Branchenreport: Öl-Aktien
Schwarzes Gold lässt Gewinne für Aktionäre sprudeln

Im Nahen Osten schwelen die Konflikte, doch der Öl-Preis ist auf dem Rückzug. Ein Aktien-Investment in den eher defensiven Bereich der Rohstoff- und Energie-Werte gilt immer noch als sicherer Hafen.

wsc - NEW YORK. Trotz der anhaltenden politischen Schwierigkeiten im Nahen Osten - die USA blickt voller Misstrauen auf den Irak - fällt der Preis für ein Barrel Rohöl auf ein Zwei-Monatstief. Was wenig verwundert, denn die Lager der Branche sind prall gefüllt. Die moderaten Rohöl-Preise, sowie eine stabile Nachfrage nach Benzin - in der vergangenen Woche verzeichneten Händler die stärkste Nachfrage nach Kerosin seit 8 Monaten-bescheren der Ölindustrie kräftige Gewinnmargen. Außerdem liegt die Auslastung der Förderanlagen bei 93,8 %, was dem höchsten Stand seit den Terrorattacken vom 11. September entspricht.

Die angespannte Lage im Mittleren Osten scheint hingegen die Kurse der Fördergesellschaften und Ölzulieferer nicht zu belasten. US-Präsident George W. Bush hat die Anweisung an den US-Geheimdienst CIA gegeben, den irakischen Präsidenten Saddam Hussein mittels verdeckten Operationen zu stürzen. In Notwehr dürfe er auch getötet werden.

Das dürfte den irakischen Diktatur veranlassen, die Preise mit einem noch höheren Aufschlag zu versehen. Immerhin rangierte Bagdad im vergangenen Jahr als sechstgrößter Lieferant in die Vereinigten Staaten und lieferte zu Beginn diesen Jahres rund zwei Drittel seiner täglich geförderten 1,7 Mio. Barrel an die USA. Ob das die Industrie belastet bleibt aber fraglich. Man hat gelernt, ohne das irakische Rohöl auszukommen. Genügend Alternativen bieten sich an. Der Handel mit Venezuela nimmt deutlich zu. Auch die immer noch mäßige Verfassung der Weltkonjunktur und damit eine schwache industrielle Nachfrage wirkt entlastend auf den Rohölpreis.

"Der private Anleger sollte sich nicht vor einem Investment im Rohstoffbereich fürchten", rät Fred Sturm, Portfolio Manager beim Branchenspezialisten Ivy Global Natural Resources Fund. Allerdings sei die Streuung extrem wichtig. Ein Grund, warum die Gruppe der Energiewerte so attraktiv für Investoren ist, sei der fortgeschrittene Konsolidierungsprozess. Nach einer ganzen Serie von Unternehmensaufkäufen und Megafusionen, wie die zwischen ExxonMobile und ChevronTexaco, hat der Wettbewerb ein gesundes Niveau erreicht.

Noch vor wenigen Jahren legte man großen Wert auf die Steigerung von Produktion und Fördermengen, aber nun wird weniger produziert und mehr Wert auf die Profite gelegt. Als einen "exzellenten Weckruf" bezeichnet Sturm die Energiekrise in Kalifornien. Diese habe gezeigt, wie wichtig es sei, zu diversifizieren. Dabei bevorzugt der Portfoliomanger vor allem die Energie-Dienstleister wie Smith International oder Nationel Oilwell. Diese sollten bei einem Aufschwung als erste profitieren. Bei einem konjunkturellen Aufschwung rüsten die Explorationskonzerne ihre Kapazitäten auf und kaufen Teile für Förderanlagen, wie Bohrmaschinen und Kontrollsysteme bei den Zulieferern ein.

Einen Bereich der Branche sollte der Investor aber meiden - die Energiehändler. Noch vor wenigen Wochen galt das "Energy-Trading" noch als Triebwerk für die gesamte Energieindustrie. Allerdings wurde innerhalb von wenigen Monaten das Vertrauen der Anleger zerstört. Das begann, als der ehemalige Branchenführer Enron aufgrund fehlerhafter Bilanzen Konkurs anmelden musste. Bei El Paso - wie bei Hunderten von Unternehmen der Branche - erschienen in der vergangenen Woche Vertreter der staatlichen Regulierungsbehörde und forderten Einsicht in die Bücher. Das Ziel der Ermittler: Sie wollen klären, ob die Energiehändler in sogenannten "round-trip-trades" identische Mengen an Energie lediglich untereinander ausgetauscht haben, um künstlich ihren Umsatz aufzublähen. Auf der Liste der Unternehmen mit fragwürdigen Handelspraktiken stehen neben dem Erdgas-Spezialisten El Paso auch Williams Co., CMS Energy und Dynegy.

Trotz alledem gilt ein Investment in den eher defensiven Bereich der Rohstoff- als auch Energie-Werte immer noch als sicherer Hafen. Aus Sicht der vergangenen zwei Jahre zeigte der Öl-Index der American Stock Exchange immer noch eine deutlich bessere Performance als der Dow Jones Industrial.

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