Branchenbericht US-Airlines
US-Fluggesellschaften startklar für den Steigflug

Die Terroranschläge vom 11. September trafen eine Branche, die bereits vorher in Turbulenzen geraten war. Seit Jahren leiden die Fluglinien weltweit unter einem Überangebot. Zum Wochenschluss meldete die defizitäre Fluglinie US Airways, als Folge der schwachen Nachfrage nach Geschäftsreisen vom Konkurs bedroht zu sein.

wsc NEW YORK. Ein Sonnenuntergang am Strand von Hawaii, die Gipfel der Rocky Mountains oder die Skyline New Yorks - für viele ist die USA nach wie vor ein Traumziel. Und bleibt es diesen Sommer oft auch: Die Überseeflüge sind ausgebucht, die Wartelisten lang. Preiswerte Tickets nach dem 11. September? Fehlanzeige! Und das nicht etwa, weil die Nachfrage in die Höhe geschossen wäre, vielmehr haben die Manager den Flugplan drastisch zusammengestrichen. Insgesamt haben die Großen der Branche in der laufenden Saison bereits 14 % der Überseeflüge gestrichen. Das scheint nicht genug: Continental Airlines plant, im dritten Quartal weitere 4 % abzubauen und im vierten Quartal sogar bei 8 % der Kapazitäten den Rotstift anzusetzen.

Die Terroranschläge vom 11. September trafen eine Branche, die bereits vorher in Turbulenzen geraten war. Seit Jahren leiden die Fluglinien weltweit unter einem Überangebot. Die Angst vor weiteren Anschlägen sowie die hohen Ausgaben für die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen ließen die Carrier noch tiefer in die Krise stürzen. Um Bruchlandungen zu verhindern, schnürte der US-Kongress über Nacht ein Hilfspaket in Höhe von rund 15 Mrd. $. Ein Drittel der Summe wurde direkt als Staatszuschuss kurz nach den Attacken den geschockten Fluggesellschaften gezahlt. Die restlichen 10 Mrd. $ werden als staatliche Kreditgarantien und Bürgschaften bereit gestellt, um den liquiditätsgeschwächten Flugunternehmen bei der Refinanzierung auf den privaten Finanzmärkten zu helfen. Doch die gutgemeinte Initiative der Regierung stößt bei den meisten Airlines auf wenig Zustimmung. So nahmen bisher nur die US Airways Group und die UAL Corp, die United Airlines Muttergesellschaft, die staatlichen Hilfsmaßnahmen in Anspruch.

Viele Fluggesellschaften meiden das Programm, da sie staatliche Einmischung befürchten. Eine der Auflagen ist, dass die Manager im laufenden und im kommenden Jahr keine Gehaltserhöhung bekommen und Abfindungen auf zwei Jahresgehälter beschränkt sind. Außerdem verlangt die Regierung als Gegenleistung für die Garantien Aktienoptionen. "Geld kommt nie ohne Verpflichtungen", sagt Philip Baggaley, Analyst von Standard & Poor´s, "Es wird sicherlich mehr Regierungseinfluss in der Branche geben."

So hoffen die Carrier, dass ihre verfügbaren Mittel sie durch den immer noch anhaltenden Sturm tragen werden. Nach Schätzungen der Experten muss der Sektor im zweiten Quartal 2002 einen Verlust von mehr als 1 Mrd. $ verkraften. Gary Chase von Lehman Brothers nennt die Ertragssituation in einer Research-Studie "abgründig, wenn auch angekündigt". Die Reihe der schlechten Nachrichten für die strapazierten Airlineanleger reißt nicht ab. Delta Airlines, die Nummer drei im Markt, meldet einen Rekordverlust für das abgelaufene Quartal. Branchenführer Amercian Airlines fliegt im gleichen Zeitraum einen Verlust von rund einer halben Milliarde Dollar ein. In einem Interview gab Gordon Bethune, Vorstandschef von Continental Airlines, dem scharfen Wettbewerb die Schuld an der schlechten Performance: "Wir können nur so gut sein wie der dümmste Depp in unserem Geschäft. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht profitabel sein sollten, außer dass unsere Konkurrenten sich weigern, vernünftig zu sein."

Als sei das alles noch nicht genug, melden sich nun auch noch die Analysten mit negativen Kommentaren zu Wort. Nach Ansicht der Experten von UBS Warburg sind die Umsatzprognosen des Marktes und der Unternehmen noch immer zu hoch. Um die Erwartungen erfüllen zu können, brauchen die Carrier in der zweiten Jahreshälfte eine Umsatzerholung von mindestens 10 %. Da zeigt sich Samuel Buttrick, Analyst bei UBS, eher skeptisch. Den geschätzten Verlust der gesamten Branche taxieren die Experten auf über 5,5 Mrd. $ für 2002. Einzig Billigflieger Southwest Airlines weist für die erste Jahreshälfte ein positives Geschäftsergebnis aus. Die Kritik der UBS-Beobachter: Die meisten Fluglinien seien immer noch zu sehr darauf fixiert, Kosten zu senken, statt ihr Umsatzmodell zu überdenken. "Geringere Kosten können kein kaputtes Geschäftsmodell reparieren", fasst Buttrick zusammen.

Dennoch macht das Investmentteam den Anlegern Mut. Seit dem Märzhoch notiert die Mehrzahl der Papiere rund 50 % schwächer und verzeichnet damit den größten nicht-rezessionsbedingten Rückgang seit mehr als 30 Jahren. Jetzt haben die Analysten Erstaunliches ans Licht gebracht. Kursverluste von mehr als 30 % außerhalb von konjunkturellen Talfahrten, wurden in der Vergangenheit jedes Mal durch beeindruckende Rallyes in den darauffolgenden 12 Monaten mehr als wettgemacht. Bleibt den Aktionären nur die Hoffnung, dass sich die Vergangenheit wiederholt und die Fliegerbranche wieder in den Steigflug bringt.

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