Branchenkenner erwarten weitere Akquisitionen
Sun startet Softwareoffensive N1

Der Druck auf die Margen bei Hardware lässt Sun Microsystems handeln. Der Computerhersteller aus Kalifornien setzt künftig verstärkt auf Software und Dienstleistungen. Hinter der Offensive mit dem Kürzel N1 verbirgt sich eine Software, die automatisch komplexe Computernetzwerke verwaltet.

SAN FRANCISCO. Es klingt wie der Traum eines jeden Firmenkunden: Computerhersteller Sun Microsystems Inc. will Software herstellen, die Computernetzwerke managt, ohne dass ein Administrator eine Taste drücken muss. Die Software soll Netzwerkrechner, Speicherserver und Switches automatisch verwalten. Das würde die IT-Budgets zauberhaft schrumpfen lassen. Entfallen doch rund 70 % der IT-Kosten auf Verwaltung und Service und nur rund 25 % auf Anschaffungen.

Suns Vision läuft unter dem Kürzel N1. "N1 ist eine große Sache", bekräftigte Steve MacKay, Vice President für N1-Produkte. So groß, dass Sun das Budget für Forschung und Entwicklung für die kommenden 5 Jahre auf 10 Mrd. $ aufstocken will. Branchenkenner erwarten, dass Sun noch weitere Akquisitionen plant, nachdem das Unternehmen jüngst die Softwarehersteller Terraspring und Pirus gekauft hat. Schließlich hatte Sun am Ende des dritten Quartals 5,2 Mrd. $ in Cash und kurzfristigen Investitionen.

Selbstvertrauen und Geld braucht das Unternehmen auch, schließlich ist N1 ein wichtiger Baustein der neuen Strategie, bei der Sun stärker auf Software und Dienstleistungen setzt. Diese Geschäftsfelder bieten mit bis zu 80 % deutlich höhere Gewinnspannen als die Netzwerkrechner, mit denen Sun bislang den Großteil seines Umsatzes erzielte. Sun ist zwar seit langem mit der Internet- Programmiersprache Java und dem Betriebssystem Solaris erfolgreich, doch Software trägt bislang lediglich 5 % zum Konzernumsatz und 9 % zum Gewinn bei. Mit N1 soll sich das ändern: Bis Mitte 2003 soll die erste Phase abgeschlossen sein. Das Investmenthaus Merrill Lynch sagt voraus, dass Sun den Umsatzanteil der Software binnen zwei Jahren auf 9 % steigern könnte.

Einfach wird das nicht. Schließlich werkelt die Konkurrenz an ähnlichen Konzepten. Ende Oktober verkündete IBM-Chef Sam Palmisano, dass sich IBM ganz auf IT "on demand" - IT nach Bedarf - konzentrieren und 10 Mrd. $ investieren werde. HP hat mit dem Utility Data Center Ähnliches in der Mache, und Microsoft will ebenfalls auf diesem Gebiet tätig werden.

Suns Wende von der Hardware zur Software entstand eher aus der Not denn aus Lust am Abenteuer. Denn Sun, das seine Investoren während des Dotcom-Booms noch mit jährlichen Wachstumsraten von bis zu 60 % belohnte, steht unter Druck. Am unteren Ende attackiert Dell mit günstigen Intel-Servern, auf denen die Software von Microsoft läuft. Im hochpreisigen Segment machen IBM und Hewlett Packard - dem Unternehmen aus Kalifornien das Leben schwer. Vor allem das kostenlose Betriebssystem Linux, dass IBM auf seinen Servern anbietet, gewinnt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten an Popularität. Konsequenz: Sinkende Umsätze und fünf verlustreiche Quartale in Folge, erst im zweiten Quartal 2003 wird Sun die Gewinnschwelle voraussichtlich wieder überschreiten.

Neben den langfristigen Lösungen wie N1 und Sun One braucht Sun auch schneller wirkende Umsatzbringer. Einer davon sind die Linux-Server, die Sun trotz anfänglicher Widerstände gegen das kostenlose Betriebssystem anbietet. Berichten des US-Magazins Business Week zufolge hat Sun hier aggressive Ziele: Innerhalb von 2 Jahren will sich das Unternehmen 30 % des 6,5 Mrd. $ schweren Marktes sichern. Bisher ist Suns Präsenz bei den Linux-Servern nur minimal.

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