Branchenbericht: Bildungsaktien
Geld auf der Schulbank

Schule macht Geld - zumindest in den USA. Dort können Anleger in Ausbildung investieren und das ist ganz wörtlich zu nehmen. Sie beteiligen sich an Grundschulen, Universitäten und Erwachsenenweiterbildung. Doch nicht alle Unternehmen der Branche haben aus Anlegersicht die Note 1 verdient.

NEW YORK. Vom Klassenzimmer aufs Parkett. Der Trend zur Privatisierung erfasst immer mehr Ausbildungsbereiche. Und während des Börsenbooms trauten sich auch immer mehr Kandidaten auf das Parkett. "Die Branche war, zumindest aus der Sicht des Aktienmarkts, vor fünf oder sechs Jahren so gut wie nicht existent", stellt Peter Appert, Analyst bei der Deutschen Bank, fest. Bildung ist immer gefragt, das sagten sich auch viele Anleger und investierten in den neuen Sektor. Die Rechnung ist nicht in allen Fällen aufgegangen. Doch einige Unternehmen zählen nach wie vor zu den Klassenbesten.

Bildungsboom. Durchschnittlich werden die Aktien der Bildungseinrichtungen nach Analystenschätzungen rund 20 % in diesem Jahr zulegen. Letztes Jahr waren es sogar noch 38 %. "Diese Unternehmen sind von hoher Qualität und somit sichere Häfen für die Investoren. Auch Schulden sind für Einrichtungen meist ein Fremdwort", sagt Alexander Paris, Analyst bei Barrington Research Associates. Paris mahnt jedoch zur Vorsicht: "Investoren sollten die einzelnen Unternehmen genau unter die Lupe nehmen."

Sparen auf dem Lehrplan. Als wahre Wachstumstalente wurden sogenannte Charter-Schulen gehandelt. Dabei handelt es sich um staatliche Schulen, die von der öffentlichen Hand an private Betreiber vergeben werden. Diese - meist börsennotierten Unternehmen - werden pro Schüler mit Steuergeldern bezahlt. Ziel der Privatschulen: durch effizientere Verwaltung und Kosteneinsparungen Gewinne zu erwirtschaften, um ihre Investoren zufrieden zu stellen. "Institute wie das unsere werden in 20 Jahren rund 20 bis 30 % Marktanteil haben", zeigt sich Christopher Whittle, Gründer und Vorstand von Edison Schools, optimistisch. Doch der Branchenführer hat von verschiedenen Gemeinden bereits den blauen Brief erhalten. Die Stadtväter und Mütter sind unzufrieden, weil Edison es nicht geschafft hat, die Noten der Schüler bei staatlichen Mindestanforderungstests zu verbessern. Ausserdem fürchten sie, dass die Kostensparprogramme den Lehrplan beschneiden.

Branchenführer versetzungsgefährdet. Um die Kunden zu halten, hat Edison investiert. Das Unternehmen, das Unterricht vom Kindergarten bis zum Schulabschluss anbietet, wird wohl nach Schätzungen von Analysten einen Verlust von satten 81 Cent je Aktie für das Gesamtjahr hinnehmen müssen. Für die Bilanzen erhält der Schulverwalter wohl eine Rüge von den Investoren.Das Papier ist in diesem Jahr bereits um 97 % abgestürzt. Nun droht Edison wegen der schwachen Bewertung von der Nasdaq delistet zu werden. Experten kritisieren, dass das Edison während seinem zehnjährigen Bestehen keine Verbesserungen oder gar neue Bildungstrends berücksichtigt hat. Zu wenig in die Weiterbildung des Managements investiert, offenbar.

Erwachsene lukrativste Zielgruppe. Zu den (Auf)-Strebern gehört Edison Konkurrent, die Apollo Education Group. Das Unternehmen betreibt landesweit 45 Studieneinrichtungen, darunter den virtuellen Campus der University of Phoenix. Apollo konzentriert sich hautsächlich auf die Weiterbildung von Berufstätigen. In Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit entscheiden sich viele, noch einmal zur Schule zu gehen. Einige hoffen durch mehr Ausbildung ihren Arbeitsplatz zu halten, andere spekulieren darauf, durch zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten eine neue Stelle zu ergattern.

Nachteil für die erwachsenen Schüler: Sie haben oft wenig Zeit oder zu wenig Geld für aufwendige Programme. So boomt vor allem die Fortbildung über das Internet: das Online-Geschäft ist im ersten Quartal 2001 über 50 % gewachsen. "Apollo ist eindeutig eines der am schnellsten wachsenden und hochwertigsten Unternehmen in diesem Sektor", empfiehlt Gregory Cappelli, zuständiger Analyst bei Credit Suisse First Boston, die Aktie von Apollo.

Weiterhin auf der Empfehlungsliste des Experten: Career Education und Corinthian College. Beide Unternehmen bieten ebenfalls Weiterbildungsmöglichkeiten für Erwachsene an und haben in den letzten Jahren kontinuierlich die Erwartungen der Wall Street geschlagen.

Online zum Abschluss. Auch Aaron Harris, Portfolio Manager bei Villanova Capital, setzt auf virtuelles Lernen. Besondere Aufmerksamkeit schenkt Harris dem E-Learning Unternehmen Skillsoft. "Warum sollen die Leute zur Uni gehen, wenn sie auch von ihrem heimischen PC studieren können", sagt Harris. Softskill wird vermutlich die Umsätze für das Fiskaljahr 2002 um satte 161 % steigern können.
Nicht alle Aktien der Unternehmen, die virtuelle Bildung lehren, sind jedoch empfehlenswert. So sei beispielsweise das Papier von Strayer Education - das Unternehmen betreibt 14 Universitäten, sowie Online-Kurse- eindeutig zu hoch bewertet. "Kaum Gewinnwachstum und sinkende Schätzungen geben dem Strayer-Papier die Bewertung einer Tech-Aktie", sagt Lou Stanasolovich, Präsident von Legend Financial Advisor.

Klassiker bleiben. Nicht nur die Weiterbildung von bereits Berufstätigen verhelfen der Branche zu einem soliden Wachstum. Auch die Schulbuchverlage profitieren von dem Bildungshunger, allen voran Mc Graw Hill. Der Verleger hat in den vergangenen Monaten einige kleine Unternehmen, darunter Bredex, Open University Press und Tribune Education übernommen. Auch Scholastic - der Verlag vertreibt Bücher und Lernsoftware für Lehrer und Schüler - kann sich momentan im Erfolg sonnen. Der Herausgeber des Verkaufschlager Harry Potter kann für das Fiskaljahr 2002 einen Gewinnanstieg von 43 % verbuchen.

Back to school. Ob E-Learning, Charter-Schools oder Verlage - Bildung hat immer Konjunktur. "Die Unternehmen bieten Anlegern ein attraktives Geschäftsmodell mit soliden Wachstumsmöglichkeiten", fasst Credit Suisse First Bosten Analyst Gregory Cappelli zusammen. "Ein guter Zeitpunkt in eine lukrative Branche zu investieren".

© Wall Street Correspondents, Inc.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%