Branchenbericht: Raumfahrt: Columbia-Tragödie: Schaden für Unternehmen geringer als erwartet

Branchenbericht: Raumfahrt
Columbia-Tragödie: Schaden für Unternehmen geringer als erwartet

Die Explosion der Raumfähre Columbia hat am Wochenende die Welt geschockt und die US-Raumfahrt um Jahre zurück geworfen. Während die NASA über die Ursachen des Unglücks grübelt, während Familien in drei Ländern um die Astronauten trauern, und während US-Präsident George W. Bush nach einer nationalen Katastrophe Trost zu spenden versucht, berechnet die Wall Street die Verluste für einige Unternehmen.

Vor allem drei Unternehmen sind es, die an der Entwicklung und Wartung der Columbia und ihrer Schwesterschiffe Atlantis, Discovery und Endeavour beteiligt waren und sind: Boeing, Lockheed Martin und Alliant Techsystems.

Der Dow-notierte Flugzeug- und Rüstungskonzern Boeing machte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 3,22 Mrd. $ mit der Raumfahrt, in 2002 waren es 11 Mrd. $. Die rund 1,55 Mrd. $, die Boeing jährlich von der US-Raumfahrtbehörde bekommt, machen in der Bilanz etwa 3 % des Gesamtumsatzes aus.

Dem weltgrößten Rüstungskonzern Lockheed Martin fließen für Entwicklung der Tanks für die Raumfähre jährlich 350 Mio. $ von Seiten der NASA zu, was einem Umsatzanteil von 2 bis 3 % entspricht. Der Gesamtumsatz für Lockheed Martin belief sich im vergangenen Jahr, über das der Konzern gerade erst berichtet hat, auf 26,6 Mrd. $.

Analysten gehen nicht davon aus, dass sich die Columbia-Tragödie dramatisch auf die Bilanzen beider Firmen niederschlagen wird. "Wenn Lockheed Martin das gesamte Raumfahrt-Geschäft verlieren würde, dann würde das den Gewinn mit bis zu 15 Cent pro Aktie belasten", sagt zwar David Gremmels, Branchenanalyst von Thomas Weisel. Doch sei davon nicht auszugehen, lediglich ein Teil des Umsatzes sei gefährdet, und auch das nur zeitweilig. Gremmels rechnet mit einem Abschlag von 5 bis 10 Cent pro Aktie im laufenden Vierteljahr.

Bei Boeing unterdessen rechnet Cai von Rumohr, Analyst bei SG Cowen, mit einem Abschlag von "höchstens 6 Cent pro Aktie", der Merrill Lynch-Kollege Byron Callan glaubt gar nicht, dass mit der Columbia auch der Profit abstürzt. Das ist auch tatsächlich unwahrscheinlich, denn die Arbeit für die Raumfahrtbehörde ist nicht eben die profitabelste. Experten reden davon, dass die NASA "die Kosten plus ein paar Dollar" zahlt und die Gewinnspanne geringer sei als in allen anderen Geschäftsbereichen.

Außerdem haben sowohl Boeing als auch Lockheed Martin einen weiteren staatlichen Kunden, dessen Etat vielversprechend zulegt - das Pentagon. Der Verteidigungshaushalt soll in diesem Jahr auf 380 Mrd. $ steigen, dagegen nimmt sich das 14,6 Mrd. schwere Budget der NASA eher bescheiden aus.

Mit dem mageren Etat hatte man im Hauptquartier in Washington außerdem ohnehin zu kämpfen - die Partnerunternehmen wissen das. Eine neue Raumfähre, das Nachfolgemodell für die Flotte um die Columbia, ist seit einigen Jahren geplant, und sie hätte ein großes Geschäft werden können. Allein, das Projekt hat die geplanten Kosten von 10 Mrd. $ bereits um das Vierfache übverschritten, und die NASA ist weit davon entfernt, dem Finanzabenteuer grünes Licht zu geben. Von dem geplanten Launch zur Mitte der Dekade spricht zwischen Houston und Cape Canaveral niemand mehr.

Ein Problem könnte das unterdessen für Alliant Techsystems sein. Das Unternehmen, das hinter den Antriebsraketen der NASA-Flotte steckt, macht immerhin 17 % seines Umsatzes mit der Raumfahrt. Damit trifft ein Komplettausfall weiterer Missionen das Unternehmen empfindlich. Erlebt hat man das bereits einmal: Nach der Explosion der Challenger im Jahre 1986 waren alle Space-Programme der USA für zwei Jahre ausgesetzt worden. Alliant Techsystems hatte auch damals die Raketen entwickelt.

Doch selbst für Alliant finden sich am Montag Unterstützer an der Analystenfront. "Sowohl Lockheed Martin als auch Alliant Tech sind bei Schwäche zu kaufen", kommentiert Sam Pearlstein von Wachovia Securities den Kurseinbruch zum Wochenstart. "Beide dürften keine nachhaltige Schwäche sehen." Bei Boeing unterdessen sei dies anders, allerdings unabhängig vom Columbia-Unglück. Boeing sei keine sichere Anlage, da das Geschäft mit der zivilen Luftfahrt nach wie vor stagniere.

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