Branchenbericht: US-Automobilsektor
Diesel: Kraftstoff mit Zukunft?

Diesel? Efraim Levy, Autoexperte der Ratingagentur Standard & Poor´s, hebt fragend die Augenbrauen. Ob der Kraftstoff in den USA eine Zukunft hat? Er bezweifelt das stark. Keine Infrastruktur, keine große Lobby, kein politischer Wille, so seine erste Reaktion. Selbst der Tankwart an der Ausfallstrasse in Brooklyn reagiert eher befremdet auf die Frage, was denn die Galone Diesel so kostet. Er selbst führt sie ohnehin nicht.

NEW YORK. Daimler-Chrysler hat sich nun vorgenommen, die Vorteile des Kraftstoffes in den USA bekannt zu machen. Chrysler Chef Dieter Zetsche gab auf dem ersten Innovations-Symposium des Konzerns in New York bekannt, dass in zwei Jahren der Jeep Liberty als Diesel auf den Markt kommen soll.

Die US-Absatzzahlen der "Big Three", der drei größten Automobilhersteller der Welt, sind im November unter Druck geraten. Die Absatzzahlen auf dem US-Automarkt könnten weiter stagnieren. Für 2003 rechnet Efraim Levy mit leicht rückläufigen Zahlen. Das wäre bereits das zweite Jahr in Folge. In diesem Umfeld müssen die Hersteller ihre Neukunden bei der Konkurrenz suchen. Und da wird letztendlich jedes Register gezogen - und sei es der Diesel.

Noch liegt nach Marktanteilen General Motors mit 28,5% an der Spitze. Gefolgt von Ford mit 21,5 und Daimler-Chrysler mit 14,4 %. Doch die Anteile wackeln. Vor allem die Konkurrenz aus Japan und Korea kann Punkte in den USA gut machen. Der weltgrößte Automobilkonzern General Motors hat im November in den USA 18 % weniger Fahrzeuge verkauft als im Vergleichsmonat 2001. Seinen beiden größten Konkurrenten Ford und Daimler-Chrysler erging es auch nicht viel besser. Bei Ford brachen die Absatzzahlen sogar um 20 % ein. Daimler-Chrysler erzielte mit einem Minus von 12 % noch das beste Ergebnis. Wenn man bedenkt, dass der Vergleichsmonat November 2001 allerdings ein durch die Incentives-Programme auf Rekordhöhe geputschtes Absatzniveau wiederspiegelte, relativieren sich die Einbrüche schon wieder etwas.

Im Grunde genommen gibt es derzeit keinen Markt für Diesel-PKW?s in den USA. Nicht mal ein Prozent der PKW in Amerika tankt Diesel. Zum Vergleich: In Europa fährt jedes zweite neuzugelassene Auto mit Diesel. Auch die Asiaten können hier nicht mithalten. Beim Diesel sind die Europäer klar überlegen. Sicher mit ein Grund, weshalb DaimlerChrysler im Rahmen seiner "Spaß mit Diesel Kampagne" den Kraftstoff in den USA salonfähig machen will.

Chrysler Chef Dieter Zetsche teilte nun auf dem ersten Innovations-Symposium des Konzerns in New York mit, dass der Konzern eine Reihe von Dieselfahrzeugen auf dem US-Markt einführen will. Unter anderem soll der neue Jeep Liberty als Diesel auf den Markt kommen - alles andere als antriebslahm, so Zetsche. Das alte Vorurteil, Diesel-Fahrzeuge seinen weniger leistungsstark und der Fahrspaß bleibe bei ihnen auf der Strecke, stimme schon lange nicht mehr. Das könne man auch daran erkennen, dass DaimlerChrysler angekündigt hat, den ersten AMG mit einem Dieselmotor auszustatten. AMG, die Tuningfirma, die Hochleistungsfahrzeuge für Mercedes Benz herstellt, sei schließlich der Inbegriff der Performance, so Zetsche.

Experten bezweifeln schon lange nicht mehr, dass Dieselmotoren den herkömmlichen Benzinmotoren in irgendeiner Form nachstehen. Doch um Kunden zu gewinnen, spielen in den USA in erster Linie harte Dollar die entscheidende Rolle. Das sei in Europa übrigens auch nicht anders, sagt Dieter Zetsche. Auch wenn am Biertisch immer gerne von der Umweltverträglichkeit des Diesel geredet werde. In Deutschland liegt die Mineralölbesteuerung für PKW-Diesel aktuell bei 15 Cent pro Liter unter der für Benzin. In den Vereinigten Staaten gibt es derzeit keine Steueranreize für Diesel. Und Diesel kostet in den USA etwa so viel wie Normalbenzin.

Nun hat sich erstmals ein Kongressmitglied für Diesel- Steueranreize stark gemacht. John Dingell gehört als Demokrat allerdings der Minderheit im Kongress an. Er befürwortet Steueranreize aus zwei Gründen. Zum einen könnte damit der Energieverbrauch insgesamt gesenkt werden, was gleichzeitig die Abhängigkeit von Ölimporten verringern würde, der zweite Faktor sei Umweltschutz. Um die Emissionen insgesamt, spezifisch den CO2 Ausstoß, zu reduzieren, sei Diesel das probate Mittel. Mit seinen Vorschlägen trifft Dingell allerdings auf taube Ohren. Die republikanische Regierung unter Präsident George W. Bush, der immer wieder eine gewisse Nähe zur Ölindustrie unterstellt wird, sieht hier keinen Handlungsbedarf. Bei der Ölindustrie ständen mit einer Gesetzesänderung Milliardeninvestitionen in neue Raffinerien an.

Ein weiteres Problem bei dem Vorstoß Daimler-Chryslers, Diesel-Fahrzeuge auf dem US-Markt populär zu machen, ist die Verfügbarkeit des Kraftstoffes an amerikanischen Tankstellen. Nicht jede Tankstelle in den USA führt den Kraftstoff überhaupt. Insofern müsste das Distributionssystem komplett umgestellt werden.

Levy, Autoexperte der Ratingagentur Standard & Poor´s sieht hierin ein großes Problem was mit enormen Kosten verbunden wäre. Es sei wie mit der Henne und dem Ei: Ohne Nachfrage kein Angebot, und so lange Diesel nicht an jeder Tankstelle zu pumpen sei, hätten die Amerikaner kaum Interesse, so Levy. Auf der anderen Seite wird der gesamte LKW-Verkehr in den USA mit Dieselfahrzeugen abgewickelt. Insofern führen zumindest die Tankstellen an den Highways den Treibstoff.

Bis der Diesel in den USA an Fahrt gewinnt, dauert es wohl noch eine Weile. Auf dem Chrysler-Innovationssymposium in New York konnte allerdings kein Redner spontan die Frage beantworten, wie viel eine Gallone Diesel eigentlich kostet.

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