaben vier Branchenriesen in dieser Woche im Rahmen ihrer Quartalskonferenzen: Goldman Sachs, Bear Stearns, Lehman Brothers und Morgan Stanley. Da trennte sich die Spreu vom Weizen. Denn zwei Firmen, deren "Chinese Walls" zunächst einmal dick genug waren um Research und Investment-Geschäft voneinander abzugrenzen, legten Ergebnisse deutlich über den Erwartungen des Marktes vor und brachten eine Spur Hoffnung in den Sektor.

Allen voran Goldman Sachs. Deren Gewinne gingen im abgelaufenen Quartal nur um 2 % zurück - die starke Nachfrage nach Beratungsdiensten bei Firmen-Mergern (plus 33 %) hatte geholfen, das schwache Geschäft mit Erstnotierungen (IPOs) auszugleichen. Das macht Hoffnung auf ein stärkeres zweites Halbjahr. Denn seit einigen Wochen drängt es wieder Unternehmen an die Börse, besagt schwacher IPO-Markt erholt sich. Allein in den ersten drei Juni-Wochen kamen in New York neue Aktien im Wert von 15 Mrd. $ auf dem Markt.

Dass die Beratungsdienste von Goldman Sachs zur Zeit höher bewertet werden als die der Konkurrenz, zeigt der direkte Vergleich mit beispielsweise Lehman Brothers. Dessen Ergebnis ging in den vergangenen drei Monaten um ein Drittel zurück, Schuld daran laut Unternehmensführung - eben das schwache Merger-Geschäft. Nicht besser sieht es bei Morgan Stanley aus. Die Bank, eines der größten Häuser an der Wall Street, meldete ebenfalls einen Gewinneinbruch im zweistelligen Bereich. Morgan Stanley ist in die schlagzeilenträchtigen Skandale direkt verstrickt: Gegen die Internet-Analystin Mary Meeker ermittelt unter anderem der New Yorker Star-Anwalt Jacob Zamansky, der sich mit Staatsanwalt Spitzer dem Großreinemachen in der Weltfinanzmetropole verschrieben hat.

Wenig zu tun haben die beiden bei Bear Stearns. Das Traditionshaus hält eine saubere Reputation und sorgte in der vergangenen Woche für eine Überraschung. Als einzige Firma konnte man einen Gewinnzuwachs bekannt geben. Den generierte man aber weniger im Geschäft mit Aktien und übrigen Wall Street-Aktivitäten, sondern im Kreditgeschäft. Kredite sind zur Zeit gefragt wie nie - immerhin notieren die Leitzinsen in den USA auf einem 40 Jahres-Tief von 1,75 %.

Trotz einiger starker Zahlen sind die Brokerhäuser von Optimismus noch ein ganzes Stück entfernt. Denn auch höhere Gewinne täuschen nicht darüber hinweg, dass die Wall Street Firmen innerhalb eines Jahres 41 000 Mitarbeiter auf die Straße gesetzt haben. Der Branchendienst Securities Industry Association geht davon aus, dass weitere Entlassungen drohen, und auch Guy Moszkowski, Analyst bei Salomon Smith Barney sagt, weitere Kürzungen im Personalwesen kämen "eher früh als spät". Dabei hat Moszkowski einen baldigen Aufschwung bereits eingeplant. Doch: "Bei den meisten Investmentbanken sind die Abteilungen für IPO- und Merger-Beratung immer noch deutlich zu hoch, mit Bonus- und Gehaltskürzungen dürften viele nicht mehr weiter kommen."

Betriebswirtschaftlich macht sich Moszkowski unterdessen wenig Sorgen. Vor allem für Lehman Brothers, Goldman Sachs und - etwas überraschend - auch für Merrill Lynch sehe es gar nicht schlecht aus. Diese könnten mit entsprechenden Kürzungen die Gewinne durchaus halten und sogar weiterhin steigern, sagt er. Auch wenn der Aktienmarkt im Allgemeinen schwach bleibe, die Papiere der drei Häuser könne man durchaus kaufen.

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