Branchenentwicklung hängt eng an der Autokonjunktur
Autozulieferer profitieren von Nischen

Zulieferer der Autobranche leiden zwar auch unter der flauen Konjunktur. Ihre Aktien entwickelten sich aber im vergangenen Jahr besser als der Branchenindex für Automobilwerte.

FRANKFURT/M. Autoverkäufer haben es zurzeit schwer. Wer kauft schon in einer lahmen Konjunkturphase ein Auto? Das trifft nicht nur die Autobauer, sondern auch deren Zulieferer. Dennoch: Während Branchenindex CDax innerhalb eines Jahres um 4 % nach unten rutschte, haben sich die Aktien der Automobilzulieferer im gleichen Zeitraum nicht allzu schlecht entwickelt. Leoni, Continental, Edscha, alle Aktien haben binnen eines Jahr deutlich zugelegt. Das Edscha-Papier - im Smax gelistet - schaffte sogar einen Kurssprung von rund 50 Prozent auf rund 24 Euro. Allein Beru enttäuschte die Anleger.

Laut Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe kann man die Firmen dieser Branche nicht über einen Kamm scheren. "Man muss genau differenzieren, was der einzelne Autozulieferer herstellt, für welche Automarken und welche Modelle", sagt er. Zwar liefern alle den großen Autoherstellern Teile zu, die Bandbreite der Produkte ist aber riesengroß und reicht von Kabeln (Leoni) über Cabriodächer (Edscha) und Dämmsysteme (Phoenix) bis hin zu Reifen (Continental) und Reifendruckkontrollsystemen (Beru).

Beru beispielsweise, einst Liebling der Analysten, stößt neuerdings nicht mehr auf deren ungeteilte Zustimmung. Denn lange Zeit hatte sich das Unternehmen gute Geschäfte in den USA erhofft. Denn in den USA sind ab 2003 Reifendruckkontrollsystemen in Autos Pflicht. Der Wehrmutstropfen laut Sal. Oppenheim-Analyst Patrick Juchemich, der die Aktie schon länger auf neutral heruntergestuft hat: "In den USA werden neben den aufwendigen direktmessenden Systemen, auf die sich Beru ausschließlich konzentriert, auch kostengünstigere, indirekt messende Systeme zugelassen werden." Auch Tobias Fahrenholz, Analyst bei der Berenberg Bank meint: "Durch diese Entscheidung ist die Luft aus der Aktie vorerst etwas raus." Dennoch habe die Firma immer noch einige Pluspunkte zu bieten. "Beru versteht es, sich zum einen in margenreichen Nischen zu positionieren und sich zum anderen auf das feste Standbein Dieselkaltstarttechnologie zu stützen", sagt Fahrenholz. Zudem loben Analysten immer wieder die hohe Profitabilität der Firma mit einer Ebit-Marge von über 15 Prozent.

Analyst Roland Könen vom Bankhaus Lampe hat momentan einen anderen Favoriten aus der Branche. Er empfiehlt die Leoni-Aktie mit einem Kursziel von 40 Euro. Das Unternehmen, das erst Ende Juli in den MDax aufgestiegen ist, produziert Kabel und Bordnetzsysteme. "Für Leoni spricht, dass das Unternehmen sich Aufträge im Bereich Bordnetzsysteme bis ins Jahr 2005 gesichert hat", sagt er. Unter anderem sollen die neue Mercedes A-Klasse, der neue 1er- und der 3er-BMW damit ausgerüstet werden. "Das einzige Risiko ist, dass die Fahrzeugmodelle nicht gut laufen. Aber das befürchte ich kaum", sagt Könen. Zudem produziere Leoni kostengünstig in Niedriglohnländern.

Recht positiv gestimmt sind die Analysten auch bei dem Reifenhersteller Continental. "Hier gefallen mir die Fortschritte, die Continental in der Reduzierung der Nettoverschuldung erzielt hat", sagt Analyst Juchemich. Seine Kollegen von Helaba Trust sind der Meinung, dass die Restrukturierungen und das anziehende Geschäft mit den Nutzfahrzeugen die derzeitigen Schwierigkeiten kompensieren werden.

Bei Edscha empfiehlt Analyst Fahrenholz, erst einmal abzuwarten. Zwar sei das Geschäft mit Scharniersystemen solide und der Bereich Fahrzeugentwicklung wachse. Aber nur ein geringer Teil Aktien ist frei handelbar (Free Float). Um die Liquidität zu erhöhen, wolle Edscha zwar Aktienpakete platzieren, ungewiss sei allerdings wie die Aktionärsstruktur aussehen werde. "Die Bewertungsmodelle könnten aber einen leicht höheren Kurs rechtfertigen", sagt er.

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