Branchenbericht: Mobiles Internet
Schöne neue, vernetzte Welt

Bei Starbucks sitzen seit einigen Tagen Kaffeekunden und surfen im Internet. Schön, aber nichts besonders, möchte man meinen. Doch hat die Kette nicht etwa das bekannte Konzept des Internetcafes für sich entdeckt. Nein, die Kaffeetrinker sitzen am eigenen Laptop, und sie müssen sich vor dem Ausflug ins Web nicht einmal mit dem üblichen Kabelsalat rumärgern - die Verbindung ist kabellos. Wireless Fidelity, oder einfach Wi-Fi, heißt die Idee und die zieht in Amerika Kreise.

NEW YORK. Drahtlose Netzwerke auf Wi-Fi-Standard breiten sich immer mehr aus. Flughäfen, Cafes, Büros und Universitäten bieten heute weltweit schnelle und einfache Zugänge zum Internet. Neben Laptops können auch noch zwei weitere Geräteklassen mit dem neuen drahtlosen Netzzugang verbunden werden: Desktop-Rechner und Taschencomputer. In den USA benutzen zurzeit zwei Millionen Menschen den neuen Internetzugang. Das Beratungsunternehmen Gartners rechnet in 2003 mit einer Verdopplung der User.

Große Konzerne wittern ein gutes Geschäft. Der Markt birgt enormes Potenzial, sagt Les Vadasz, Vize-Chef des Chipriesen Intel. Das Unternehmen schätzt den Markt für Notebooks mit Wi-Fi-Technologie innerhalb der nächsten drei Jahre auf etwa 30 Millionen Geräte.

Einen Meilenstein auf dem Weg zum mobilen Internetzeitalter könnte das amerikanische Unternehmen Cometa Networks setzen. Als Gemeinschaftsunternehmen des Computergiganten IBM, des Telekommunikationskonzerns AT&T, des Chipherstellers Intel sowie der Kapitalgeber Apax Partners und 3i wurde Cometa gegründet, und nun will das Joint Venture Hotels, Universitäten und andere große Einrichtungen in den 50 größten Ballungsgebieten der USA mit sogenannten Hot Spots, drahtlosen Onlinezugängen, versorgen.

Rund 20 000 Hot Spots will das Unternehmen aufstellen. Der Chef von Cometa Networks, Larry Brilliant, will bis 2004 für eine nahezu lückenlose drahtlose Erreichbarkeit für Internet-User in den USA sorgen. Der Kunde muss sich nur einmal anmelden und kann dann alle Hot Spots von Cometa verwenden, zu einem Preis "unterhalb der marktüblichen Gebühren für Funkdienste", wie Brilliant sagt.

Das ist indes noch Zukunftsmusik. Zwar steht das Konzept mit Intel als Chip-Lieferanten, IBM als Partner für die Installation der Endgeräte vor Ort und AT&T als Provider der Netzstruktur. Auch steht die Vision, nach der das gemeinsame Unternehmen der führenden US-Unternehmen der Computer- und Telekommunikationsindustrie in den USA einmal den Markt beherrschen soll. Doch der Startschuss fällt erst 2003.

Konkurrenz gibt es bereits: Telekomkonzerne wie T USA, -Mobile die Tochter der Deutschen Telekom, sind längst auf dem Markt. T-Mobile bietet den drahtlosen Internetzugang schon in 2200 Filialen von Starbucks und bei der Buchhandelskette Borders an. Weiterhin hat das Unternehmen eine Kooperation mit den US-Fluglinien American, Delta, und United Air Lines geschlossen, deren Lounges mit Wi-Fi ausgestattet werden sollen.

Doch nicht nur in öffentlichen Einrichtungen, sondern auch in High-Tech-Haushalten und Büros tauchen Hot Spots immer häufiger auf. In Büros mit zahlreichen vernetzten Computern müssen keine Netzwerkkabel mehr gelegt werden. Und wenn Mitarbeiter mit Laptops arbeiten, werden Arbeitsplätze mobil. Sogar der öffentliche Raum wird immer mehr ans Internet angeschlossen. Cafes, kleine Parks, Bushaltestellen... täglich kommen neue öffentliche und gratis zugängliche Hot Spots hinzu. Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten von Hot Spots. Zum einen stellen private Nutzer ihre Internetverbindung auch anderen Computerbesitzern zur Verfügung. Zum anderen bieten kommerzielle Anbieter kostenpflichtige Hot Spots in Flughäfen, Bahnhöfen oder Hotels an.

