Branchenverband erwartet Erholung im kommenden Jahr
Chipaktien bergen nach der Rally viel Risiko

Die Aktienkurse der Halbleiterhersteller sind wieder kräftig angesprungen. Investoren spekulieren auf die Erholung des Marktes. Doch tatsächlich liegt die Industrie noch am Boden. Wer jetzt Chipaktien kauft, sollte deshalb nach Meinung von Analysten nur auf die finanzstärksten Unternehmen setzen.

HB DÜSSELDORF. Es gibt doch noch Hoffnung für die gebeutelte Halbleiter-Industrie: Bereits im laufenden Quartal beginnt die Erholung. 2002 werden die Chipumsätze um 6 % zulegen. Ein Jahr später werden es schon wieder 21 % sein. Diese Prognose wagt der US-Branchenverband SIA in einer Zeit, in der sich kein Unternehmen zu Umsatz- und Ertragsprognosen hinreißen lässt. Zu ungewiss sind die Aussichten in einem Jahr wie 2001, in dem das weltweite Umsatzminus gut 30 % betragen dürfte. Das wäre doppelt so viel wie im bislang schwächsten Jahr 1985. Im September brach der Umsatz gegenüber dem Vorjahr sogar um 44,6 % ein.

"Es gibt keinen Grund für zu großen Pessimismus", meint Infineons Technologievorstand Sönke Mehrgardt. In der Handysparte und bei den Chips für die Automobilindustrie sehen die Münchener einen Silberstreif.

Anleger schenken dem Optimismus nach dem Motto "Je stärker der Einbruch, desto robuster die Erholung" Glauben. In den vergangenen Wochen erholten sich die Aktien der gesamten Branche deutlich. Einzelwerte wie Infineon legten seit dem Tief Ende September um 80 % zu. "Die Rally bei Halbleiterwerten ist liquiditätsgetrieben. Anleger spekulieren auf die Konsolidierung der Branche, doch davon ist bislang nichts zu sehen", bleibt Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim skeptisch für die weitere Entwicklung. Eine Konsolidierung setzt nach Meinung der Experten voraus, dass sich mindestens ein großer Wettbewerber vom Markt verabschiedet. In Frage käme Toshiba. Die Japaner wollen sich lieber heute als morgen aus dem risikoreichen Geschäft zurückziehen und verhandeln mit Infineon über ein Zusammenlegen ihrer Sparten. Doch die Gespräche sind ins Stocken geraten. "Ein Deal darf unsere Liquidität nicht um eine Mark verschlechtern", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher kürzlich dem Handelsblatt.

In Frage für ein Ausscheiden käme auch der südkoreanische Halbleiterhersteller Hynix. Doch zum Leidwesen der Konkurrenten Infineon und Micron greifen die Gläubiger mit immer neuen Sanierungsplänen dem hoch verschuldeten Unternehmen unter die Arme.

Entscheidend für eine Aktienauswahl ist deshalb die Antwort auf die Frage, wer den längsten Atem hat, das heißt, wer die Krise finanziell durchsteht und aus ihr gestärkt hervorgeht. Denn angesichts des harten Preiswettbewerbs zwischen Intel und AMD oder Infineon und Micron erwirtschaften momentan alle Halbleiter-Unternehmen Verluste. "ST Microelectronics und Micron sind finanziell besser als Infineon ausgestattet", meint Sal. Oppenheim-Spezialist Wagner. Doch eine Kaufempfehlung spricht er wie die meisten Analysten für keinen Wert aus. Das Risiko für deutliche Kursrückgänge ist nach Meinung der Investmenthäuser nach der Rally in den vergangenen Wochen zu groß. Die meisten positiven Urteile finden sich noch für Intel. Der US-Gigant ist breiter als alle Konkurrenten aufgestellt - in konjunkturell schwierigen Zeiten ist das ein großes Plus. Morgan Stanley Dean Witter rät mit einem Kursziel von 40 $ ebenso zum Kauf wie Dresdner Kleinwort Wasserstein, die ein Kursziel von 32 $ setzen.

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