Branchenbericht: Fast Food & Gesundheit
Ein bisschen ungesund darf’s schon sein

Die USA, das Land der Superlative. Die Amerikaner lieben XXL, sei es bei New Yorks Wolkenkratzern, Hollywoods Stretchlimousinen oder den texanischen T-Bone Steaks. Aber nicht immer ist "Super Size" so ruhmreich, vor allem nicht, wenn es um Essen und Trinken, und damit im Endeffekt um Kalorien geht.

NEW YORK. Die Vereinigten Staaten sind nämlich nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes ein Schwergewicht. Doch das soll sich bald ändern.

Wieder einmal rollt eine Welle neuen Gesundheitsbewusstsein über das Land. Ob sie diesmal flächendeckend und nachhaltig greift, bleibt abzuwarten, doch hat man zumindest die Fakten erkannt: In Sachen Übergewicht und Fettleibigkeit führt die US-Bevölkerung die Statistiken an. Gemäß aktueller Studienergebnisse der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), einem Büro der US-Gesundheitsbehörde, ist der Anteil übergewichtiger Menschen im gesamten Bundesstaat dramatisch angestiegen. Zur Zeit sind rund 60 % der Erwachsenen übergewichtig - fast dreimal soviel wie noch vor 20 Jahren. Sorgen bereitet aber vor allem die Tatsache, dass die "Fett-Epidemie" zunehmend unter den Kindern grassiert. Die Diabetes- und Herzinfarkt-Kandidaten werden immer jünger.

Im Gegensatz zu ihren Opfern scheinen sich die üblichen Verdächtigen bester Gesundheit zu erfreuen: Im laufenden Geschäftsjahr rechnen Fast Food-Experten bei steigenden Umsätzen mit einem Gewinnwachstum von mehr als 20 %. Bei McDonald?s wird sich der Jahresumsatz voraussichtlich um 16 Mrd. $ bewegen, bei Yum! (Kentucky Fried Chicken, Taco Bell und Pizza Hut) rechnet man mit rund 7,5 Mrd. $, während Wendy?s auf 3 Mrd. $ hofft. Die Strategie à la heiß und fettig scheint nach wie vor aufzugehen.

Fragt sich nur, wie lange noch. Denn harte Zeiten brechen für die Branche an, da auch die Regierung auf der Gesundheits-Welle surft. Mit der Initiative "Healthier US" will die Regierung Bush durch Ernährungsberatung und-projekte das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung stärken und deren Konsumgewohnheiten auf Dauer ändern. Das "National School Lunch Program" des US-Kongresses soll Fast Food aus den Schulen verbannen. Eltern von Schulkindern aus Los Angeles machen sich gegen Softdrinks wie Coca Cola, Pepsi und die Kirch-Brausen Dr. Pepper und Mr. Pibb stark.

Und auch Otto Normalbürger wehrt sich: Erst in der vergangenen Woche verklagte ein übergewichtiger New Yorker die vier Fastfood-Giganten McDonald?s, Wendy?s, Kentucky Fried Chicken und Burger King wegen seiner Gesundheitsbeschwerden auf Schadensersatz in Millionenhöhe.

Einem Prozess sieht man gelassen entgegen

Doch die Industrie reagiert und ändert mit Blick nach vorne ihre Strategie. Denn man will Kunden auch bei der Stange halten, wenn sie sich gegen Fett und Kohlenhydrate entschieden haben. Seit einiger Zeit setzt McDonald?s durch seine Anteile an der britischen Sandwich-Kette Pret a Manger und den mexikanischen Restaurants Chipotle Mexican Grill auf das "Non-Burger"-Konzept, das bei Kunden Frische und Qualität assoziieren soll. Auch werden künftig bei der Zubereitung der frittierten Speisen ernährungstechnisch hochwertigere Fette verwendet. Konkurrent Burger King brachte bereits im März seinen 360 Kalorien leichten Veggie Burger auf den Markt. Salate und fettreduzierte Dressings schmücken die Speisekarten. Gesündere Alternativen bietet auch Wendy?s mit den "Garden Salad Sensations".

Auch die Softdrink-Riesen kommen dem gestiegenen Konsumentenbedürfnis nach gesünderen Getränke-Varianten nach. Im August verkündete Coca Cola den Produktions-start der Diet Vanilla Coke, den Verkaufsschlager Coke with Lemon gibt es seit 2001 in der zuckerfreien Version. Mit der Werbekampagne "Treat yourself well - everyday" für seine Wassermarke Dasani trifft Coca Cola den Geist der Zeit: Im ersten Halbjahr 2002 verzeichnete diese Sparte ein Umsatzwachstum von satten 47 %.

Unternehmen verschreiben sich der Health-Food-Strategie

Andere Unternehmen haben nicht nur das Angebot vergrößert, sondern sich ganz der "Health Food"-Strategie verschrieben. Garden Fresh Restaurants, beispielsweise, bringt in seinen 95 Filialen Salate, Pasta und Suppen erfolgreich an den Mann. Das Management rechnet für das Gesamtjahr mit einem Gewinn von 93 Cent je Aktie bei einem Um-satz von 213 Mill. $. Dasselbe Konzept verfolgt Fresh Choice, das im Kalenderjahr 2001 bei einem Umsatz von 75 Mill. $ einen Gewinn von 16 Cent je Aktie erwirtschaftete.

Verabschiedet sich der moderne Mensch also nun endgültig von Burger, Fritten & Co?

"Nach wie vor besteht ein enormer Bedarf an herkömmlichem Fastfood", wehrt Dennis Lombardi ab, der Vizepräsident von Technomic, einer Beratungsgesellschaft der Lebensmittelindustrie. "Die Nachfrage nach gesunden Alternativen ist einfach nicht groß genug."

Tatsächlich sind die Zahlen von Newcomern wie Garden Fresh Restaurants natürlich nur Brosamen im Vergleich mit den dicken Burger-Wecken, die die klassischen Fastfood-Riesen backen. Und Fresh Choice befürchtet bereits, im laufenden Quartal einen Umsatzeinbruch um bis zu 40 % im Vergleich zum Vorjahr verdauen zu müssen.

Ein bisschen gesund darf?s also schon sein - aber bitte nicht zuviel. Burger King hat vor der Markteinführung seines Veggie Burgers Kunden befragt, ob sie das Menü mit Wasser und Salat serviert haben möchten - Fehlanzeige! Das Veggie-Menü gibt?s auf ausdrücklichen Kundenwunsch mit Fritten und Cola.

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