Branchenverband hebt Prognosen für 2002 an
Chemieindustrie ist zuversichtlich

Die häufig als Zugpferd der Konjunktur bezeichnete Chemiebranche stimmt in das Klagelied der deutschen Wirtschaft nicht ein.

ant FRANKFURT/M. "Wie sehen zwar noch keinen echten Aufschwung, aber die Stimmung wird allmählich besser", sagte Wilhelm Simson, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), gestern in Frankfurt.

Wegen des äußerst schwachen ersten Quartals sei unter dem Strich in diesem Jahr zwar nicht mit hohen Wachstumsraten zu rechnen, erklärte Simson. Doch hätten die Umsätze der Chemiefirmen in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt. Der VCI hat deshalb seine Prognose für das Jahr 2002 angehoben und rechnet nun statt eines Umsatzrückgangs in der Branche mit einer Stagnation auf Vorjahresniveau von 133,9 Mrd. Euro. Bei der Produktionsmenge erwartet der VCI ein Plus von 2 % nach einem Rückgang von 2,4 % im Vorjahr.

Die Chemieindustrie stellt Vor- und Zwischenprodukte wie Kunststoffe und Chemikalien für die verarbeitende Industrie her und gilt daher als wichtiger Indikator für die konjunkturelle Lage. Der VCI sieht sich wegen der positiven Zeichen der letzten Wochen in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Chemie die Talsohle durchschritten habe. Der im ersten Halbjahr verbuchte Produktionsanstieg um 1 % stimme die Branche zuversichtlich.

Trotz des steigenden Euro-Kurses entwickelte sich das Auslandsgeschäft der chemischen Industrie in den ersten sechs Monaten besser als die Binnennachfrage. Während der Umsatz im Ausland um 3 % sank, ging der Inlandsumsatz um 6,5 % zurück. Unter dem Strich setzten die Chemieunternehmen 66,5 Mrd Euro um. Das entspricht einem Rückgang von 4,5 %.

Das unerwartete Anziehen des Euros im Verhältnis zum Dollar habe für die stark vom Export abhängige Chemieindustrie keineswegs nur negative Auswirkungen, sagte Simson. Da Rohöl und andere Vorprodukte zumeist in Dollar fakturiert werden, biete die relative Schwäche der US-Währung vielen Spezialchemiefirmen Währungsvorteile beim Einkauf. Ob diese Entlastung bereits in diesem Jahr die Nachteile im Exportgeschäft ausgleichen können, vermochte Simpson allerdings noch nicht abzuschätzen.

Etwas zuversichtlicher äußerte sich der VCI auch über die Entwicklung der Erzeugerpreise, die für die Gewinnspannen der Chemiebranche maßgeblich sind. Da seit März wieder ein Anstieg zu verzeichnen sei, rechnet der Branchenverband für das gesamte Jahr nur noch mit einem Rückgang von 1 % statt wie bisher von 2 %.

Auf lange Sicht rechnet Simson damit, dass die Spezialchemie in Deutschland weiter an Bedeutung gewinnen wird. Dies sei eine Folge der Globalisierung, die den Chemiefirmen nicht nur neue Wachstumsmärkte in Fernost und in Lateinamerika, sondern auch neue Wettbewerber beschert habe.

Da Deutschland wegen seines hohen Lohnniveaus etwa dem Preisdruck in der Basischemie nicht unbegrenzt standhalten könne, sei hier zu Lande in Zukunft weniger ein "Wachstum der Tonnagen" zu erwarten. Stattdessen würden sich die deutschen Unternehmen voraussichtlich auf die Entwicklung neuer Produkte mit immer spezielleren Anwendungen und höheren Margen konzentrieren.

Quelle: Handelsblatt

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