Branchenverband fordert Einkaufskooperationen der Hersteller zur Verbesserung der Renditen
Möbelindustrie will enger zusammenrücken

HB DÜSSELDORF. In den Zentren der deutschen Möbelindustrie wie etwa Oberfranken und Ostwestfalen ähnelt sich das Bild: Die Schaltzentralen der mittelständischen Möbelhersteller sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt, die Besitzer der Firmen kämpfen oft mit denselben Problemen und sie beklagen die gleichen Schwierigkeiten mit dem Handel und wegen schwacher Gewinne. Und doch meiden die meisten von ihnen eine stärkere Zusammenarbeit untereinander.

Das schätzt zumindest Dirk-Uwe Klaas so ein, der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Er will diesen Zustand ändern. Im Gespräch mit dem Handelsblatt kündigte Klaas an, dass sich in der Möbelindustrie in diesem Jahr erstmals Einkaufskooperationen mehrerer Hersteller aus einem Segment bilden werden - vor allem, um bei Zulieferern Preisvorteile herauszuholen.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Möbelindustrie auf diesem Weg später auch gegenüber den starken Einkaufsverbänden des Handels geschlossener auftrete. Es gehe zwar nicht darum, mit der Macht der Verbände gleichzuziehen. "Doch unsere Branche muss die Kooperations- Phobie überwinden", sagt Klaas und hofft, dass dies mit dem anstehenden Generationenwechsel in vielen Firmen gelingt.

Die Macht der Einkaufsverbände wie Begros oder Atlas wurmt die Möbelindustrie schon lange. Stets beklagt die Branche, dass Möbel in den Handelshäusern zu Spottpreisen verkauft werden und die Industrie im Würgegriff der Verbände stehe, weil diese die Einkaufspreise ständig drückten. Folge: Der VDM schätzt, dass die durchschnittliche Rendite der Möbelhersteller voriges Jahr auf unter 1 % gesunken ist und fordert Preiserhöhungen von 5 % für normale Möbel und zwischen 10 und 12 % für Polstermöbel.

Ein Grund dafür: Die Kosten etwa für Ledermöbel sind wegen Materialknappheit zuletzt in die Höhe geschnellt (siehe unten stehenden Bericht). Das will die Industrie an die Verbraucher weitergeben. Hermann Gärtner, Geschäftsführer der Möbelhandelsgruppe Porta mit Sitz in Porta Westfalica, unterstützt Preisherhöhungen wegen der Kostenexplosion: "Schließlich können wir an einen kranken Möbelindustrie kein Interesse haben", sagt er.

Allerdings sieht er den Preiskampf noch längst nicht beendet. Sowohl im Handel als auch in der Industrie geben es noch große Überkapazitäten. "Das Angebot an Möbeln ist wesentlich höher als die Nachfrage, und deswegen ist der Preiswettbewerb weiterhin stark", sagt der Porta-Chef. "Das ist eben so in der Marktwirtschaft."

Doch Gärtner setzt auch auf die enge Zusammenarbeit mit Herstellern: So präsentiere Porta die Möbel in Kooperation mit der Industrie in so genannten Wohnwelten, also in eingerichteter Umgebung. In der verbesserten Präsentation der Waren sieht auch der VDM einen Weg, wie wieder mehr Möbel verkauft werden können. Denn umsatzmäßig kommt die Möbelindustrie seit Jahren schwer voran.

In einem Punkt sind sich Handel und Industrie schon lange einig: Die hohe Reklamationsquote wegen mangelhafter oder falsch gelieferter Möbel muss gesenkt werden, denn sie kostet der Branche jährlich Millionen. Porta-Chef Gärtner rechnet mit Kosten von 350 DM pro Möbelstück bei Reklamationen - ein Faktor, der für die schwachen Renditen mitverantwortlich ist. Porta ist daher nach eigenen Angaben Partnerschaften mit 20 Möbelherstellern eingegangen, um bessere Bestellungs-Abwicklung und Produktionsabläufe zu sichern.

Gemeinsam hoffen Handel und Industrie, dass sich in diesem Jahr das Konsumklima durch die Steuerreform deutlich verbessere und die Deutschen mehr Möbel kauften. Dadurch soll der leichte Aufwärtstrend beim Umsatz der Industrie im vorigen Jahr von 2,5 % auf 43,6 Mrd. DM verstärkt werden. Den Auftakt dazu soll die Internationale Möbelmesse in Köln geben, die heute eröffnet wird und die bis zum 21. Januar geöffnet ist. Sie ist mit 1 617 Ausstellern, davon 63 % aus dem Ausland, die größte ihrer Art weltweit.



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