Branchenumfrage lässt auf länger anhaltende Flaute schließen – Schröders Arbeitsmarktziel weiter in Gefahr
Konjunktur wird zum Störfaktor für Rot-Grün

Deutschlands Unternehmen werden länger unter der Konjunkturflaute leiden als erwartet. Damit verschlechtert sich zugleich die Ausgangslage für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und die rot-grüne Koalition im Bundestagswahljahr 2002.

HB DÜSSELDORF. Wie sich aus einer Handelsblatt-Umfrage ergibt, sehen führende Branchenverbände keine baldige Wende des Negativtrends: Rückläufige Auftragseingänge und anhaltend hohe Rohstoffpreise trüben nicht nur die Aussichten für die zweite Jahreshälfte ein. Auch das Jahr 2002 dürfte schwierig werden. Die Skepsis wird zudem vom Geschäftsklima-Index des Münchner Ifo-Instituts gestützt. Dieser fiel im Mai auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Analysten zufolge signalisiert der am Freitag veröffentlichte Index nun sogar Rezessionsgefahr.



Kanzler Schröder baut bisher darauf, dass sich die Konjunktur nach einer kleinen "Delle" rasch wieder spürbar belebt. Doch nun gerät vor allem sein Arbeitsmarktziel weiter in Gefahr. Schröder hat angekündigt, die Zahl der Arbeitslosen 2002 unter 3,5 Millionen zu drücken.



Bereits vor einer Woche hatte das Hamburger HWWA-Institut 3,78 Millionen Arbeitslose für 2002 prognostiziert. Und neben den ökonomischen Daten droht eine Häufung von Meldungen über Personalabbau in Unternehmen das Klima für Rot-Grün zu belasten. Nachdem junge New-Economy-Firmen auf breiter Front Stellen streichen, betreffen die Nachrichten nun auch Branchen, die bisher als relativ krisenfest galten: Die Bayer AG, Leverkusen, kündigte zum Wochenende Werksschließungen an. Zuvor hatte der Chemiekonkurrent BASF erklärt, er werde Produktionsstätten still legen.



Inzwischen hat sich in fast allen Branchen der Wind gedreht. Selbst die Elektroindustrie, die für 2001 weiterhin ein Umsatzwachstum von 5 bis 6 Prozent erwartet, spürt deutlich nachlassende Auftragseingänge. Dies dürfte sich vor allem im kommenden Jahr negativ bemerkbar machen. Auch Automobilindustrie und Maschinenbau sehen derzeit wenig Anlass zur Zuversicht.



Besonders düster sind die Prognosen im Handel und am Bau. Nach Jahren der Stagnation hatte sich der Einzelhandel wichtige Impulse von der Steuerreform erhofft. Die Erwartungen wurden enttäuscht, in den ersten drei Monaten des Jahres sank der Umsatz weiter um 1,4 %. Man sei bereits froh, wenn man in diesem Jahr überhaupt noch reales Wachstum erreiche, so der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Die Bauwirtschaft steckt ohnehin im Schrumpfungsprozess. Nun erwartet die Bauindustrie erneut einen Einbruch des Geschäfts, die Umsätze sollen weiter um 5 % auf 183,2 Mrd. DM im Jahr 2001 schrumpfen. Ostdeutschland wird erneut besonders stark betroffen sein.



Ein Lichtblick bleibt die Informationswirtschaft. Die Unternehmen der Bereiche Telekommunikation und neue Medien erwarten für 2001 weiter ein Umsatzplus von 8,7 %. Die Gesamtbranche rechnet mit 16 000 neuen Jobs. Im Boomjahr 2000 hatte sie freilich noch 75 000 Stellen geschaffen.

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