Branchenbericht: Autos
Von Straßenschiffen, Hybriden und der Zukunft

Es kommen harte Zeiten auf die amerikanischen Autofahrer zu. Es gibt nicht genug Mechaniker. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der "autocare worker" um 88 000 gefallen. Eine Studie hat jüngst ergeben, dass 2012 fast eine Million Techniker gebraucht werden. Um heutzutage Autos zu reparieren, sind Computerkenntnisse Grundvoraussetzung. Und viele Mechaniker haben daher gleich lukrativere Jobs, etwa als Computerfachkraft, angenommen.

NEW YORK. Trotz der Sorge um die ewige Fahrbereitschaft und trotz der konjunkturellen Flaute lassen sich die US-Bürger die Freude an ihrem fahrbaren Untersatz aber nicht nehmen. Vor allem die junge Generation kauft. Authentisch und den individuellen Wünschen entsprechend sollen die Wagen sein, sagt Jim Schroer Marketingchef von Daimler-Chrysler.

Die Rekord-Absatzzahlen scheinen ihm recht zu geben. Etwa 17 Millionen Autos werden aller Voraussicht nach in diesem Jahr in den USA verkauft. Im September kletterten die Absatzzahlen industrieweit gegenüber dem Vorjahr um 3 %. Doch es waren nicht die Big Three aus der Detroiter Ecke, die für die Fortsetzung des Autobooms sorgten. Die Verkaufszahlen von General Motors fielen um 13 %. Die Nummer Zwei, Ford, musste einen Rückgang um 5 % einstecken. Positive Ausnahme war der US-Arm von Daimler-Chrysler, die Chrysler Group, mit einem Anstieg um 18 %.

Doch ist vor allem die Konkurrenz aus Übersee stark in den Herbst gestartet. Mercedes Benz mit einer Steigerung um 13 %, Volkswagen mit fast 10 %. Und bei BMW sind es immerhin 2 %. "Eine weit größere Bedrohung als die Deutschen mit ihren Luxuskarossen sind allerdings die Japaner", so Efraim Levy, Autoexperte der Rating-Agentur Standard & Poor´s. Anstatt sich auf das Nobelsegment zu konzentrieren, böten sie Modelle in allen Preissegmenten an und weiteten ihre Marktanteile in sämtlichen Sparten aus. Musterkinder bei den Verkaufszahlen sind Nissan mit einem Plus von 7 % und Toyota mit 4,3 %. Lexus legt gar um 19 % zu.

Mit kostenlosen Extras, verschiedenen Boni und der sogenannten Null-Prozent-Finanzierung kämpfen vor allem GM und Ford um ihren Marktanteil. Mit dieser Strategie treffen sie den Nerv des Kunden. Inmitten der Konjunkturflaute kommen die Schnäppchen-Angebote gut an: der ausgabenscheue Konsument freut sich über jeden gesparten Dollar. Levy sieht die Nullprozentfinanzierung allerdings zu einer schlechten Gewohnheit verkommen, die noch mehr Schaden anrichten könnte: "Die Leute kaufen nur noch, wenn es Sonderangebote gibt."

Nach wie vor leiden die US-Autobauer unter dem Image, qualitativ hinter den Japanern und Europäern herzufahren. Designmäßig sind jene zwar meist nicht gerade ein Renner. Aber: "Sie gelten aber nun mal als zuverlässiger", so Chrysler-Mann Schroer. Und darunter leide der Wiederverkaufswert der US-Autos. Mit einer Imagepolitur, Vielseitigkeit und neuen Designs wollen die US-Autohersteller, neben Finanzierungshilfen, ihre Position verteidigen.

Auf dem Pariser Automobilsalon zeigen die Big Three vom Rusty Belt, GM, Ford Chrysler, mit welchen Wagen sie ihre Position behaupten wollen, und wohin der Trend fährt. Als "Zwitterfahrzeuge, die halb Auto und halb Truck sind", beschreibt Levy die Hybrid-Modelle, die die Karossen im SUV-Design auf kurz oder lang ablösen sollen.

Die Wagen, wie der Pacifica von Chrysler oder der Escape von Ford, sehen etwas geknautscht aus - wie eine Kleinversion der derzeitigen Straßenschiffe. Sie sollen reizvoller wirken. Und gleichzeitig weiterhin das "King of the Road"-Feeling vermitteln.

Wie in einem Kommentar zu hören war, wird man nächstes Jahr sehen, wie die Modelle aufgenommen werden. Und ob die Autohersteller mit ihren Motoren dahin folgen können, wo sie mit ihrem Mund bereits sind. Efraim Levy rechnet zunächst mit leicht rückläufigen Absatzzahlen - aber auf nach wie vor hohem Niveau. Zumindest Mechaniker dürften das gerne hören - und ihnen ist es egal, ob sie europäische, japanische oder US-Wagen reparieren.

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