Branchentreffen der Unternehmensberater in Paris
Strategieberater profitieren von der Konjunkturflaute

Seit Anfang des Jahres hat die Konjunkturschwäche den Beratern die Ergebnisse verhagelt. Doch sie betonen, dass die Klienten in Krisenzeiten nicht weniger, sondern andere Beratung benötigen.

HB PARIS. Nach den Terroranschlägen in Amerika halten sich die Unternehmen auch mit Aufträgen für Berater zurück. "Vor allem in den USA haben Fluglinien, Flugzeughersteller, Flughäfen und Versicherer sofort nach den Attentaten Sparprogramme aufgelegt", sagt Roland Berger, Chairman und Global Managing Partner von Roland Berger & Partners, München, am Rande des Jahrestreffens der Branchenvereinigung AMCF (Association of Management Consulting Firms) dem Handelsblatt.

Von Euphorie seien die Unternehmensberater weit entfernt, stellt Berger fest. Doch gebe es Signale für eine Wiederbelebung, die sich positiv auf die Branche auswirken werde. Besonders amerikanische Kollegen hofften als Folge des jüngsten Konjunkturprogramms von US-Präsident George W. Bush, den Zinssenkungen und den versprochenen Steuersenkungen auf ein "massives Anspringen der US-Konjunktur" im zweiten Quartal 2002.

"Die private Nachfrage hat durch die Anschläge zusätzlich einen harten Schock weggesteckt", sagt John Clarkeson, Chairman der Boston Consulting Group (BCG). Immerhin sei die Regierung zum Handeln gezwungen gewesen. "Bush hat mit dem Programm den Reset-Knopf gedrückt", sagt er.

Ob das Programm ausreicht, um die Beraterbranche aus ihren Honorarnöten zu befreien, ist aber noch nicht ausgemacht. Spitzenleute der Branche räumen ein, dass der Honorarknick für die Branche schon vor den Terrorakten zu spüren war. Tief sind die Bremsspuren, welche die Konjunkturschwäche seit Anfang des Jahres in ihren Büchern hinterlassen hat. Reihenweise ließen Klienten die Berater vor der Türe stehen, streckten und verzögerten fest geplante Beratungsprogramme.

Am Beispiel der französischen Cap Gemini, die sich erst im Februar 2000 um die Technologiesparte des Konkurrenten Ernst & Young verstärkt hatte, wird deutlich, dass Verträge in Ausnahmesituationen wenig Gewissheit geben: Das Management berichtete von zahlreichen abrupten Stornierungen.

Für die Consultants ist es dabei nicht sinnvoll, auf die Erfüllung von Abmachungen zu pochen. Sie leben von langfristigen Kundenbeziehungen. "Wir sind da in einer delikaten Situation. Und wir können dem Kunden unser Produkt ja auch nicht einfach auf den Hof stellen", erläutert Berger.

Bei alledem sind europäische Berater meist weniger betroffen als die US-Kollegen. "In unserem Europageschäft machen sich die Attentate bisher kaum bemerkbar", meint Tom Geerdinck, Vorstandsmitglied der Twynstra Group, Amersfoort.

Auch konzentriert sich der Mandatsrückgang auf bestimmte Beratergruppen. Spezialisten und kleinere Consultants geraten unter Druck. "International aufgestellte integrierte Gruppen können im Abschwung ihre Angebote kombinieren und sind damit im Vorteil", erläutert Michael La Porta, Partner bei Deloitte Consulting und neuer AMCF-Präsident.

Die größeren Häuser können die Krise sogar nutzen. Denn in Zeiten, die keine eindeutige Entwicklung erkennen lassen, lässt sich die Industrie gerne mit Zukunftsszenarien und strategischen Optionen versorgen. "Die perfekte Gelegenheit für Strategieberater", meint BCG-Chairman Clarkeson.

AMCF-Präsident La Porta nennt ein Indiz für diese Entwicklung: Vor den Anschlägen hätten viele Finanzdienstleister ihre Beratungsbudgets zurückgefahren, doch heute liege das Beratungsvolumen schon wieder höher.

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