Branchenkonjunktur in Italien
Augenoptiker trotzen der Konsumflaute

Während die italienischen Augenoptik-Branche im vergangenen Jahr kräftige Zuwächse verzeichnete, mussten die deutschen Anbieter erhebliche Rückgänge hinnehmen. Dennoch geben sich Industrie und Handel aus beiden Ländern im Vorfeld der Mailänder Branchenmesse Mido optimistisch .

 

lü/mab MAILAND. Die italienische Brillenindustrie zeigt sich im Vorfeld der am Freitag in Mailand beginnenden Leitmesse Mido optimistisch. Der Präsident des Branchenverbandes Anfao, Vittorio Tabacchi, erwartet angesichts der weltweiten Konjunkturerholung ein gutes Jahr. Die Steigerung der Ausstellerzahl um 3% auf 1300 bewertet der Verband als ermutigendes Zeichen.

Bereits 2001 hatten die italienischen Hersteller, die im oberen Preissegment einen uneingeschränkte Weltmarktführer mit einer Quote von 70% sind, ein deutliches Wachstum verzeichnet. Der Umsatz ist um 8,4% auf 2,6 Mrd. Euro gestiegen, der Export hat um 9% zugelegt und erreichte 1,8 Mrd. Euro. Die Gewinne sind durch sinkende Preise unter Druck geraten. Besonders gut hat sich der Markt für Sonnenbrillen entwickelt; Brillengestelle haben hingegen mit einem knapp 10 %igen Umsatzminus schwach abgeschnitten. Tabacchi, der auch Chef des zweitgrößten italienischen Brillenherstellers, Safilo, ist, weist aber auf den gespaltenen Markt hin: "Während die Großen der Branche eine exzellente Performance hingelegt haben, kämpfen die kleineren Unternehmen mit strukturellen Problemen."

Ihnen fehlen vor allem ein leistungsfähiges Vertriebsnetz und eigene Marken. Außerdem haben sie keine Chance, Lizenzen zu ergattern. Gerade im hochprofitablen Markt der Sonnenbrillen werden die Designermarken (von Armani bis Gucci) unter den drei führenden Herstellern aufgeteilt: Luxottica, Safilo und De Rigo. Die Konzentration des Sektors wird folglich weiter gehen, so Tabacchi. Aktuell gibt es in der Branche in Italien noch 230 kleine und mittlere Firmen sowie 1170 kleinste Zulieferer. Fast alle sind am Fuße der Dolomiten in der Provinz Belluno angesiedelt, wo sie eng vernetzt, äußerst arbeitsteilig und extrem spezialisiert meist Halbfertigprodukte in großen Mengen für die Endmontage produzieren.

Während auf dem italienischen Markt für Augenoptik im vergangenen Jahr kräftige Wachstumsraten angesagt waren, ist in Deutschland der erhoffte Aufschwung ausgeblieben. So mußte die deutsche Augenoptische Industrie laut ihrem Branchenverband Feinmechanik und Optik F+O 1991 ein Absatz-Minus von 4 % hinnehmen. Durch den Trend zu höherwertigen Produkten stagnierte der Umsatz bei rund 1, 2 Mrd. Euro.

Diesen Trend bekamen auch die augenoptischen Handwerksbetriebe zu spüren. So stieg nach den Erhebungen des Zentralverbandes der Augenoptiker (ZVA) im vergangenen Jahr der Brutto-Umsatz nur um 0,6 % auf rund 4 Mrd. Euro. Die Zahl der verkauften Brillen ging nach Angaben von ZVA-Präsident Thomas Nosch um 2,6 % auf 11 Millionen Stück zurück. Im Bereich der Industrie drückte ein zurückgehendes Exportgeschäft zusätzlich die Erlöse. Für die Hersteller augenoptischer Produkte sei auch das erste Quartal des laufenden Jahres "ausgesprochen miserabel" gewesen, sagte Randolf Rodenstock, Vorsitzender der Fachgruppe Augenoptik im F+-Verband, dem Handelsblatt.

Nach Ansicht von Nosch haben die ausgeprägte Konjunkturflaute und der damit verbundene gebremste Konsum in Deutschland die Hauptverantwortung für das unbefriedigende Ergebnis der Branche getragen. Für das Gesamtjahr erhofft er sich dennoch ein Umsatzplus von rund 2 %. Auch Industrie-Sprecher Rodenstock, der "hauptberuflich" Chef und allein haftenden Gesellschafter der Optischen Werke G. Rodenstock ist, rechnet insgesamt noch mit einer Geschäftsbelebung. Die Anbieter setzten dabei auf die Attraktivität der Produkte. Modische Brillen sollen der allgemeiner Konsummüdigkeit zum Trotz wieder mehr Käufer in die Geschäfte locken. Mit einem Umsatz von rund 500 Mill. Euro sowie einem Marktanteil von 10 % bei Fassungen und über 30 % bei Gläsern gehört Rodenstock zu den führenden Anbietern auf dem deutschen Markt und in Europa.

Quelle: Handelsblatt

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