Branchenbericht: IPO-Markt
Neue Spieler bringen Optimismus an die Börse

Es gab bessere Zeiten, um ein Unternehmen in den USA an die Börse zu bringen. Denn vom Optimismus früherer Tage sind Analysten und Anleger noch ein ganzes Stück entfernt.

Von Lars Halter

Man investiert nicht wild in neue Aktien. Doch am Engagement der Unternehmen mangelt es auf dem Markt nicht - im Gegenteil: New York Stock Exchange und Nasdaq verzeichnen die hektischsten Wochen seit langem, der Markt für Erstnotierungen (IPO) boomt.

In der ersten Juni-Woche gaben Unternehmen neue Aktien im Wert von 7,8 Mrd. $ aus, in dieser Woche steht die Emissionen von Papieren für 3,5 Mrd. $ an. Dem Markt tut das zwar nicht direkt gut - mit den neuen Listings fallen die Kurse, da Geld breiter verteilt wird - aber indirekt. Auf lange Sicht geben die IPOs dem Markt Kraft, sie drücken nämlich Optimismus an genau der Stelle aus, wo er zuletzt fehlte - auf Seiten der Unternehmen.

Eingesetzt hat eine wahre Flut von Erstnotierungen bereits Ende März. Mit dem Börsengang der Travelers Property Casual Corp. (TAP.a) zeigte der bis dato angeschlagene Markt neue Kraft. Der Versicherer, ein Spin-Off der größten US-Bank Citigroup, gab Aktien für 3,9 Mrd. $ aus und legte damit den fünftgrößten Börsenstart der Geschichte hin.

Weitere große Player, die den Schritt an die Finanz-Öffentlichkeit wagten, drängen aus allen Branchen. Vor allem Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungsbranche ließen sich listen, aber auch der Pharma-Riese Alcon mit einem Marktvolumen von 2,3 Mrd. $., der Online-Dienst PayPal, der Hightech-Zulieferer Synaptics und der Rüstungskonzern Integrated Defense Technologies. Mit Jet Blue kam sogar die erste Airline seit Beginn der Krise der Branche - vier weitere werden bis Ende Juni folgen.

Die Verantwortlichen an NYSE und Nasdaq sind zufrieden mit den IPO-Aktivitäten und der Marktkapitalisierung. 9,6 Mrd. $ wurden allein im ersten Quartal des Jahres neu ausgegeben. Sicher, damit reicht man nicht an die Zahlen des Vorjahres heran, als alleine der Philip Morris Spin-Off Kraft Foods Aktien für 8,7 Mrd.$ ausgab und mit Prudential Financials ein weiterer 3 Mrd. $ schweres IPO anstand. Aber ein Fundament ist gelegt, und das Jahr 2002 verspricht nun doch keine Enttäuschung zu werden.

Zumal es nicht vorrangiges Ziel der Börsen ist, die IPO-Zahlen der letzten Jahre zu schlagen, als hunderte Internet-Firmen an die Börse drängten, von denen ein großer Teil nicht einmal mehr existiert. "Wir wollen solide Firmen notieren, die auch in konjunkturell schwierigen Zeiten überleben können", sagt ein Sprecher der New York Stock Exchange. Und man geht neue Märkte an: Japan steht ganz oben auf der Wunschliste der New Yorker Trader. Klassische Börsengänge - also Erstnotierungen - sind aus dem Land der Morgenröte zwar nicht zu erwarten, aber zumindest neue Listings, die den Finanzplatz New York weiter global festigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%