Branchenbericht US-Automobil-Unternehmen
„German Engineering“ gegen amerikanisches Preisdumping

Eine Motorgarantie über 7 Jahre beziehungsweise 70 000 Meilen - das können nur die Deutschen bieten. "German Engineering" ist in den USA legendär, bewundernd blicken CEOs und Kunden auf die Qualitätsarbeit aus Europa. - Ein Bericht über die amerikanische Automobil-Branche.

wsc NEW YORK. Ein bisschen furchterregend sieht er aus, der Hummer H2, der in dieser Woche vor der New Yorker Börse parkte. Das Geländemonster, das ursprünglich exklusiv der US Army zu Diensten war und erst seit einigen Jahren für den zivilen Straßenverkehr zugelassen ist, hat sich zum Kultauto der Reichen und Superreichen entwickelt - ein Verkaufshit dürfte der fast 50 000 $ teure Kraftprotz indes nicht werden. Auch nicht die etwas entschärfte Version, die General Motors nun vorstellte und zu eben diesem Zweck an der ehrwürdigen Wall Street parkte.

Dabei käme es den Autobauern aus Detroit nur gelegen, wenn einmal ein neues Modell Käufer in die Schauhäuser locken wurde - doch das passiert nicht. Kunden kaufen nur, wenn sie teure Extras kostenlos oder mindestens drastische Preisnachlässe bekommen und über Monate keine Raten abzahlen müssen. Untersuchungen zeigen, dass der heutige Kunde ein Autohaus schon mit der Erwartung betritt, einen Nachlass von mindestens 3700 $ zu bekommen.

Vor allem die beiden Branchenriesen General Motors und Ford gehen darauf ein. So haben sie gleich nach den September-Anschlägen Kunden gezogen, als deren Vertrauen in die Konjunktur zerstört und der Arbeitsmarkt am Boden war. Kunden kamen tatsächlich in Scharen, und für manchen Verkäufer schien es, als würden Weihnachten, Geburtstag und Lottogewinn auf einen Tag fallen. "36 Monate keine Zinsen, das ist Wahnsinn. Wie verkaufen wie verrückt", meinte damals völlig euphorisch Brian Burke, Verkaufsleiter einer Ford-Dependance im Autostaat Michigan.

Doch das was kurzfristig gedacht und fast ein wenig naiv. Denn irgendwann waren den Unternehmen die margenerschütternden Angebote ganz einfach zu teuer - sie zogen die Rabatte zurück. Die Folge: Im Juni brachen die Umsätze erstmals wieder ein, gegenüber dem Vorjahresmonat stand den Herstellern ein Minus von 1,5 % zu Buche. Es brauchte keinen Hellseher, die weitere Politik von General Motors vorauszusehen: Das Unternehmen führte die Sonderangebote umgehend wieder ein, Ford folgte auf den Fuß und selbst DaimlerChrysler musste sich schließlich etwas einfallen lassen.

Dass der deutsch-amerikanische Konzern, der sich aus Imagegründen lange von jeglichem finanziellen Entgegenkommen distanziert hatte, den US-Kollegen aber den Rang ablaufen würde, das hatte man nicht erwartet. Doch Analysten stellen genau das fest, nachdem DaimlerChrysler neben kleinen Rabatten bis zu 1500 $ pro Wagen ein fast schon vergessenes Angebot wieder belebt hat: Die "7/70-Garantie", die der legendäre Unternehmenslenker Lee Iacocca in den frühen Achtzigerjahren erfunden hatte, als er den darnieder liegenden Hersteller zu neuer Blüte führte.

Eine Motorgarantie über 7 Jahre beziehungsweise 70 000 Meilen - das können nur die Deutschen bieten. "German Engineering" ist in den USA legendär, bewundernd blicken CEOs und Kunden auf die Qualitätsarbeit aus Europa. Und Analysten schätzen einen Kaufanreiz durch ein solches Qualitäts-Merkmal nun deutlich höher ein als alle Preisnachlässe, denn ein Blick in die Kundenkartei zeigt: Dem Autokäufer fehlt es gar nicht an Geld.

Denn es ist nicht die Mittelklasse, die in die Autohäuser zieht. Die hält den Geldbeutel weiter fest, obwohl man genau aus dieser Schicht Käufer gewinnen wollte. Doch das durchschnittliche Einkommen der Amerikaner, die im Juni ein Auto gekauft haben, beläuft sich auf 70 000 $, mehr denn je. Die Oberschicht kauft, und: "Diese Kunden brauchen keine Sonderangebote", meint Art Spinalla von der Marktforschungsagentur CNW in Oregon. "Sie haben genug Geld und werden eher auf Qualität achten als auf die Finanzierung." Das ist das Plus für Daimler-Chrysler.

An der Wall Street manifestieren sich diese Beobachtungen umgehend: Die Aktie von DaimlerChrysler zeigt eine deutlich bessere Performance als die Papiere der US-Konkurrenz. Auf Sechs-Monats-Sicht notiert der deutsch-amerikanische Konzern sogar als einziger mit einem Plus, bei General Motors und Ford ging der Börsenwert zurück.

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