Branchenpool für angeschlagene Gesellschaft hat laut PKV-Verband „nur präventiven Charakter“
Aufsicht bestreitet Pleitegefahr bei privaten Krankenversicherern

"Kein PKV-Unternehmen ist wirtschaftlich gefährdet." Mit dieser Aussage konterte der Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) gestern Berichte, denen zufolge einzelne der 52 am deutschen Markt agierenden privaten Krankenversicherer von einer Pleite bedroht seien.

DÜSSELDORF. Gleichwohl bestätigte der Verband Überlegungen der Branche, einen Pool für angeschlagene Gesellschaften nach dem Vorbild der Lebensversicherungsbranche einzurichten. "Dadurch soll garantiert werden, dass das Leistungsversprechen für jeden einzelnen Krankenversicherten eingelöst wird", erklärte ein Sprecher der Vereinten Krankenversicherung dem Handelsblatt. Keinesfalls sei an eine Bestandssicherung jedes einzelnen Unternehmens gedacht.

"Derzeit besteht aber noch kein Therapiebedarf", erklärte ein PKV-Sprecher. Die Arbeit der Kommission - die noch nicht getagt hat - habe nur präventiven Charakter. Sie soll sich vor allen Dingen mit den Auswirkungen des Aktienmarktes für die Versicherer auseinandersetzen. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) sieht keinen Handlungsbedarf. "Wir sehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass Krankenversicherer ihre Versicherungsverträge nicht erfüllen könnte", sagte ein BAFin-Sprecher. Offen bleibt dann aber, weshalb überhaupt eine Pool-Lösung erwägt wird, wenn angeblich kein Unternehmen in Schwierigkeiten steckt.

Die Talfahrt der Börsen trifft auch fast alle privaten Krankenversicherer, wenn sie nicht gerade wie der zweitgrößte Anbieter - die Debeka - nur eine Aktienquote von weniger als einem Prozent in ihren Bücher stehen haben. Reagiert hat auch die Nummer drei der Branche, die Allianz-Tochter Vereinte Krankenversicherung: Sie halbierte ihre Aktienquote fast von 15,8 Prozent Ende 2000 bis Ende Juni diesen Jahres auf 8,3 Prozent. Keine Angaben über die aktuelle Aktienquote will dagegen der Branchenprimus DKV machen. Die Kölner hatten mit Äußerungen über angeschlagene Konkurrenten die Diskussion über einen Branchenpool selbst in die Öffentlichkeit getragen.

Die Gefahr von möglichen Schieflagen bei Krankenversicherern relativiert auch Guido Leber, PKV-Experte bei der Ratingagentur Assekurata: "Ich halte die Situation bei den Krankenversicherern für nicht ganz so bedrohlich wie bei den Lebensversicherern." Schließlich unterscheide sich die Funktion der Kapitalanlagen bei beiden Versicherungssparten deutlich. Die privaten Krankenversicherer speisen aus den Kapitalanlagegewinnen zum einen die Alterungsrückstellungen für ihre Versicherten, zum anderen können sie über Überschüsse ansonsten notwendige Beitragsanhebungen in der Spitze abpuffern. "Ich sehe keine Gesellschaft, die dauerhaft nicht die 3,5 Prozent Rendite für die Alterungsrückstellung erwirtschaften könnte", erklärte Leber. Im Gegensatz zu den Lebensversicherern handelt es sich bei den 3,5 Prozent nicht um einen Garantiezins, sondern nur um einen Richtwert. Diese Verzinsung ist notwendig, um das notwendige Volumen bei den Altersrückstellungen aufzubauen. Sollten Gesellschaften diese Rendite verfehlen, müssten sie auf Reserven zurückgreifen oder die Rendite für die Alterungsrückstellung absenken. "Dies wäre aber mit Wettbewerbsnachteilen verbunden", sagt Leber. Alternativ können Konzermütter Geld in ihre Krankentöchter nachschießen; dies ist bei der HUK und beim LVM vergangenes Jahr geschehen, als beide Krankenversicherer mit ihren Kapitalanlageergebnissen unter 3,5 Prozent rutschten. Den weitaus höheren Druck auf die Beiträge sieht Leber bei die privaten Versicherern aber durch steigende Leistungsausgaben für die medizinische Versorgung.

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