Das Einloggen bei einem Hot Spot ist einfach. Das Betriebssystem Windows XP zeigt automatisch alle zur Verfügung stehenden Netzwerke an. Kommerzielle Netzwerke benötigen dagegen eine Zugangskennung. Schließlich wollen die Anbieter die Kosten abrechnen. Meist bieten Anbieter ähnlich wie bei Handys sowohl eine Prepaid-Lösung, als auch eine vertragliche Alternative an.

Die großen Mobilfunk-Unternehmen allerdings betrachten den aufkeimenden Boom der drahtlosen Datennetze mit Sorge. Die Mobilfunkbetreiber haben schließlich in den USA wie auch in Deutschland Milliarden für die UMTS-Lizenzen ausgegeben, um mit dem Mobilfunk der dritten Generation auch einen Hochgeschwindigkeitszugang zum Internet anbieten zu können. Während sich die Einführung der UMTS-Handys ständig verschiebt, gewinnt Wi-Fi immer mehr an Bedeutung.

Das hat mehrere Gründe: Wi-Fi sendet im gleichen Frequenzbereich wie Mikrowellengeräte. Hierfür waren nie Lizenzgebühren wie bei UMTS notwendig. Außerdem haben die lokalen Funknetze weitaus höhere Übertragungsraten als die ersten UMTS-Geräte, und das auch noch zu einem viel niedrigerem Preis. Wi-Fi erreicht eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von elf Megabit pro Sekunde, während UMTS nur unter sehr günstigen Umständen maximal zwei Megabit pro Sekunde erzielt. Die Kosten für die Hotspots halten sich ebenfalls in Grenzen. Ein Haus samt dazugehörigen Büros mit Wi-Fi abzudecken, kostet in etwa 400 Euro.

Ein Nachteil bei dem Datenfunkstandard Wi-Fi ist der begrenzte Radius. In Gebäuden können Strecken im Umkreis von 100 Metern überbrückt werden, im Freien etwa 400 Meter. Eine UMTS-Sendestation dagegen wird später einmal ganze Straßenzüge oder Gebäudekomplexe bedienen können.

Trotzdem dürften die Wi-Fi Netze einen beträchtlichen Anteil unter den Netzen der neuen Mobilfunk-Generation ausmachen. Die Hardwareproduzenten stellen sich zumindest auf den Wi-Fi Trend ein. Bei Apple gibt es das neue Powerbook G4 bereits serienmäßig mit der Wi-Fi kompatiblen Netzwerkkarte. Dell hat angekündigt, alle Laptops mit der neuen Technologie auszustatten. Intel geht sogar davon aus, dass im Jahre 2005 bereits jeder zweite tragbare Computer mit einem Zugang zu Wireless Local Area Network, dem drahtlosen WLAN, ausgerüstet sein wird.

Langfristig dürften Mobilfunk und Internet eng zusammenarbeiten. Dank der mobilen Datenkommunikation nutzen immer mehr Menschen auch außerhalb der eigenen vier Wände oder des Büros E-Mail- und Internetanwendungen.

Während im Nahbereich wohl eher auf den Hochgeschwindigkeitszugang (WLAN) gesetzt werden wird, kann für unerschlossene Gebiete auf den Mobilfunkstandard UMTS zurückgegriffen werden. Verschiedene Anbieter wie beispielsweise Nortel Networks arbeiten schon an Lösungen, mit denen Hot Spots künftig mit den verschiedenen Mobilfunkstandards zusammenarbeiten können. Nortel will eine Schnittstelle anbieten, die das Wechseln zwischen unterschiedlichen Systemen ermöglichen soll, ohne dass der Kunde sich jedes Mal neu einloggen oder unterschiedliche Passwörter verwenden muss. Der Computerriese IBM arbeitet an einem System, dass für den Kunden jeweils das günstigste Übertragungsnetz auswählt.

Das Ziel ist so klar wie visionär: Ob Mobilfunk, Wireless LAN, Privatfunk oder Satellitennetz - wenn der Kunde sich fortbewegt, sucht sich das System automatisch das beste Netz. Auch die Kostensituation soll dieses neue System im Auge behalten. Für die Übertragung größerer Datenmengen wählt es automatisch den optimalen Zeitpunkt und das günstigste Netz.

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