Branchenverband erwartet 2003 Stagnation
IT-Branche baut Stellen ab

Informationstechnologie (IT) und Telekommunikation sind keine Wachstumsbranchen mehr: 2002 schrumpfen Umsatz und Beschäftigung, für 2003 ist eine Stagnation in Sicht.

HB FRANKFURT/MÜNCHEN. Ein Hoffnungsträger macht schlapp: Von den einstigen Job-Generatoren Informationstechnologie und Telekommunikation sind auch 2003 keine Wachstumsimpulse für die deutsche Wirtschaft zu erwarten. Einen mageren Umsatzanstieg um 0,4 % auf 136,5 Mrd. Euro sagte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) gestern der Branche voraus. Immerhin wäre damit die Talsohle des laufenden Jahres überwunden: 2002 wird der Umsatz der IT- und Telekommunikationsfirmen nach Schätzung der Bitkom um 1,3 % schrumpfen. Doch die Jahre, in denen die Branche im Durchschnitt viermal so schnell wie die gesamte Volkswirtschaft gewachsen war, sind vorbei.

Bemerkenswert ist insbesondere, dass inzwischen alle Segmente der IT- und Telekombranche vom Abschwung erfasst sind. Nicht nur die Hardware-Anbieter haben mit dem Absatz von Computern, Halbleitern und Bauteilen große Probleme, auch die lange Zeit als krisenfest geltenden Software-Hersteller und IT- Dienstleister stecken inzwischen in der Flaute. Beide Bereiche dürften sowohl im laufenden als auch im kommenden Jahr leicht schrumpfen, sagt Bitkom voraus. Der letzte Wachstumsbereich sind Telekommunikationsdienste, die die Branche 2003 mit einem Plus von knapp fünf Prozent vor einem weiteren Minusjahr retten sollen.

"Ich glaube und hoffe, dass wir im kommenden Jahr nicht mehr den Rückgang haben werden wie in diesem", sagte Bitkom-Präsident und Siemens-Vorstand Volker Jung am Dienstag in München.

Auch das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo sieht in seiner jüngsten Studie zum Software- und IT-Dienstleistungsmarkt Anzeichen dafür, dass die Talsohle im Laufe des Jahres durchschritten wird. In einer Umfrage im Juli und August stuften aber nur 18 % der befragten Unternehmen aus diesen Bereichen ihre Geschäftsentwicklung als positiv ein, während 29 % sie negativ sahen. Vor allem die kleineren Unternehmen blicken laut Ifo auch pessimistisch in die Zukunft.

Auch wenn das kommende Jahr wenigstens eine Stabilisierung des Branchenumsatzes bringen sollte - ein Ende des Arbeitsplatzabbaus ist nicht in Sicht. Nach 28 000 Stellen im laufenden Jahr, dürften die IT- und Telekommunikationsfirmen in Deutschland 2003 nochmals etliche Tausend Jobs streichen. Damit fällt die Branche, die knapp 800 000 Menschen beschäftigt, als Jobmaschine aus. In den Boomjahren 1999 bis 2001 hatten die Unternehmen der Branche noch insgesamt 87 000 neue Stellen geschaffen und sogar eine GreenCard-Regelung für ausländische IT- Fachkräfte durchgesetzt, um ihre Stellen besetzen zu können.

Diese Zeiten sind vorbei - inzwischen sind selbst in der IT-Hochburg München Fachleute keine Mangelware mehr. Allein der Technologiekonzern Siemens AG baut in München rund 2 300 Stellen ab. Auch der IT-Dienstleister T-Systems will 4 300 Stellen streichen, 1 100 Jobs gehen durch die Fusion der Computerhersteller Compaq und Hewlett-Packard in Deutschland verloren, bis zu 1 500 sind in der Produktion bei IBM in Mainz bedroht. Und auch die Krise des Mobilfunk-Dienstleisters Mobilcom AG wird mehr als 1 800 Stellen kosten. Viele der geplanten Personalreduzierungen werden erst im kommenden Jahr wirksam.

Die Flaute in der IT-Branche schlägt sich längst auch bei den Messen nieder. Die Münchener Computerschau Systems im Oktober etwa wird mangels Ausstellern nur rund halb so groß sein wie im Vorjahr. Auch für die weltgrößte Computermesse Cebit in Hannover im März 2003 gibt es keine langen Wartelisten, sondern noch reichlich Platz in den Hallen.

Quelle: Handelsblatt

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