Branchenexperten erwarten harten Sanierungskurs
Liquiditätskrise bei Vivendi eingestanden

Der neue Chef von Vivendi Universal, Jean-René Fourtou, muss unter Zeitdruck die Kassen des hochverschuldeten zweitgrößten Medienkonzerns der Welt auffüllen. Kurz nach seiner Ernennung auf einer Sondersitzung des Verwaltungsrats in Paris gab der 63-Jährige die bedrohliche Lage des Medienimperiums zu.

dpa PARIS. Bis zum September wolle er einen grundlegenden finanziellen Restrukturierungsplan vorlegen, sagte Fourtou am Donnerstag vor Vivendi-Beschäftigten. Branchenexperten erwarten einen harten Sanierungskurs.

"Man muss erkennen, dass die Kassenlage angespannt ist", erklärte Fourtou. Er sei aber überzeugt, die "kurzfristige Liquiditätskrise" mit Unterstützung der Banken zu bewältigen. Fourtou, Vizeaufsichtsratschef des deutsch-französischen Aventis-Konzerns, war am Mittwochabend zum Nachfolger von Jean-Marie Messier berufen worden, der nach einer schweren Führungskrise vom Vorstandsvorsitz zurückgetreten war. Die französische Gewerkschaft FO kündigte an, Messier vor Gericht zu bringen, weil er die Vivendi-Beschäftigten und die Belegschaftsaktionäre reingelegt habe.

Die Börse honorierte am Donnerstag den Wechsel an der Konzernspitze mit deutlichen Kursaufschlägen. Die zuletzt schwer gebeutelte Aktie legte zum Börsenschluss in Paris um 5,54 Prozent auf 14,67 Euro zu. Im frühen Handel war die Erholung des Vivendi-Titels jedoch weitaus deutlicher mit einem Aufschlag von mehr als 17 Prozent auf 16,37 Euro gewesen. Noch Mitte Juni war die Aktie bei 30 Euro gehandelt worden. Seit Jahresanfang verlor sie mehr als drei Viertel ihres Werts. Händler begrüßten den Wechsel an der Vorstandsspitze. Fourtou habe das Vertrauen der Banken und der französischen Regierung. Erwartet wurden jedoch weitere Kursschwankungen, "bis die finanzielle Lage geklärt ist", hieß es.

"Wir arbeiten daran, das Vertrauen in das Unternehmen wieder herzustellen"", sagte Fourtou. Vivendi muss seinen Angaben zufolge bis Ende Juli Zahlungen über 1,8 Milliarden Euro begleichen. Lediglich 1,2 Milliarden Euro stünden in bar zur Verfügung, aber es gebe noch 1,6 Milliarden Euro nicht genutzter Kreditlinien. Über Liquiditätsprobleme wurde seit der vergangenen Woche spekuliert, als 12,5 Prozent der Aktien des Wasserversorgungskonzerns Vivendi Environnement bei der Deutschen Bank gegen eine Barzahlung von 1,4 Milliarden Euro hinterlegt wurden.

Fourtou erhält in der neuen Konzernführung Unterstützung durch Claude Bébéar, Aufsichtsratschef des französischen Versicherungskonzerns Axa, der ein neu eingerichtetes Finanzkomitee bei Vivendi führen soll. Der Chef des französischen Konzerns Schneider Electric, Henri Lachmann, wird die Führung eines neuen Strategieausschusses übernehmen.

Messier hatte nach harten Auseinandersetzungen über seine Firmenkauf-Politik das Vertrauen der Großaktionäre aus den USA und zuletzt auch die Unterstützung der französischen Hauptaktionäre. In den vergangenen Jahren hatte der Franzose durch Firmenaufkäufe zu Börsenhöchstkursen aus dem Wasserversorgungskonzern Générale des Eaux einen Medien- und Telekommunikationsgiganten geschaffen, der von den Universal-Filmstudios in Hollywood über die Musiksparte, TV-Senderketten bis zum Mobilfunkanbieter reicht. Durch den Wertverfall der gekauften Unternehmen wurden hohe Sonderabschreibungen notwendig, die im vergangenen Jahr zu einem Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro führten.

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