Branchenhintergrund
Direktbanken am Scheideweg: Eigentümer werden ungeduldig

Die Direktbanken in Deutschland stehen vor dem Umbruch. Einen Tag nach dem Konkurrenten ConSors legte am Donnerstag auch die DAB Bank tiefrote Zahlen vor. Nicht viel anderes sieht es bei Comdirect und Advance Bank aus.

dpa-afx MÜNCHEN. Angesichts der Verluste werden die Mehrheitseigentümer ungeduldig. Die SchmidtBank putzt ConSors für einen Verkauf heraus. Die HypoVereinsbank erwägt zumindest eine Reintegration der DAB Bank in den Konzern. So macht sich bei den Direktbanken spürbare Nervosität breit.

Auch wenn Matthias Kröner von der DAB Bank angesichts des Sparkurses und der wieder anziehenden Börsen überzeugt ist: "Wir sind schon am Ende des Tunnels", ist die Branche skeptisch. So wie jetzt könne es jedenfalls nicht weitergehen, heißt es bei einer Großbank. "Jeder ist derzeit bestrebt, daraus eine rentable Veranstaltung zu machen." ConSors erzielte in den ersten neun Monaten einen Jahresfehlbetrag von knapp 61 Mill. ?, bei der DAB Bank waren es 74,5 Mill. ?.

Im Börsenboom zählte rasches Kundenwachstum

Im Börsenboom setzten die Direktbanken vor allem auf rasches Kundenwachstum. Jetzt, da die Aktienorders der Kunden ausbleiben, sitzen die Banken nach Einschätzung von Beobachtern in einer Kosten- und Strategiefalle. Online-Banking bietet inzwischen fast jede Bank an. Gleichzeitig müssen die Direkt-Banken die Kosten drastisch reduzieren. Sie setzen auf Stellenabbau und neue Preismodelle, die in der Praxis oft Preiserhöhungen bedeuten. Doch auch wenn die Banken für das nächste Jahr die Gewinnzone anpeilen, dürfte das nach Einschätzung von Branchenkennern in vielen Fällen nicht ausreichen.

Somit bleiben drei Möglichkeiten. Die Direktbanken können zum einen in die Mutterhäuser integriert werden. "Wir prüfen alle Optionen", sagte HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt in "Capital". Eigentlich habe die DAB nie Geld verdient. Es stelle sich die Frage, ob das Geschäft der Online-Banken nicht Teil einer Bank sein solle. "Dann kann der Kunde nicht nur das Online-Geschäft abwickeln, sondern auch mal in die Filiale gehen." Deshalb spielten Direktbanken mit dem Gedanken, eigene Filialen aufzubauen.

Laut Aufsichtsratskreisen wird bei der HypoVereinsbank seit Monaten eine Reintegration durchgespielt. DAB Bank-Chef Matthias Kröner bescheinigt aber denen, die von einer kompletten Reintegration sprechen, indirekt einen "pathologischen Zwang zur Veränderung".

Gerüchte über mögliche Käufer von  

Ein weiterer Ausweg wäre für die Mehrheitseigentümer der Verkauf. Die SchmidtBank steckt derzeit laut Medienberichten selbst in Schwierigkeiten. So wurde gemeldet, die Bank sei wegen eines Wertberichtigungsbedarfs von 400 Mill. ? in eine Schieflage geraten. Auch wenn der geschäftsführende Gesellschafter Karl Gerhard Schmidt finanzielle Nöte dementierte, steht ConSors mittlerweile unter bestimmten Bedingungen ganz offen zum Verkauf.

Als mögliche Käufer wurden in der bankennahen "Börsen-Zeitung" die HypoVereinsbank, die Deutsche Bank und Allianz/Dresdner genannt. Denn ein Zukauf ist die dritte Möglichkeit, die eigene Direktbank besser zu positionieren. Bei Direktbanken spielen Skaleneffekte eine besonders große Rolle. Somit läuft derzeit alles auf eine weitere Konsolidierung der Branche hinaus. Allerdings sind willige Käufer kaum in Sicht.

Die Großbanken hätten selbst mit hohen Kosten zu kämpfen und wären daher kaum in der Lage, einen Direkt-Broker zu übernehmen, der für 2001 einen Rekordverlust erwarte, kommentierte die "Börsen-Zeitung" die ConSors-Gerüchte. Daher bleibe den Nürnbergern wohl nur, sich selbst aus dem Verlustsumpf zu ziehen.

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