Branchensituation düster
Karstadt Quelle-Chef wenig optimistisch

Der Vorstandschef von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern Karstadt Quelle sieht in Deutschland noch kein Ende der Konsumflaute.

Reuters FRANKFURT. "Die Lage ist ernst. Es gibt auch heute keine Anzeichen, dass sich das kurzfristig zum Positiven ändern wird. Es gibt noch kein Licht am Ende des Tunnels. Wer das sieht, dem kann ich nur sagen: das ist Gegenlicht", sagte Wolfgang Urban in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Nach seiner Einschätzung empfinden die Verbraucher hier zu Lande die konjunkturelle Lage trotz allgemeiner Aufwärtstendenzen noch als Rezession. Die Einführung des Euro-Bargeldes zu Jahresbeginn sei unglücklicherweise mit einer schwachen Konjunktur, steigenden Arbeitslosenzahlen sowie Kapitalverlusten der Anleger an den Börsen zusammengefallen. Dies habe sich negativ ausgewirkt. "Die Lage im gesamten deutschen Einzelhandel ist ernst", sagte er.

Als ein Faktor für den von Branchenexperten ausgemachten Käuferstreik gilt allerdings auch, dass es im Zuge der Euro-Umstellung in etlichen Bereichen - vor allem in der Gastronomie und bei Dienstleistungen - oft zu drastischen Preisaufschlägen kam. Gleichwohl ist nach Ansicht von Experten in jüngster Zeit wieder ein Trend zu Preisnachlässen erkennbar. Die jährliche Teuerungsrate in Deutschland ist im Juni nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes auf nur noch 0,9 Prozent gesunken nach 1,1 Prozent im Monat davor. Vor allem rückläufige Preise bei Energie und Lebensmitteln drückten die Teuerungsrate auf den niedrigsten Wert seit November 1999. In der Euro-Zone beläuft sich die durchschnittliche Preissteigerung für die Lebenshaltung privater Haushalte derzeit auf 1,7 Prozent. Die ist der tiefste Stand seit Dezember 1999.

Erst vor Tagen hatte auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin erneut ein düsteres Bild der Branchensituation gezeichnet. So sagte HDE-Präsident Hermann Franzen, dass er das Jahr 2002 quasi abgehakt und keine Hoffnung mehr auf eine kurzfristige Wende habe. Ein stetig wachsender Teil der fast 150.000 Einzelhandelsfirmen gerate zunehmend in Existenzbedrängnis, mahnte er. Der HDE erwartet preisbereinigt in diesem Jahr für die Branche ein Umsatzminus von 2,75 Prozent. Für diese Prognose müsse es in der zweiten Hälfte 2002 aber sogar zu einem realen Umsatzplus von rund 0,5 Prozent kommen, hieß es. Die Pleite Zehntausender Geschäfte und der Verlust Tausender Arbeitsplätze wird befürchtet.

Karstadt Quelle hatte auch angesichts Verlusten bei der Touristiktochter Thomas Cook im für den Handel traditionell ohnehin eher schwachen ersten Quartal seinen Konzernverlust erhöht. Nach bisherigen Zahlen stieg der Fehlbetrag vor Steuern auf 120 Millionen Euro nach einem Minus von 80 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Den Umsatzrückgang bezifferte Karstadt jüngst mit minus 4,7 Prozent auf rund 3,75 Milliarden Euro. Eine Prognose zur Geschäftsentwicklung im Gesamtjahr gab der Vorstand bisher nicht. Eine solche Vorhersage hält Urban angesichts der konjunkturellen Unsicherheiten nach eigenen Worten derzeit für unseriös.

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