Branchenkenner vermuten Strategie dahinter
Saban kommt immer stärker unter Druck

Haim Saban bläst ein scharfer Wind ins Gesicht. Die geplante Übernahme der Senderkette Pro Sieben Sat 1 Media AG zieht sich in die Länge, auch der Kauf von Kirchs Filmbibliothek stockt. In Medienkreisen heißt es bereits, dem US-Milliardär fehle das Geld, um den Deal wie vorgesehen abzuwickeln. Es sei nicht auszuschließen, dass die Vereinbarung noch platzen könne.

jojo/cn MÜNCHEN/PARIS. "Alles Quatsch", verlautet dagegen aus dem Saban-Umfeld. Ziel sei nach wie vor, den Pro-Sieben-Deal wie geplant bis Mitte Juni über die Bühne zu bringen. Vergangene Woche habe man in New York mit "weniger als fünf" Finanzinvestoren über eine Beteiligung an der insgesamt etwa zwei Mrd. Euro teuren Übernahme verhandelt. Einen Abschluss gebe es aber noch nicht. In den nächsten Tagen sei auch nicht mit einem Durchbruch zu rechnen.

Die Gespräche mit den Gläubigerbanken des Verkäufers, der insolventen Kirch Media, seien ebenfalls auf gutem Weg. Dass ein für vergangenen Freitag geplantes Treffen abgesagt wurde, sei kein schlechtes Zeichen. Es gebe keine Verstimmung zwischen den Banken und Saban. Zeitweilig waren sich Kreditinstitute und Saban-Vertreter heftig in die Haare geraten.

Branchenbeobachter sind dennoch skeptisch, ob der Deal wie geplant zustande kommt. Tatsache ist: Saban hat die Verträge bereits Mitte März unterschrieben. Seither sucht er Partner, die sich beteiligen könnten. Bislang ohne Erfolg. So sagte Patrick Le Lay, Chef des französischen Fernsehsenders TF 1, der Wirtschaftszeitung "La Tribune" (Montagsausgabe): "Wir müssen unsere Gespräche mit Saban fortsetzen. Erst Ende Juni werde ich eine definitive Antwort geben können." TF 1 will sich mit maximal 100 bis 150 Mill. Euro an Pro Sieben Sat 1 beteiligen, um seine Abhängigkeit vom französischen Markt zu reduzieren.

Branchenkenner vermuten, Saban habe gar kein Interesse mehr an einem Abschluss zu den ausgehandelten Konditionen. Vielmehr versuche er durch eine Hinhaltetaktik den Preis zu drücken. Dahinter steckt die Drohung, dass die Gläubigerbanken bei einem Scheitern Kirch Media wahrscheinlich selbst fortführen müssten.

Pro Sieben Sat 1 selbst gibt sich dagegen zuversichtlich, dass der neue Eigentümer zur Hauptversammlung am 16. Juni feststeht. Eine Sprecherin des im M-Dax notierten Unternehmens bekräftigte, dass spätestens auf der Aktionärsversammlung Details zur Zukunft des Senderverbunds vorgestellt werden sollen.

Dennoch plant auch der Konzern für den Fall, dass Saban noch im letzten Moment einen Rückzieher macht. So hat Pro-Sieben-Chef Urs Rohner jüngst betont, dass die TV-Kette in den nächsten Monaten in jedem Fall eine Kapitalerhöhung platzieren wolle. Sollte Saban nicht zum Zug kommen, würde Kirch Media die Maßnahme mit tragen.

Saban soll für rund eine halbe Milliarde Euro die Mehrheit der Stimmrechte an der Pro Sieben Sat 1 übernehmen. Dazu kommen mehrere Hundert Millionen Euro für die Kapitalerhöhung. Zudem ist noch nicht entschieden, ob der Amerikaner den außenstehenden Aktionären ein Übernahmeangebot machen muss. Für Kirchs Filmbibliothek muss er eine weitere Milliarde Euro auf den Tisch legen.

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