Branchenbericht: Getränke
Yankees, Cowboys, Analysten: Wer trinkt was?

Es ist heiß in Amerika, und in der Hitze des Nachmittags zeigt sich, wer Yankee ist und wer Cowboy. Im Süden trinkt man Budweiser, im Nordosten Coors und im Westen Corona. Das erklärt, warum sich Analysten im Sommer vor allem auf ein Instrument stützen, wenn sie die Branche analysieren: auf die Wetterkarte.

NEW YORK. Zur Zeit stellt sich die Situation wie folgt dar: Der US-Sommer ist um 16 % trockener und 2 % wärmer als der vorherige, was die großen Bierkonzerne auf höchst unterschiedliche Weise wahrnehmen. Coors so gut wie gar nicht, denn ausgerechnet im Nordosten war das Wetter bislang nicht so toll, als dass es die Umsätze auch nur leicht hätte ankurbeln können.

Im so genannten Sun-Belt hingegen, also zwischen Florida, Louisiana und Tennessee, macht Anheuser-Busch ein dickes Plus, weil Überhitzte zum kühlen Bud greifen. Richtig heiß war es bisher an der Westküste, und damit in den Staaten von Kalifornien und Nevada bis nach Texas und New Mexiko, und so geht Diageo, die Holding hinter dem mexikanischen Corona, als Sieger aus dem Getränkerennen.

Wer einen derart volatilen Markt beackert, in dem ein paar schwache Sommerwochen die Bilanzen verregnen können, der tut gut daran, die Produktpalette zu diversifizieren.

Konkret heißt das: Neue Drinks schaffen, neue Kunden ansprechen. Die amerikanischen Bierbrauer, die vom Reinheitsgebot ohnehin nie etwas hielten, mischen nun, was das Zeug hält. So kommen neue Flaschen ins Regal, auf denen Smirnoff Ice und Bacardi Silver steht oder - ganz neu: Captain Morgan Gold und Stoli Citrona.

Hinter den hochprozentigen Namen flutet nichts anderes als Bier durch durstige Kehlen, ein wenig anders gebraut als die herkömmliche Plörre und auf Wodka- und Rum-Geschmack getrimmt.

Profitieren tun sowohl Bierbrauer als auch die Destillerien. Letztere vor allem durch die Lizenzgebühren, die Anheuser-Busch (Bacardi Silver) oder Diageo (Smirnoff Ice) zahlen, aber auch durch teure Werbekampagnen, mit denen die Bierbrauer auch die Namen der Partner ins Tabu-Medium Fernsehen zurückbringen. 400 Mio. $ haben die Brauereien ausgegeben, um allein die neue Palette der Mix-Drinks zu bewerben.

Dafür streichen sie auch die Gewinne ein und sichern sich Marktanteile in einem zunehmend engen Sektor. Noch sind sich Unternehmen und Analysten nicht sicher, wie sich die Anteile verschieben werden, denn das Zahlenmaterial ist in der ersten Saison der Mischgetränke zu dünn. So ist noch nicht einmal klar, wie viel junge Trinker überhaupt neu zum Bier geführt werden, und wie viele angestammte Biertrinker sich nur von einem Produkt zum nächsten wenden. "Selbst wenn wir eine Kannibalisierung von 50 % sehen", sagt Anheuser-Busch-Vize David Peacock, "heißt das, dass jeder zweite Konsument neu gekommen ist."

Die Frage ist: Woher kommen die Neukunden? Sind es Abtrünnige der Softdrink-Konzerne? Ist so manchem Cola-Trinker die Brause zu süß geworden und das Rum-Bier mit einem Namen zwischen Sonne, Sand und Samba die Verheißung? Noch weiß das niemand, erst Ende des Sommers wird nachgerechnet.

Unterdessen legen sich natürlich auch Coca-Cola und Pepsi kräftig ins Zeug und stellen ihrerseits neue - alkoholfreie - Drinks in die Kühlschränke. Coca-Cola setzt dabei auf "Vanilla Coke" während sich Pepsi mit dem Beeren-Mix "Pepsi Blue" um Kunden bemüht.

Erfolgsversprechend ist auch eine Allianz, die Pepsi mit dem Kaffeeröster Starbucks eingegangen ist, der seinerseits im Sommer zu neuer Form aufläuft. Zusammen erobert man mit dem "Starbucks Doubleshot" den Markt, einem doppelten Espresso in der Dose, und auf eigene Faust fährt die Kaffeekette mehrgleisig: Der Eistee Tazo hat sich vor allem unter Yuppies zum Sommertrend entwickelt. Verträumte Seelen schlürfen den "Mokka Coconut Frappucino", einen Kaffee-Shake mit dem Geschmack von Palmen und Urlaub.

Analysten sehen die Branche zu Beginn des Sommers vor einer spannenden, aber auf jeden Fall erfolgversprechenden Saison. Während Starbucks von zwei Dritteln seiner Analysten auf "Aggressiv kaufen" gesetzt wird, stehen Coca-Cola und Pepsi mehrheitlich auf "Kaufen". Und während man für Coors aufgrund des milden Wetters im Nordosten eher schwarz sieht ("Halten") ist, schreibt man Anheuser-Busch auf den "Kauf"-Zettel - vor allem wegen der erfolgreichen Einführung von Bacardi Silver. Dessen Umsätze übertrifft zur Zeit tatsächlich nur das Smirnoff-Pendant von Diageo - die Aktie steht an der Wall Street durchweg auf "Aggressiv kaufen".

© Wall Street Correspondents, Inc.

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