Branchenbericht: Sportaktien an der Wall Street
Fußball-WM: US-Aktien spielen nicht mit

Wenig bewegt die USA so sehr wie der Sport, nichts lässt die USA so kalt wie Fußball. Die anstehende WM wird in Amerika so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen.

Die meisten Spiele werden zwar auf dem Sportsender ESPN übertragen, doch der kann von europäischen Einschaltquoten nur träumen. Zu Fußballfesten mit Großleinwand treffen sich höchstens ein paar eingefleischte Fans in den Großstädten - und zwar in deutschen Kneipen wie "Zum Schneider" in New York oder in dem irischen Pub am Sunset Strip.

Wo so wenig Interesse blüht, da regt sich auch die Wall Street nicht. Zwar treten einige der größten amerikanischen Unternehmen bei der Weltmeisterschaft in Japan und Korea auf - von den 15 offiziellen WM-Sponsoren stammen mit Budweiser, Gilette, MasterCard, Coca-Cola, McDonald?s, Yahoo und dem Kommunikationsanbieter Avaya ganze sieben aus den Staaten -, doch dürften deren Ansehen und Umsätze in der Heimat vom Einsatz am Rasen kaum profitieren.

Das einzige Unternehmen, das Amerikaner überhaupt mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Verbindung bringen, ist der Sportschuh-Riese Nike. Doch der gehört nicht einmal zum Kreis der offiziellen Unterstützer. Adidas hält die Nummer Eins im Soccer-Biz. Das Unternehmen aus Herzogenaurach, das längst in französischer Hand ist, stellt Trikots und Schuhe für zehn Nationalmannschaften her, Nike führt hingegen nur acht Teams aufs Feld. Und auch die Nike-Aktie zeigt sich vor der WM nicht in Höchstform: In den vergangenen 2 Wochen hat das Papier mit dem "Swoosh" 15% an Wert verloren.

Dabei laufen Sport-Aktien gar nicht schlecht an der Wall Street. Papiere vom Kegelbahn-Riesen Bowl America, der Showringer-Gruppe World Wrestling Federation oder dem Pistenbetreiber Speedway Motorsport haben in den vergangenen 12 Monaten um bis zu 80% zugelegt. Alles geht, außer Fußball.

Zu allem Verdruss der Unternehmen ziehen sich bei der Vermarktung der WM nun auch die letzten verbliebenen Fans zurück - die Südamerikaner, die einen Gutteil der Bevölkerung zwischen Nueva York y Los Angeles ausmachen. Sie waren (fast) die einzigen, die den Sport regelmäßig verfolgen, im Stadion und am TV. Doch auch ihr Markt bröckelt. Gerade hat Univision, die Holding hinter den wichtigsten spanischen Fernsehsendern, die Gewinnerwartungen für das Sommerquartal nach unten revidiert. Statt der 94 Millionen Dollar, die im vergangenen Jahr eingespielt wurden, werden es nur noch zwischen 81 und 87 Milionen Dollar sein. Der Grund: Teure WM-Übertragungsrechte und geringe Werbeeinahmen.

Ob sich das Interesse der Amerikaner am Fußball je ändern wird? Ob eine Weltmeisterschaft in Zukunft die Börse bewegt? Die Offiziellen der amerikanischen Liga MLS sind zuversichtlich. In zehn Jahren will man sportlich zur Weltklasse gehören, an den Schulen ist Soccer bereits Sportart Nummer Eins, zumindest für Mädchen unter 17 Jahren.

Doch an die Massentauglichkeit glaubt offensichtlich nicht einmal Nike. Unter den 10 Vorzeigestars im "Swoosh"-Dress ist gerade mal ein Fußballer - und das ist eine Fußballerin: Mia Hamm, adrette Torjägerin für Washington Freedom und Damenweltmeisterin 1991 und 1999 mit den USA. So machen?s die Frauen den Männern vor, allein, international ist der Markt für sie zu klein, als der er Aktien bewegen könnte.

© Wall Street Correspondents, Inc.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%