Branchen-Kommentar
Pharmasektor braucht Antidepressiva

Die jüngsten Gewinnwarnungen aus der US-Pharmabranche lassen keinen Zweifel mehr aufkommen: Pharmaaktien, die einst als sichere Anlageform für risikoscheue Anleger galten, haben angesichts der Schwierigkeiten der Branche ihren Nimbus als "sicherer Hafen" verloren.

vwd DÜSSELDORF. Fast scheint es, dass auch die Selbstsicherheit der Pharmakonzerne kleiner wird. Verschämt hat Schering-Plough unüblich spät dreieinhalb Stunden nach US-Börsenschluss über geringere Gewinne informiert. Schlechte Nachrichten um Mitternacht: So etwas kannten Leid geprüfte Anleger bislang eher bei Unternehmen am Neuen Markt.

Schering-Plough weiß sich mit ihrer Gewinnwarnung in guter Gesellschaft. Erst eine Woche ist es her, dass auch Wyeth warnte, mit dem Ergebnis die Erwartungen nicht zu erreichen. Doch während Wyeth nur allgemein über schwache Umsätze klagte, zeigt das Beispiel Schering-Plough ein typisches Phänomen für die Branche. Manch ein Unternehmen ist zu sehr vom Umsatz mit einem Blockbuster-Medikament abhängig. Neue Produkte sind nicht oder erst später in Sicht. Fällt das Patenschutz für den Blockbuster weg, sind Umsatz und Gewinn in Gefahr. Eli Lilly hat dies mit ihrem Antidepressivum Prozac leidvoll erfahren, Schering-Plough wird dem Beispiel nun mit Claritin folgen.

Die Aktienkurse im Pharmasektor haben die schwache Geschäftsentwicklung nachvollzogen. Eli Lilly haben innerhalb eines Jahres fast 40, Schering-Plough über 50 Prozent an Wert verloren. Die Kursbewegungen sind also nichts für schwache Nerven. Doch Hilfe naht: Mit Kooperationen und eigener Forschung arbeiten die Pharmakonzerne an der Entwicklung neuer Medikamente. Auch wenn es bei einigen Unternehmen noch düster aussieht, die Zeit wird kommen, dass Pharmakonzerne die Leiden der alternden Bevölkerung lindern und die Aktien im Sektor reiche Gewinne versprechen. Heute ist die Zeit noch nicht gekommen.

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